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Blutbad in Bagdad: Al-Qaida bekennt sich zu Geiselnahme in Kirche

Das Geiseldrama in einer katholischen Kirche in Bagdad hat viel mehr Opfer gefordert als zunächst angenommen. Bei dem Überfall wurden mehr als 50 Menschen getötet und Dutzende verletzt. Ein irakischer Ableger der Terrororganisation al-Qaida bekannte sich zu der Tat.

Bagdad - Tote, Verletzte, verstörte Menschen: Das blutige Geiseldrama in einer katholischen Kirche in Bagdad schockiert die Menschen im Irak - und hat weitaus mehr Opfer gefordert als zunächst bekannt. Wie ein Vertreter des irakischen Innenministeriums an diesem Montag mitteilte, wurden bei der Geiselnahme und ihrer gewaltsamen Beendigung 37 Gläubige und sieben Sicherheitskräfte getötet, 56 weitere Geiseln sowie 15 Polizisten wurden verletzt. Bei der Erstürmung der Kirche seien zudem fünf Terroristen getötet und acht Verdächtige festgenommen worden. Später korrigierte das Innenministerium die Zahl auf insgesamt 52 Tote - die Angreifer nicht eingeschlossen.

Ein mit Sprengstoffwesten und Granaten bewaffnetes Kommando war während des Gottesdienstes am Sonntag in eine katholische Kirche in Bagdad eingedrungen und hatte die dort versammelten Gläubigen in seine Gewalt gebracht. Hundert Menschen hielten sich laut Innenministerium zu dem Zeitpunkt in der Kirche auf. Irakische und US-Sicherheitskräfte stürmten schließlich das Gebäude und beendeten die Geiselnahme. Wie genau die Opfer ums Leben kamen, ist noch nicht bekannt.

"Alles deutet darauf hin, dass dieser Vorfall die Fingerabdrücke von al-Qaida trägt", sagte Iraks Verteidigungsminister Abdul Kadir Obeidi laut CNN im staatlichen Fernsehen. Diese Einschätzung wurde laut dem US-Unternehmen Site, das sich auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisiert hat, inzwischen bestätigt. Demnach bekannte sich der Qaida-Ableger "Islamischer Staat Irak" zu dem Überfall.

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Qaida-Terror im Irak: Blutbad in der Kirche
Laut Site erklärte die radikalislamische Bewegung, eine "Gruppe wütender Gotteskrieger" habe die syrisch-katholische Kirche in der irakischen Hauptstadt überfallen, die "schon immer von den Christen im Irak als Hauptquartier für den Kampf gegen den Islam" genutzt worden sei. Ziel der Aktion sei es gewesen, "unseren schwachen gefangenen muslimischen Schwestern" in Ägypten zu helfen, hieß es in der Erklärung weiter. Darin gab die Terrorgruppe der koptischen Kirche in Ägypten eine 48-stündige Frist, um den Status muslimischer Frauen offenzulegen, die "in Klöstern des Unglaubens und Kirchen des Götzendienstes gefangen" seien und diese freizulassen - eine Forderung, die die Geiselnehmer schon während ihres Überfalls gestellt hatten.

Eine Geisel berichtete der irakischen Agentur Sumeria News, die Terroristen hätten die Gläubigen in ein kleines Zimmer getrieben, dessen Türen und Fenster sie verrammelten. Dann sei der Strom ausgefallen. Die Geiseln hätten sich in Todesangst auf den Boden geworfen.

US-Militär überwachte die Befreiungsaktion

Das bewaffnete Kommando hatte zunächst versucht, die Börse von Bagdad zu überfallen. Dabei setzten die Angreifer auch Blendgranaten ein. Sie wurden aber vom Sicherheitspersonal in einem kurzen Feuergefecht zurückgeschlagen, zwei Menschen starben. Auf ihrer Flucht zündeten die Terroristen dann mindestens zwei Sprengsätze vor der Kirche.

Aus dem Sajedat-al-Nadscha-Gotteshaus der syrisch-katholischen Kirche riefen die Männer bei irakischen Fernsehstationen an und gaben sich als Mitglieder des irakischen Ablegers von al-Qaida aus. Über die Medien forderten sie von den Behörden die sofortige Freilassung von Qaida-Angehörigen, die im Irak und in Ägypten inhaftiert sind. Nach mehrstündigen Verhandlungen mit der Polizei ließen sie am Abend 19 Nonnen frei, behielten aber noch zahlreiche Geiseln - unter ihnen Frauen, Kinder und Geistliche - in ihrer Gewalt. Gegen 20.50 Uhr Ortszeit stürmten Sicherheitskräfte die Kirche. Das US-Militär beobachtete die Rettungsaktion mit Hilfe von Helikopterkameras.

Der irakische TV-Sender Al-Bagdadija berichtete am Abend, Soldaten hätten das Büro des Senders in Bagdad gestürmt und durchsucht. Die Razzia sei damit begründet worden, dass die Geiselnehmer oder ihre Komplizen bei dem Sender angerufen hätten.

Christen im Irak werden immer wieder Ziel von Gewalttaten. Ende 2008 wurden bei einer Anschlagsserie 40 Christen getötet. Die nun betroffene Kirche war bereits 2004 zusammen mit weiteren christlichen Einrichtungen in Bagdad Ziel von Angriffen gewesen. Derzeit leben im Irak rund 300.000 Katholiken.

hut/luk/dpa/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 362 Beiträge
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1. Die Religion des Friedens
diracdamm 01.11.2010
Zitat von sysopDas Geiseldrama in einer katholischen Kirche in Bagdad hat viel mehr Opfer gefordert als zunächst angenommen. Bei dem Überfall wurden mehr als 40 Menschen getötet und Dutzende verletzt. Ein irakischer Ableger der Terrororganisation al-Qaida bekannte sich zu der Tat. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,726374,00.html
Die Religion des Friedens schlägt wieder zu.
2. Letzte Christen im Irak sollen vertrieben werden
Hermann Löns 01.11.2010
Zitat von sysopDas Geiseldrama in einer katholischen Kirche in Bagdad hat viel mehr Opfer gefordert als zunächst angenommen. Bei dem Überfall wurden mehr als 40 Menschen getötet und Dutzende verletzt. Ein irakischer Ableger der Terrororganisation al-Qaida bekannte sich zu der Tat. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,726374,00.html
Glaubt etwa jemand, dass diese islamistische Aktion in einer christlichen Kirche ein Zufall ist? Es werden systematisch die letzten christlichen Iraker vertrieben wie das auch den letzten christlichen Türken (Stichwort: Armenier) vor hundert Jahren in Kleinasien erging. Ein religiös begründeter Holocaust vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Es muss immer wieder auf den allgemeinen Anspruch auf politische Dominanz durch islamische Gruppierungen hingewiesen werden.
3. George Bush
country_yokel, 01.11.2010
Wahrscheinlich ist dafür auch noch George Bush verantwortlich. Denn wie oft konnte man in der Zeitung lesen, dass mit Obama der Weltfriede anbrechen würde.
4. -
pseudokater 01.11.2010
99% der Getöteten des radikalislamischen Terrors sind Muslime. Umso unverständlicher, dass die Terroristen stillschweigend akzeptiert werden als Teil der Gesellschaft.
5. bush
lebenslang 01.11.2010
Zitat von country_yokelWahrscheinlich ist dafür auch noch George Bush verantwortlich. Denn wie oft konnte man in der Zeitung lesen, dass mit Obama der Weltfriede anbrechen würde.
george bush ? nein letztendlich ist jesus verantwortlich, hat er nicht die christliche religion ins leben gerufen deren anhänger sich erdreisten in bagdad einen gottesdienst abzuhalten.
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Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 37,548 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

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