Blutige Ausschreitungen in Iran Rebellen-Website meldet Tod von Mussawi-Neffen

In Teheran toben erbitterte Straßengefechte: Zehntausende Demonstranten protestieren gegen Präsident Ahmadinedschad. Anti-Aufruhr-Einheiten sollen nach Angaben einer Rebellen-Website mehrere Widerständler erschossen haben - auch ein Neffe von Oppositionsführer Mussawi soll unter den Opfern sein.


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Iran im Dezember 2009: Brutale Gewalt gegen Demonstranten

Teheran - In Iran toben die heftigsten Proteste seit Monaten. Trotz eines Großeinsatzes der Sicherheitskräfte protestieren Zehntausende Menschen in der Hauptstadt Teheran. Nach Angaben der oppositionellen Internetseite Rahesabs wurden vier Demonstranten von Sicherheitskräften erschossen. Die iranische Polizei bestreitet das.

Bei Rahesabs heißt es unter Berufung auf einen eigenen Reporter, dass drei der vier getöteten Demonstranten auf der großen Verbindungsachse Enghelab von "direkten Schüssen" der Sicherheitskräfte getroffen wurden. Nach Angaben der Oppositionsinternetseite Parlemannews ist auch der Neffe von Oppositionsführer Hossein Mussawi ums Leben gekommen. Der 20-Jährige sei am Mittag bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften getötet worden. Eine unabhängige Bestätigung gibt es nicht, weil die iranischen Behörden ausländischen Journalisten die Berichterstattung über Kundgebungen untersagt haben.

Das staatliche Fernsehen bestätigte am Abend, dass bei den jüngsten Protesten mehrere Menschen ums Leben gekommen seien. Schiitische Gläubige hätten sich gegen Aufständische gewandt, die "Provokation und Zerstörung brachten", berichtete das Staatsfernsehen am Sonntag auf seiner Website. "Bei diesen Unruhen wurden mehrere Menschen auf beiden Seiten getötet und mehrere weitere verletzt", hieß es ohne genauere Angaben zu den Opferzahlen.

Tränengas und Steine

Nach Angaben den Nachrichtenagentur AFP war die Lage in Teheran stundenlang völlig unübersichtlich. Die Sicherheitskräfte, die von den regierungstreuen Bassidsch-Milizen unterstützt wurden, setzten nach Angaben von Augenzeugen Tränengas ein, von Seiten der Demonstranten wurden Steine geworfen und Barrikaden errichtet, etwa am Asadi-Platz. Demonstranten richteten ihren Ruf "Tod dem Diktator" gegen Staatschef Mahmud Ahmadinedschad. Mehrere Polizeifahrzeuge wurden den Berichten zufolge in Brand gesetzt.

Auch in den Städten Isfahan, Nadschafabad, Schiras und Babol habe es gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben, berichtete Rahesabs. Unter Bezug auf das islamische Aschura-Fest skandierten die Demonstranten in Teheran: "Es ist der Monat des Bluts, die Bassidsch werden fallen!" Die Opposition machte sich das Aschura-Fest zunutze - da aus diesem Anlass ohnehin zahlreiche Menschen in den Straßen sind, werden Polizeieinsätze gegen Demonstranten erschwert.

An verschiedenen Stellen der Hauptstadt versammelten sich immer wieder in kürzester Zeit riesige Menschenmengen. In geringerem Umfang hatte es auch am Samstag schon Kundgebungen der Opposition gegeben. Das Aschura-Fest erinnert an Leiden und Tod des Begründers der schiitischen Glaubensrichtung, Imam Hussein.

Die Proteste im Sommer richteten sich gegen die umstrittene Wiederwahl Ahmadinedschads vom 12. Juni, die nach Auffassung der Opposition mit zahlreichen Manipulationen einherging. Bei den damaligen Protesten wurden nach offiziellen Angaben 36 Menschen getötet, nach Angaben der Opposition sogar 72.

Auf dem Höhepunkt der Proteste war in Teheran die Studentin Neda Agha-Soltan erschossen worden. Die Londoner "Times" kürte die 26-Jährige nun zur "Person des Jahres". Sie sei zum "weltweiten Symbol des Widerstands gegen die Tyrannei" geworden, hieß es in der Samstagsausgabe der Zeitung. Im Internet kursierende Bilder der sterbenden jungen Frau hätten "die letzten Reste von Legitimität des Regimes" zerstört und den Widerstand der Opposition weiter angefacht.

ssu/AFP/Reuters



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semir, 23.11.2009
1.
Zitat von sysopKein Zugang zur Anwältin, keine Anklage: Seit August sitzt die Journalistin Fariba Padschuh im berüchtigten Evin-Gefängnis. Ein Beispiel für die Unterdrückung der Opposition in Iran - hat die Demokratie-Bewegung derzeit überhaupt eine Chance?
Schwer vorstellbar: "Nach den Wahlen driftet die iranische Gesellschaft immer weiter auseinander. Die Risse verlaufen nicht nur zwischen den politischen Eliten, sondern auch durch ganz normale Familien." http://www.ftd.de/meinung/kommentare/:gastkommentar-iran-das-gespaltene-land/539402.html
C.Jung 23.11.2009
2. Ja, aber...
Zitat von sysopKein Zugang zur Anwältin, keine Anklage: Seit August sitzt die Journalistin Fariba Padschuh im berüchtigten Evin-Gefängnis. Ein Beispiel für die Unterdrückung der Opposition in Iran - hat die Demokratie-Bewegung derzeit überhaupt eine Chance?
... nur dann, wenn sie das rassistische Folter-Regime stürzt.
frietz, 23.11.2009
3.
Zitat von sysopKein Zugang zur Anwältin, keine Anklage: Seit August sitzt die Journalistin Fariba Padschuh im berüchtigten Evin-Gefängnis. Ein Beispiel für die Unterdrückung der Opposition in Iran - hat die Demokratie-Bewegung derzeit überhaupt eine Chance?
würde sich mit demokratie etwas diesbezüglich ändern? die usa sind doch ein paradebeispiel dafür, dass in "demokratien" genauso gefoltert wird.
frietz, 23.11.2009
4.
Zitat von sysopKein Zugang zur Anwältin, keine Anklage: Seit August sitzt die Journalistin Fariba Padschuh im berüchtigten Evin-Gefängnis. Ein Beispiel für die Unterdrückung der Opposition in Iran - hat die Demokratie-Bewegung derzeit überhaupt eine Chance?
würde sich mit demokratie etwas diesbezüglich ändern? die usa sind doch ein paradebeispiel dafür, dass in "demokratien" genauso gefoltert wird.
frietz, 23.11.2009
5.
Zitat von sysopKein Zugang zur Anwältin, keine Anklage: Seit August sitzt die Journalistin Fariba Padschuh im berüchtigten Evin-Gefängnis. Ein Beispiel für die Unterdrückung der Opposition in Iran - hat die Demokratie-Bewegung derzeit überhaupt eine Chance?
und was soll dann in der "demokratie" besser sein? die usa ist ein paradebeispiel dafür, dass auch in demokratien masslos und ungestraft gefoltert werden darf.
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