Blutige Unruhen Flüchtlinge verbrennen in kenianischer Kirche

Kenia droht nach dem umstrittenen Wahlergebnis im Chaos zu versinken. Alte Stammeskonflikte heizen die Stimmung weiter an. In einer Kirche verbrannten 40 Menschen bei lebendigem Leib. Sie hatten dort Zuflucht vor dem Mob gesucht.


Eldoret/Nairobi - Sie wollten sich in Sicherheit bringen - und verbrannten bei lebendigem Leib: Im Westen Kenias starben rund 40 Menschen in einer Kirche. Ein wütender Mob habe das Gotteshaus angezündet, in das vorwiegend Frauen und Kinder geflüchtet seien, berichtet die Zeitung "Daily Nation". Die Menschen waren in die Kirche geflüchtet, um vor den gewaltsamen Auseinandersetzungen Schutz zu suchen, die seit der Präsidentschaftswahl am 27. Dezember im ganzen Land toben.

Opfer der Unruhen (hier eine Szene aus Nairobi): Knapp 300 Tote seit Beginn der Krawalle
AFP

Opfer der Unruhen (hier eine Szene aus Nairobi): Knapp 300 Tote seit Beginn der Krawalle

Die schweren Unruhen wurden durch den Wahlsieg von Amtsinhaber Mwai Kibaki ausgelöst. Eine anfängliche Führung Raila Odingas war im Verlauf der Stimmenzählung immer weiter zusammengeschmolzen, bis der Amtsinhaber Mwai Kibaki schließlich zum Sieger erklärt wurde. Die Opposition geht davon aus, dass das Ergebnis gefälscht wurde. Auch EU-Wahlbeobachter sprachen von Unregelmäßigkeiten.

Seit der Wahl sind rund 300 Menschen bei den Unrugen ums Leben gekommen. Brennpunkte der Auseinandersetzungen sind unter anderen die Stadt Eldoret sowie die südlich davon gelegene Stadt Kisumu, eine Hochburg von Oppositionsführer Raila Odinga. Nach den neuen Ausschreitungen stieg die Zahl der Toten in Kenia nun auf rund 300 Menschen.

Randalierer werden von der Polizei erschossen

Die Unruhen werden durch Stammesrivalitäten noch zusätzlich angefacht. Präsident Kibaki gehört zu der politisch einflussreichen Gruppe der Kikuyu, die seit der Unabhängigkeit Kenias 1963 das politische und wirtschaftliche Leben des Landes dominiert. Odinga ist Angehöriger des Luo-Stammes, zu dem die meisten Oppositionsanhänger gehören.

Die Feindseligkeiten zwischen beiden Stämmen drohen durch den Streit um die langsame Stimmauszählung nach den Wahlen zu eskalieren: In Kibera, dem größten Slum Nairobis, zündeten Luo-Angehörige die Häuser und Geschäfte von Kikuyus an. Im vornehmlich von Kikuyus bewohnten Viertel Matahare wiederum wurden Luo-Angehörige zu Opfern von Plünderungen und Gewalt.

Die Stammeszugehörigkeit von Politikern ist in Kenia ein entscheidender Faktor. Fast 40 Prozent der Bürger machen ihre Entscheidung für einen Kandidaten davon abhängig, welcher Volksgruppe er angehört. In der vornehmlich von Kikuyu bewohnten Zentralprovinz erhielt Kibaki mehr als 90 Prozent der Stimmen, in der Luo-Hochburg rund um den Victoria-See gelang dies dem Oppositionschef.

In Kisumu will die Polizei derweil mit drastischen Maßnahmen verhindern, dass die Stadt im Chaos versinkt. Die Polizei habe Anweisung, alle zu erschießen, die gegen die Ausgangssperre verstießen und randalierten, sagt der Polizeikommandeur der Provinz Nyanza, Michael Baraza. "Wir werden niemanden schonen. In Kisumu soll wieder Frieden einkehren."

kat/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.