Blutige Unruhen USA und Großbritannien fordern Untersuchung der Kenia-Wahl

Nach dem umstrittenen Wahlsieg des kenianischen Präsidenten Mwai Kibaki droht das Land ins Chaos abzugleiten: Nach weiteren Ausschreitungen sind in der vergangenen Nacht nach Polizeiangaben mindestens 64 weitere Leichen gefunden worden.


Kisumu - Seit den Präsidentenwahlen vor fünf Tagen sind nach offiziellen Angaben fast 250 Menschen getötet worden. In der Nacht wurden weitere 48 Tote in das Leichenschauhaus der Stadt Kisumu gebracht, wie ein Angestellter der Nachrichtenagentur AFP sagte. 44 Leichen hätten "frische Einschusslöcher" gehabt, vier Menschen seien mit Macheten getötet worden. Seit Montag seien 101 Leichen eingeliefert worden.

Demonstranten in Nairobi: Ordnungskräfte gehen gewaltsam gegen Wahlprotest vor
DPA

Demonstranten in Nairobi: Ordnungskräfte gehen gewaltsam gegen Wahlprotest vor

Die kenianische Zeitung "The Standard" berichtete in ihrer Internetausgabe von landesweit mehr als 160 Toten. Die Zahl sei von der Polizei genannt worden. Sie beziehe sich allein auf die am schwersten betroffenen Gebiete, schreibt das Blatt.

Nach Angaben eines Anwohners schoss die Polizei in der Nacht im Elendsviertel Kondele in Kisumu wahllos auf Menschen, mehrere Leichen lägen auf den Straßen. In der nahe gelegenen Stadt Eldoret wurden laut Polizei mindestens 18 weitere Menschen getötet. Bereits gestern waren bei Ausschreitungen fast 100 Menschen getötet worden. Allein in Kisumu, einer Hochburg der Anhänger des Oppositionskandidaten Raila Odinga, starben mindestens 53 Menschen.

Die schweren Unruhen wurden durch den Wahlsieg von Amtsinhaber Kibaki ausgelöst. Die Odinga-Partei Orange Democratic Movement (ODM) erkennt das Wahlergebnis nicht an, dessen Auszählung mehrere Tage dauerte. Eine anfängliche Führung Odingas war im Verlauf der Stimmenzählung immer weiter zusammengeschmolzen, bis Kibaki schließlich zum Sieger erklärt wurde. Die Opposition geht davon aus, dass das Ergebnis gefälscht wurde. Auch EU-Wahlbeobachter sprachen von Unregelmäßigkeiten.

Sogar Mitglieder der Wahlkommission, die den Sieg Kibakis mit rund 230.000 Stimmen Vorsprung bestätigt hatte, riefen zu einer Überprüfung auf. Einige Berichte ließen Zweifel an der ordnungsgemäßen Auszählung aufkommen, hieß es in einer Erklärung der Wahlkommissare. Offensichtlich seien die Ergebnisse zugunsten der Präsidentenpartei "aufgebläht" worden, schrieb der "Standard". Die Wahl selbst sei nicht zu beanstanden gewesen.

Die USA und Großbritannien haben inzwischen eine Untersuchung der umstrittenen Wahl gefordert. Der Streit um das Ergebnis sollte im Rahmen der Verfassung und der Gesetze gelöst werden, hieß es gestern aus Washington. Ein Sprecher der britischen Regierung forderte die Regierung und die Opposition auf, zum Wohle des Volkes zusammenzuarbeiten.

mik/AFP/Reuters/dpa



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