Blutiger Machtkampf Elfenbeinküste hat zwei Präsidenten

Der Machtkampf in der Elfenbeinküste eskaliert: Erst ließ sich Laurent Gbagbo als Präsident vereidigen, dann leistete auch Alassane Ouattara den Amtsschwur. Anhänger der beiden Politiker liefern sich heftige Straßenschlachten, internationale Organisationen sind besorgt.

Oppositionspolitiker Ouattara: Konfrontation an der Elfenbeinküste
AFP

Oppositionspolitiker Ouattara: Konfrontation an der Elfenbeinküste


Abidjan - An der Elfenbeinküste ist ein erbitterter Kampf um das Präsidentenamt entbrannt: Nach Amtsinhaber Laurent Gbagbo hat sich nun auch der Oppositionsführer Alassane Ouattara als Staatslenker vereidigen lassen. Ouattara gab die Vereidigung in einem Brief an den Verfassungsrat des westafrikanischen Landes bekannt. Protokollarisch hat die Elfenbeinküste nun zwei Präsidenten.

Die Präsidentenwahl sollte die Elfenbeinküste eigentlich einen und nach dem 2003 beendeten Bürgerkrieg wieder zurück zur Normalität führen. Jetzt ist das Land gespalten und wird von einer Welle der Gewalt erschüttert.

Gbagbo hatte sich am Mittag für eine neue Amtszeit vereidigen lassen - trotz internationaler Proteste und massiver Zweifel an seinem Wahlsieg. "Dass mir das Volk das Vertrauen entziehe und dass ich die volle Härte des Gesetzes erfahre, wenn ich meinen Eid verletze", sagte der seit zehn Jahren amtierende Gbagbo vor zahlreichen Anwesenden bei der vom Fernsehen übertragenen Zeremonie.

Uno, EU, die einstige Kolonialmacht Frankreich, die USA und andere Staaten hatten zuvor mitgeteilt, dass sie den Oppositionspolitiker Alassane Ouattara als den rechtmäßig gewählten Präsidenten ansehen. Sie forderten ihn auf, das von der Wahlkommission verkündete Ergebnis mit Ouattara als Sieger anzuerkennen. Die Wahlkommission hatte am Donnerstag erklärt, Ouattara habe die Stichwahl vor knapp einer Woche mit 54,1 Prozent der Stimmen gewonnen.

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Elfenbeinküste: Gefährliche Spannungen in Westafrika

Das Verfassungsgericht hatte am Freitag Ouattara den Wahlsieg aberkannt und stattdessen Gbagbo zum Sieger der Präsidentwahl erklärt. Die Behörde, die von einem ehemaligen Innenminister Gbagbos geleitet wird, hatte die Ergebnisse in sieben Regionen des Nordens annulliert - dadurch kam Gbagbo angeblich auf knapp 51 Prozent der Stimmen.

Der Uno-Vertreter in Abidjan, Choi Young Jin, sagte, das vom Verfassungsrat bekanntgegebene Ergebnis entspreche "nicht den Tatsachen". Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte, er erkenne Ouattaras Wahlsieg an und erwarte, dass Amtsinhaber Gbagbo zum Wohle der Elfenbeinküste auf die Macht verzichte.

Gbagbos erneute Vereidigung war sogar in der Regierung umstritten, berichtete der britische Rundfunksender BBC am Samstag. Regierungschef Guillaume Soro reichte seinen Rücktritt ein und erklärte seine Unterstützung für Ouattara.

Ermutigt durch die nationale und internationale Unterstützung legte Ouattara seinen eigenen Amtseid ab: "Ich, Alassane Ouattara, schwöre den nachfolgenden Amtseid des Präsidenten der Republik Elfenbeinküste", hieß es in dem handschriftlichen Brief. Zur Begründung der Schriftform gab Ouattara an, unter den "besonderen Umständen" den Eid nicht selbst vor dem Verfassungsrat ablegen zu können.

In der Wirtschaftsmetropole Abidjan ist die Situation extrem angespannt. In der Nacht waren in mehreren Vierteln der Hafenstadt Schüsse zu hören. Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften kamen im Viertel Port-Bouet im Süden der Stadt zwei Menschen ums Leben. Seit der Stichwahl am Sonntag starben bei den Unruhen in dem westafrikanischen Land mindestens 17 Menschen.

ssu/AFP/dpa



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