Blutiger Machtkampf Mehr als 800 Tote in der Elfenbeinküste

Der Kampf zwischen dem legitimen Präsidenten Ouattara und seinem Widersacher Gbagbo fordert immer mehr Opfer: Laut Angaben des Roten Kreuzes sind in der Stadt Duékoué an einem einzigen Tag mindestens 800 Menschen getötet worden. Ihre Hochburg Abidjan konnten Gbagbos Truppen halten.

Kämpfe in Abidjan: Der international geächtete Ex-Präsident Gbagbo gibt nicht auf
REUTERS

Kämpfe in Abidjan: Der international geächtete Ex-Präsident Gbagbo gibt nicht auf


Genf/Abidjan - Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat das Blutvergießen in der Elfenbeinküste scharf verurteilt. Ban sagte nach einer Mitteilung der Vereinten Nationen am Freitag in Nairobi, die Uno-Blauhelme täten alles, um die Zivilbevölkerung und die Uno-Mitarbeiter zu schützen. Es habe bereits zu viele Tote und Verletzte im Machtkampf gegeben. Ban forderte den abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo erneut auf, die Macht an seinen gewählten Nachfolger Alassane Ouattara abzugeben. Beide Konfliktparteien sollten Zurückhaltung üben, verlangte Ban.

Bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen sind nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in der Stadt Duékoué an einem einzigen Tag mindestens 800 Menschen getötet worden. Eine Sprecherin sagte der Nachrichtenagentur AFP auf Nachfrage, die Informationen über die Opfer seien von IKRK-Vertretern zusammengetragen worden, die sich am Donnerstag und Freitag in Duékoué aufhielten. Dabei hätten diese selbst "sehr viele Leichen" gesehen.

In einer in Genf veröffentlichten Erklärung zeigte sich die Chefin der IKRK-Delegation in der Elfenbeinküste, Dominique Liengme, "schockiert vom Ausmaß und der Brutalität" des Blutbades. "Das IKRK verurteilt die direkten Attacken auf Zivilisten und erinnert an die Verpflichtung der kämpfenden Parteien, unter allen Umständen den Schutz der Zivilisten in den von ihnen kontrollierten Gebieten zu sichern."

In der Elfenbeinküste tobt seit den umstrittenen Präsidentschaftswahlen im November ein Machtkampf zwischen dem international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara und seinem Widersacher Laurent Gbagbo, der die Macht nicht abgeben will. In den vergangenen Tagen hatten Truppen Ouattaras in dem westafrikanischen Land eine Offensive gestartet. Dabei eroberten sie nach zweitägigen Kämpfen unter anderem am Dienstag Duékoué.

Am Freitag kämpften beide Seiten erbittert um die Wirtschaftsmetropole Abidjan. Dabei schlugen die Truppen Gbagbos nach eigenen Angaben einen Angriff der bewaffneten Anhänger Ouattaras zurück, der den Präsidentenpalast und die Residenz Gbagbos in Abidjan zum Ziel hatte. Laut dem Bericht eines AFP-Korrespondenten flaute der Kampflärm im Zentrum der Stadt am Freitagabend etwas ab. Die Einwohner trauten sich aber weiter nicht aus den Häusern, die Straßen der Wirtschaftsmetropole blieben verwaist.

caiAFP/dpa



insgesamt 41 Beiträge
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timewalk 02.04.2011
1. Öl tötet die Welt
Zitat von sysopDer Kampf zwischen dem legitimen Präsidenten Ouattara und seinem Widersacher Gbagbo fordert immer mehr Opfer: Laut Angaben des Roten Kreuzes sind in der Stadt Duékoué an einem einzigen Tag mindestens 800 Menschen getötet worden. Ihre Hochburg Abidjan konnten Gbagos Truppen halten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754630,00.html
Wieso wird dort nicht was gemacht, aber anstatt in Libyen? Kann es was mit dem Öldeal der Rebellen zutun haben?
burninghands, 02.04.2011
2. Wo ist die US Air Force, wenn man sie braucht???
Oder die Englaender, die Franzosen? Ach ja, da gibt es "bloss" Kakao, kein Oel...
avollmer 02.04.2011
3. Sicherheitsrat? Westerwelle?
Gibt es schon eine Flugverbotszone? Sicherheitstruppen? Irgendein Eingreifen? Eine Stellungsnahme des Bundesaußenministers oder des Auswärtigen Amtes? Sind deutsche Firmen oder Urlauber betroffen?
Mineraloel Steuer 02.04.2011
4. 1
Da ist der wahre Massenmord, Genozid oder Massaker wenn man es so nennen will. Anstatt das die Allierten hier eingreifen um die Zivilbevölkerung zu schützten, wird in Lybien weiter fleissig für die Rebellen gebombt. Traurige Welt wirklich traurig.
flower power 02.04.2011
5. Wo ist
Sarkozy? Wo ist die Nato, hier geht es auch um Menschenleben - oder? Wo sind die Spanier, die Dänen, die Belgier, die Engländer, wo ist der UN-sicherheitsrat? Oder wollen die hier nicht? Messen die mit zwei Maßstäbe?
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