Vorfall in Saudi-Arabien BND-Agenten unter Beschuss

Die Attacke auf ein deutsches Diplomaten-Auto in Saudi-Arabien war brisanter als bisher bekannt. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hatten Angreifer offenbar versucht, zwei Agenten des Bundesnachrichtendienstes zu entführen. Anschließend kam es zu einer wilden Verfolgungsjagd.

BND-Zentrale in Pullach: Aufregung nach Angriff in Saudi-Arabien
REUTERS

BND-Zentrale in Pullach: Aufregung nach Angriff in Saudi-Arabien

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Berlin/Kandahar - Bei der Attacke auf ein deutsches Diplomaten-Fahrzeug in Saudi-Arabien waren offenbar zwei Agenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) direkt beteiligt. Beide entkamen am Montagnachmittag im Osten des Landes nur knapp einem möglichen Entführungsversuch unter Waffengewalt.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurden die beiden Agenten, die regulär bei der Botschaft in Riad akkreditiert sind, bei einer Autofahrt von Bewaffneten auf Motorrädern gestoppt. Dies geschah gegen 17.30 Uhr Ortszeit nahe der Ortschaft Awamiya. Der Botschaftswagen war durch sein Diplomatenkennzeichen leicht zu erkennen. Laut den Aussagen der BND-Agenten fuchtelten die Angreifer mit automatischen Gewehren herum und signalisierten den Deutschen, sofort auszusteigen.

Die BND-Leute gaben Gas, um der gefährlichen Situation zu entfliehen. Daraufhin wurden sie von einem Motorradfahrer und einem zusätzlichen Auto verfolgt. Die Situation mündete in einer Verfolgungsjagd. Aus dem Auto und von dem Motorrad aus wurde der Wagen mit AK-47-Gewehren beschossen und dabei schwer beschädigt. Die BND-Leute kamen wegen der Panzerung des Wagens nicht zu Schaden. Das Auto brannte später aus.

Nur durch Glück, so beschreiben es Insider, seien die Deutschen durch die Hilfe eines Anwohners gerettet worden, dieser versteckte sie in seinem Haus. Dort konnten sie später abgeholt und sicher zurück in die Hauptstadt Riad gebracht werden. Die Lage sei teilweise sehr brenzlig gewesen, hieß es in Berlin. Eine Entführung der beiden wäre aus Sicht des BND eine Katastrophe gewesen.

Der Angriff ist die heftigste Attacke auf BND-Agenten seit einigen Jahren. In Bundesregierung und Nachrichtendienst herrscht helle Aufregung. Am Dienstag unterrichtete BND-Präsident Gerhard Schindler im Bundeskanzleramt die Mitglieder der sogenannten nachrichtendienstlichen Lage über den Vorfall.

Routinemäßige Missionsfahrt

Über den Hintergrund der Attacke ist bisher wenig bekannt. Aufgrund des Versuchs, die beiden Agenten aus dem Wagen zu zwingen, geht man davon aus, dass die beiden entführt werden sollten. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, dass man bisher nicht von einem terroristischen Anschlag ausgeht, der sich gezielt gegen Deutsche richtete. Vielmehr sei der Jeep, der reguläre Diplomatenkennzeichen führte, möglicherweise von Kriminellen identifiziert worden, die Ausländer entführen und Lösegeld erpressen wollten.

Die Botschaft wandte sich an die lokalen Behörden, um den Vorfall aufzuklären. Die Region Saudi-Arabiens, in der die beiden BND-Mitarbeiter unterwegs waren, gilt als Krisenherd im autokratisch geführten Königreich. In dem Ort, in dem vorwiegend Angehörige der schiitischen Minderheit leben, hatte es in den vergangenen zwei Jahren mehrfach Protestkundgebungen gegen die Regierung gegeben. Dabei kam es auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften.

In Berlin hieß es, die beiden BND-Leute seien zu einer Erkundungsfahrt in der Region unterwegs gewesen. Solche Missionen gehören zur Routine des Nachrichtendienstes. Meist stehen Gespräche mit lokalen Stammesführern und Sicherheitskräften auf dem Programm, um die Situation besser einschätzen zu können. Dabei werden die BND-Agenten nicht durch Bodyguards der Botschaft begleitet, sind aber meist leicht bewaffnet.



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Seite 1
darthmax 14.01.2014
1. Spione
als Diplomaten unterwegs, komisch ist das schon wenn wir gleichzeitig den USA vorwerfen uns auszuspionieren.
mborevi 14.01.2014
2. Also kein Diplomatenauto, sondern ...
Zitat von sysopREUTERSDie Attacke auf ein deutsches Diplomaten-Auto in Saudi-Arabien war brisanter als bisher bekannt: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hatten Angreifer offenbar versucht, zwei Agenten des Bundesnachrichtendienstes zu entführen. Anschließend kam es zu einer wilden Verfolgungsjagd. http://www.spiegel.de/politik/ausland/bnd-agenten-unter-beschuss-in-saudi-arabien-a-943496.html
... ein Fahrzeug mit deutschen Spionen? Den Angriff kann ich den Saudis nicht mal verübeln. Fremde Spione werden doch verfolgt, oder nicht?
schon,aber 14.01.2014
3. linkes Weltbild?
Zitat von mborevi... ein Fahrzeug mit deutschen Spionen? Den Angriff kann ich den Saudis nicht mal verübeln. Fremde Spione werden doch verfolgt, oder nicht?
Interessante These, einen bewaffneten Angriff auf ein Diplomatenauto zu rechtfertigen. Fehlt nur noch, sich im Zusammenhang mit Drohnenangriffen auf Terroristen zu echauffieren.
leser47116352 14.01.2014
4.
das ist das berufsrisiko von geheimdienstagenten im aussendienst, insb. in solchen regionen. auch polizisten im streifendienst haben ein erhoehtes risiko verletzt oder gar getoetet zu werden, und soldaten im einsatz natuerlich besonders. so ist das halt, wenn man solche berufe ergreift, das macht ja jeder freiwillig.
derkrieger 14.01.2014
5. Hobby-Experten hier
Das ist wieder typisches Verhalten einiger (ahnungsloser) Foristen: Das sind BND-Leute, die völlig normal und zum Teil mit Wissen des "gastgebenden" Stattes dort tätig sind und bspw. Lageberichte für das Außenamt anfertigen. Die Ergebnisse kann man auf der Website des Außenministeriums abrufen und ist für Reisende (insbesondere für Geschäftsreisende) nützlich. Denn es gibt auch Menschen, die in Regionen reisen MÜSSEN (beruflich bedingt), die nicht dem Urlaubsideal des "Deutschen Michels" entsprechen.
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