Haft für Ex-Gouverneur McDonnell Sturz eines Hoffnungsträgers

Er war mal ein Star der US-Republikaner: Jetzt wurde Virginias Ex-Gouverneur Bob McDonnell wegen Bestechlichkeit zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Kein "Geschenk" war ihm einst zu schade - von der Rolex bis zur Darmspülung.

Bezeichnet sich selbst als "gefallenen Menschen": Bob McDonnell mit Töchtern
AP/dpa

Bezeichnet sich selbst als "gefallenen Menschen": Bob McDonnell mit Töchtern

Von , New York


Artig gab er den Büßer. "Ich möchte dem Gericht und Richter Spencer für die Gnade danken", sagte Bob McDonnell. "Ich bin ein gefallener Mensch." Dann die obligatorische Entschuldigung "an meine geliebten Bürger von Virginia" - konterkariert vom Schwur: "Niemals habe ich meinen heiligen Amtseid verraten."

Von wegen. Lügen, Pathos, Kungeleien: Bob McConnells Karriere endete am Dienstag mit den gleichen Tricks, aus denen sie bestand. Mit stoischem Kinn quittierte der Ex-Gouverneur von Virginia und einstige Hoffnungsträger der Republikaner das Urteil besagten Gerichts, als sei es eine vom Himmel gefallene Gottesplage: zwei Jahre Gefängnis wegen Korruption.

Bestechlichkeit auf Neureich-Niveau: Rolex-Uhren, Ferraris, Urlaubsreisen, Kleider von Oscar de la Renta, Gesamtschaden 177.000 Dollar. "Ein Preis muss gezahlt werden", sprach US-Bezirksrichter James Spencer, doch es wirkte, als wolle er sich seinerseits entschuldigen, dass er die "empfohlene" Strafe (bis 20 Jahre) nicht tiefer drosseln konnte: "Es bricht mir das Herz."

Es war der Schlussstrich unter den steilen Sturz eines Politikers - galt McDonnell ja mal als Präsidentschaftsaspirant. Doch der fünfwöchige Sensationsprozess vom Sommer, dem jetzt das Strafmaß folgte, enthüllte das ordinäre Elend hinter seiner Patriziermaske. Kein Sexskandal, nein: ein Shopping-Skandal - eine triste Parabel auch auf den "amerikanischen Traum".

Raffgier, Protz, Ehekrach: Eine Seifenoper, ach so unwürdig des stolzen Bundesstaates Virginia, das sich rühmt, die älteste Kolonie Amerikas gewesen zu sein, und des Kuriosums, dass es mehr US-Präsidenten hervorgebracht hat als sonst ein Bundesstaat.

Präsidenten - und eben auch käufliche Politiker. McDonnell, 60, wollte seine Käuflichkeit lange nicht wahrhaben. Schien es doch ein legitimes System: die Geschenke, die Schecks, die "Gefallen". Mit Mitt Romney und Rick Perry verkehrte er, sammelte Abermillionen Dollar an Wahlkampfspenden, bereitete sich schon auf höhere Parteiweihen vor. Dann zerbrach alles.

Zuerst zerbrach die Ehe. Seit 1976 waren sie verheiratet, der fesche Armeeoffizier und Maureen Gardner, vormals Cheerleaderin. Doch Mitte der Neunzigerjahre, so sagte McDonnell vor Gericht aus, habe er die ersten Brüche bemerkt - bei einer Familienreise nach Walt Disney World, dem "Happiest Place on Earth".

Ausgerechnet McDonnell, der sich stets zum Verfechter der "traditionellen Familie" stilisiert hatte. Richtig schlimm wurde der Konflikt 2006, als er zum Justizminister Virginias aufstieg - und dann 2009 mit seinem Einzug in die koloniale Gouverneursvilla, Amerikas älteste.

Zank und Abzocke prägten jene Jahre, in denen die McDonnells sich selbst die privatesten Bedürfnisse vom Staat zahlen ließen: Duschgel, Sonnenöl, Deodorant, eine Darmspülung ("Detox Cleanse"). Sie zwangen die Angestellten des Gouverneurshaushalts zu Botengängen für die Kinder, etwa um deren Kleider aus der Reinigung abzuholen. Der Ehe half das alles nicht, die war längst verwelkt.

Folgenreicher war die Freundschaft der McDonnells mit dem Selfmade-Millionär Jonnie Williams. Der Chef des Diätmittelkonzerns Star Scientific, der wegen des Verdachts des Anlegerbetrugs im Visier der US-Börsenaufsicht SEC stand, "lieh" dem Gouverneurspaar zuerst seinen Learjet, dann seinen Ferrari, dann sein Ferienhaus - und schließlich 120.000 Dollar.

Weitere "Geschenke": ein Louis-Vuitton-Mantel, zwei Oscar-de-la-Renta-Kleider, eine silberne Rolex, Golfschuhe, zwei iPhones, die Hochzeitskosten von Tochter Cailin sowie "eine Whirlpool-Abdeckung". Im Gegenzug legte McDonnell bei seinen Behörden ein gutes Wort ein für Anatabloc, ein dubioses Williams-Produkt. Maureen versuchte parallel, Mitt Romneys Frau Ann für Anatabloc zu begeistern.

2013 deckte die "Washington Post" die Kungeleien auf. Die Justiz ließ nicht lange auf sich warten. Der Schuldspruch kam im September, die Strafe am Dienstag - für ihn, Maureen McDonnell ist erst im Februar dran.

Zum Schluss ergriff McDonnell das Wort: "Ich stehe als untröstlicher und gedemütigter Mann vor Ihnen." Im Publikum zückten sie die Kleenex.

So gedemütigt war er aber dann doch nicht. "Ich bin mit dem Urteil nicht einverstanden", sagte er anschließend und kündigte sofort Berufung an.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tkirchner 07.01.2015
1. Chicago
Schreiben Sie doch auch mal einen Artikel über die Korruption in Chicago. Da ist viel mehr los und es landen viel mehr Leute im Knast als in Virginia. Allerdings sind die nur Demokraten und nicht Republikaner, und noch dazu einige ehem. Weggefährten von Obama. Das passt vielleicht nicht so ins Bild.
BettyB. 07.01.2015
2. Wie war dasnoch mal?
Eine wissenschaftliche US-amerikanische Studie ergab, dass es sich bei den USA um eine Oligarchie handelt. Wen wundert es also, wenn sich einzelne Politiker entsprechend verhalten?
izra_l. 07.01.2015
3. Lustig...
Er stürzt wohl nur offiziell deswegen. Ich vermute wenn der Sieger ser republikanischen Präsidentschaftskandidaten bekannt ist, werden wir wissen wer ihn zum Sturz brachte. Liebe Grüße von Jeb BUSH, dessen Vater cia Direktor war und dessen Vater wiederum die cia mitbegründete. Übrigens ist Papa eiber der wenigen in den USA die sich bewusst nicht darN erinnern können wo sie am Tag der ermordung JFKs waren. Man weiß nur dass er die Nacht vorher in Dallas geschlafen hat. Ich glaube der Herr Gouverneur hat die Bushs unterschätzt und nun zählt er den Preis, öffentliche Schmach inbegriffen und mit tatkräftiger Unterstützung der Freien Presse die den Tellerrand vor lauter Krümmel nicht sehen kann.
m_ocean 07.01.2015
4. Macht korrumpiert....
davor ist kein Politiker gefeit. Die einen nehmen Geschenke, Geld, Sachleistungen an, und andere Politiker lassen sich in Form von Macht, Ansehen und Einfluss bestechen. Wo ist da der Unterschied? Ein Schröder sitzt heute in Gazprom.... und wer glaubt Merkel sei immun, der sollte sich nur Fragen, warum müssen die Bürger die Schulden der Banken zahlen (Rettungsschirm & Co)?
alphaopossum 07.01.2015
5. Liebe Leute!
Jeder hat seinen Preis! Es gibt keinen Spitzenpolitiker/Manager auf dieser Welt der nicht von irgendjemandem Beeinflussbar bzw. Bestechlich ist. Keinen einzigen. Wer etwas anderes denkt lebt sicher nicht auf dieser Welt. Den Unterschied macht nur aus wie der oder die jenige damit umgeht und was am Ende dabei herauskommt. Die Art und Weise in diesem Fall ist natürlich die dümmste ;-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.