Politik

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Neues Enthüllungsbuch über Trump

"Alles ist verrückt hier"

Chaos, Intrigen, Unfähigkeit: Bob Woodwards Enthüllungsbuch "Fear" über US-Präsident Trump machte schon vorab Furore. Jetzt kommt es in den Handel. SPIEGEL ONLINE hat die besten Szenen zusammengestellt.

Von und , Washington und New York

AFP

Donald Trump

Dienstag, 11.09.2018   08:41 Uhr

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Es ist das Buch des Sommers: "Fear - Trump in the White House", verfasst vom US-Enthüllungsjournalisten Bob Woodward, bricht Kassenrekorde, schon bevor es an diesem Dienstag überhaupt in den Handel kommt. Der Verlag Simon & Schuster hat inzwischen nach eigenen Angaben "wegen außerordentlicher Nachfrage" bereits eine Million Exemplare gedruckt - das Siebenfache der ursprünglichen Auflage.

Kein Wunder: Der 420-Seiten-Schmöker steckt voller brisanter Informationen über Trumps angebliche Amtsunfähigkeit und das intrigante Chaos im Weißen Haus: Trump sei "unkonzentriert, selten bei der Sache, erratisch" und "emotional überdreht" - und seine engsten Berater verhinderten seine "schlimmsten Impulse" nur, indem sie wichtige Dokumente vor ihm versteckten.

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Und das waren nur die vorab lancierten Details, die weltweit Furore machten. SPIEGEL ONLINE präsentiert jetzt die besten Szenen, die bisher noch nicht bekannt waren.

AP

Buchcover: "Fear - Trump in the White House"

Trump, der Menschenschinder

Wie mies Trump selbst loyalste Unterstützer behandelt, wird in einer Episode aus dem Wahlkampf 2016 deutlich: Als kurz vor dem Wahltag die berühmt-berüchtigte Aufnahme der TV-Sendung "Access Hollywood" auftauchte, in der sich Trump abfällig über Frauen äußerte, war allein Trumps alter New Yorker Freund Rudolph Giuliani bereit, ihn öffentlich zu verteidigen. Woodward schildert, wie sich Giuliani in allen Top-Talkshows schützend vor Trump stellte und forderte, man solle dem Kandidaten seine "Sünden" verzeihen.

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Trumps Reaktion: Statt Giuliani zu danken, habe er ihn bei einem gemeinsamen Flug zur Schnecke gemacht, schreibt Woodward. "Rudy, du bist ein Baby!", habe Trump gerufen. "Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie eine schlechtere Verteidigungsrede gehört. Die haben dir die Windeln ausgezogen. Du warst wie ein kleines Baby, das gewickelt werden muss. Wann wirst du endlich ein Mann?" Und: "Du bist schwach, Rudy. Du kannst es nicht." Inzwischen ist Giuliani erneut Trumps schärfster Verteidiger - als sein Anwalt in der Russlandaffäre.

REUTERS

Ex-Wirtschaftsberater Gary Cohn

Trump, der Ignorant

Trump interessiert sich nicht für Fakten oder Ratschläge - schon gar nicht, wenn sie seiner festgefügten Meinung widersprechen. Diese Erfahrung musste laut Woodward vor allem Trumps damaliger Wirtschaftsberater Gary Cohn machen. In seinem Buch schildert Woodward, wie Cohn - zuvor Präsident der Wall-Street-Bank Goldman Sachs - über Trumps Beratungsresistenz fluchte: "Ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalte", habe er gesagt. "Alles ist verrückt hier." Es bringe nichts, mit Trump Treffen zu Sachthemen vorzubereiten. "Er hört einfach nicht zu. Nach zehn Minuten wechselt er das Thema und will über irgendwas ganz anderes reden."

Ein "Nachtbuch" mit Zahlen und Fakten, das die Mitarbeiter stets für Trump zusammenstellten, damit er sich abends auf die Themen des nächsten Tages vorbereiten könnte, rühre der Präsident so gut wie nie an, schreibt Woodward. Mehrfach habe Cohn ihm zu erklären versucht, wie das Welthandelssystem funktioniere. Doch Trump interessiere sich einfach nicht dafür. So habe sich Trump ständig darüber beschwert, dass die USA "ohne Ende" Streitfälle vor der Welthandelsorganisation (WTO) verlieren würden. Als Cohn entgegnete, dass die USA in Wahrheit 85 Prozent aller Streitfälle gewännen, habe Trump geantwortet: "Das ist Bullshit. Das ist falsch." Im April verließ Cohn das Weiße Haus.

REUTERS

Trump und Kim Jong Un

Trump, der Kriegstreiber

Eine weitere Enthüllung Woodwards: Auf dem Höhepunkt der wechselseitigen Drohungen zwischen Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un zum Jahreswechsel 2017/2018 wäre es womöglich beinahe zum Krieg gekommen. Und zwar wegen eines Tweets: Trump war offenbar so empört über Kims Nukleartests, dass er darüber nachgedacht habe, via Twitter den Abzug aller Familienangehörigen der US-Truppen in Südkorea zu verkünden.

Die Militärs im Pentagon seien sofort alarmiert gewesen, als sie davon gehört hätten. Denn nach ihrer Einschätzung hätte Nordkorea eine solche Ankündigung als Zeichen gewertet, dass ein US-Militärschlag gegen das kommunistische Regime unmittelbar bevorstehen könnte. Die Generäle hätten gewarnt, dass ein solcher Tweet einen nordkoreanischen Erstschlag gegen Südkorea oder die USA auslösen könnte. Nur mit Mühe habe Trump am Ende davon abgehalten werden können, den Tweet abzusetzen.

JIM LO SCALZO/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

First Lady Melania Trump

Trump, der Frauenverächter

Trumps Verhältnis zu Ehefrau Melania ist Woodward zufolge zwiespältig. Die beiden verbinde "eine gewisse, ehrliche Zuneigung", und sie verbrächten auch "manchmal Zeit miteinander", doch lebten ansonsten getrennt. Nach Bekanntwerden der "Access Hollywood"-Aufnahme habe Melania "vor Wut gekocht" und sich geweigert, ein gemeinsames TV-Interview zu geben: "Mache ich nicht", habe sie gesagt. "Auf keinen Fall. Nein, nein, nein." Stattdessen veröffentlichte sie eine eigene Erklärung, in der sie Trumps Äußerungen als "inakzeptabel und beleidigend" verurteilte, seine öffentliche Entschuldigung aber akzeptierte.

Eine solche Entschuldigung war selten für Trump. Woodward berichtet, Trump habe einem Freund, der sich Frauen gegenüber "schlecht benommen" habe, folgenden Rat gegeben: "Du musst dementieren, dementieren, dementieren und dich gegen diese Frauen wehren", habe er gesagt. "Du musst dich hart wehren. Du musst alles dementieren, was über dich gesagt wird. Nie zugeben."

REUTERS

US-Militärfriedhof Arlington

Trump, der Gefühlvolle

Ebenso selten ist es für Trump, Gefühle zu zeigen. Woodward beschreibt, wie Trump einmal am Luftwaffenstützpunkt Dover bei Washington den Sarg eines getöteten US-Soldaten in Empfang genommen und dessen Hinterbliebene getroffen habe. Die Eltern hätten sich geweigert, Trump zu treffen und die Hand zu schütteln, schreibt Woodward. "Es tut mir leid", habe der Vater des Soldaten zu einem Militärkaplan gesagt. "Mein Gewissen lässt es nicht zu, dass ich mit ihm rede."

Der Vorgang habe Trump schwer getroffen, aber er habe die Reaktion verstanden. "Er hatte nie etwas mit dem Militär zu tun", zitiert Woodward Trumps Ex-Strategen Stephen Bannon. "Er hatte nie etwas mit dem Tod zu tun." Seitdem habe Trump an keiner solchen Zeremonie mehr teilgenommen, doch verwende viel Zeit und "emotionale Energie" darauf, die Familien telefonisch zu trösten.

REUTERS

Kanada, Mexiko, USA: Pult bei den Nafta-Neuverhandlungen

Trump, der Handelsfeind

Trump ist laut Woodward von "Protektionismus, Isolationismus und glühendem amerikanischen Nationalismus" getrieben und war von Anfang an besessen, alle US-Handelsabkommen zu annullieren. "TRADE IS BAD" ("Handel ist schlecht") habe er nach dem Hamburger G20-Gipfel auf ein Redemanuskript gekritzelt.

Gary Cohn habe Trump mit schlichten Grafiken und verständlichen Vergleichen zu einer rationaleren Handelspolitik überreden wollen. Doch "Trump hasste Hausaufgaben" und habe eine altmodische Vorstellung von Amerika, das von Fabriken und Stahlwerken lebe. "Ich habe diese Ansichten seit 30 Jahren", habe Trump dieses anachronistische Weltbild begründet. Worauf Cohn erwidert habe: "Ich dachte 15 Jahre lang, dass ich professionell Football spielen könne."

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