Terrormiliz Boko Haram Dutzende Schülerinnen aus Internat in Nigeria entführt

Die nigerianische Terrormiliz Boko Haram hat erneut zahlreiche Schülerinnen aus einem Internat im Norden des Landes verschleppt. Über deren angebliche Rettung gibt es widersprüchliche Angaben.

Boko-Haram-Angriff (Archivbild)
AFP/ BOKO HARAM

Boko-Haram-Angriff (Archivbild)


Bei einem Angriff der westafrikanischen Terrormiliz Boko Haram auf ein Internat mit rund 1000 Schülerinnen im Nordosten Nigerias sind offenbar etliche Mädchen von den Extremisten entführt worden.

Darüber, wie vielen die Flucht gelang und wie viele entführt oder vom Militär in Sicherheit gebracht wurden, gibt es unterschiedliche Angaben.

Nach Beginn des Angriffs in der Nacht zum Dienstag waren Lehrer und die meisten Schülerinnen zunächst in die umliegende Steppe geflohen und hatten sich versteckt, meldet der britische Sender BBC. Augenzeugen des Vorfalls berichteten dem Sender aber auch, dass Lastwagen mit etlichen Mädchen darauf die Ortschaft Dapchi im nördlichen Bundesstaat Yobe verlassen hätten.

Nach Militärangaben sollen Soldaten zahlreiche Mädchen aus den Händen der islamistischen Extremisten gerettet haben. Am Dienstag hatte die Armee zunächst gemeldet, bei der Attacke sei niemand entführt worden. Nun räumte die Armee indirekt das Gegenteil ein: Es hieß, etliche Schülerinnen seien in dem Dorf Jilli-Muwarti an der Grenze der Bundesstaaten Borno und Yobe gefunden worden, berichteten lokale Medien unter Berufung auf die Behörden.

Rettung kurz nach Appell des Präsidenten vermeldet

Die genaue Zahl der Geretteten und Vermissten ist strittig: Am späten Donnerstagabend hatte es geheißen, zwei Mädchen seine tot aufgefunden und mehr als 70 gerettet worden, mehr als 90 würden vermisst. Nur wenige Stunden vor Bekanntwerden der angeblichen Rettungsaktion hatte Präsident Muhammadu Buhari auf Twitter mitgeteilt, er habe das Militär und die Polizei mobilisiert, "um sicherzustellen, dass alle vermissten Mädchen ... gefunden werden".

Der Fall erinnert an zahlreiche ähnliche Entführungen, für die die Terrorgruppe Boko Haram verantwortlich ist. Die größte Aufmerksamkeit erregten 2014 die mehr als 200 verschleppten überwiegend christlichen Schülerinnen aus dem Ort Chibok. Viele der Mädchen und jungen Frauen werden von den Extremisten zum Sex gezwungen und zwangsverheiratet. Die Extremisten setzen auch immer wieder Frauen bei Selbstmordattentaten ein.

Bei einem Angriff der Islamisten im Norden Kameruns nahe der nigerianischen Grenzen kamen in dieser Woche mindestens sechs Menschen ums Leben, wie Provinzgouverneur Midjiyawa Bakary erklärte. Bei dem Angriff im Dorf Assigahsia am Dienstagabend habe es mehrere Verletzte geben, zahlreiche Häuser seien niedergebrannt worden.

Bei Anschlägen und Angriffen der Terrormiliz sind im Nordosten Nigerias und den angrenzenden Gebieten seit 2009 mindestens 20.000 Menschen getötet worden. Rund 2,5 Millionen Menschen sind in der Region vor der Gewalt geflohen.

cht/dpa/Reuters



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