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Nigeria: Befreite Frauen schildern Horror in Boko-Haram-Geiselhaft

DPA

Nigerias Armee hat in den vergangenen Tagen etwa 700 Geiseln aus der Gewalt von Boko Haram befreit. Nun sprechen die Frauen über das, was ihnen die Terroristen angetan haben.

Lami Musa hat überlebt. Fünf Monate lang befand sich die 27-Jährige in der Gewalt der Terrororganisation Boko Haram. In der vergangenen Woche wurde sie von der nigerianischen Armee befreit. Jetzt lebt sie mit etwa 275 anderen Frauen und Kindern vorrübergehend in einem Auffanglager. Dort hat sie Journalisten von ihrer Zeit in Geiselhaft berichtet.

Im Dezember überfielen Kämpfer von Boko Haram ihr Dorf Lassa. Sie töteten ihren Mann und verschleppten Lami. Ihre drei Kinder musste sie zurücklassen. "Sie nahmen mich mit, weil ich einen ihrer Kommandeure heiraten sollte", erzählt Lami. "Als sie bemerkten, dass ich schwanger war sagten sie: 'Eine Woche nach der Geburt wirst du unseren Kommandeur heiraten!'"

In der vergangenen Woche gebar sie eine Tochter. Einen Tag später stürmten Soldaten den Unterschlupf der Terroristen und befreiten die Frau. Die Befreiung verlief dramatisch: Die Milizionäre wollten mit ihren Geiseln entkommen. Als sich die Frauen weigerten, begannen die Dschihadisten, die Gefangenen mit Steinen zu bewerfen.

"Ich habe mein Baby gegen meinen Bauch gedrückt und mich über sie gebeugt", berichtet Lami. Etwa zehn Frauen seien aber von Boko Haram kurz vor der Befreiung zu Tode gesteinigt worden. Drei weitere Frauen seien bei der Erstürmung von Querschlägen getötet worden.

Auch nach der Befreiung starben Frauen

Nachdem die Armee das Terrorlager gesichert hatte, habe es an Fahrzeugen gefehlt, um die befreiten Geiseln sicher zu transportieren. Einige Frauen mussten deshalb zu Fuß gehen - über einen schmalen Pfad, weil Boko Haram die Umgebung vermint hatte. Drei Frauen seien jedoch vom Weg abgekommen und durch Minen getötet worden, sagt Lami. Sie weiß noch immer nicht, was aus ihren drei Kindern geworden ist, die sie in ihrem Heimatdorf Lassa zurücklassen musste.

Die 20-jährige Salamatu Bulama verlor während der Gefangenschaft ihren zwei Jahre alten Sohn. Er sei an Unterernährung gestorben, berichtet die Frau.

"Wir durften uns in Gefangenschaft keinen Zentimeter frei bewegen", sagt die Ex-Geisel Asabe Umaru. Nur einmal am Tage habe es etwas zu Essen gegeben: trockenen Mais. Viele Frauen seien an Krankheiten und aus Erschöpfung gestorben.

Insgesamt konnte Nigerias Armee seit vergangenem Dienstag knapp 700 Geiseln aus Boko-Haram-Lagern im Sambisa-Wald befreien. Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International entführte Boko Haram seit Anfang 2014 im Norden Nigerias mindestens 2000 Frauen und Mädchen. Frühere Geiseln berichteten von Zwangsverheiratungen, sexuellem Missbrauch und erzwungenen Kampfeinsätzen für die Islamisten.

syd/AP/Reuters

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