Kamerun 143 Boko-Haram-Kämpfer sterben bei Angriff auf Militärbasis

Die Terrorgruppe Boko Haram hat in Kamerun einen Militärstützpunkt angegriffen und dabei schwere Verluste erlitten. Laut Regierung kamen mehr als 140 Terroristen ums Leben.


Yaoundé - Bei Angriffen der nigerianischen Islamistengruppe Boko Haram auf einen Militärstützpunkt im Nachbarland Kamerun sind nach Regierungsangaben mehr als 140 Islamisten getötet worden. Insgesamt seien "143 Terroristen" und ein kamerunischer Soldat bei dem Angriff auf den Armeestützpunkt in der Stadt Kolofata getötet worden, sagte Kommunikationsminister Issa Tchiroma Bakary im Rundfunk. Vier weitere Soldaten seien verletzt worden.

Zudem seien Waffen in bedeutendem Umfang beschlagnahmt worden, sagte Bakary, der zugleich Regierungssprecher ist. Es seien die bislang "schwersten Verluste" für Boko Haram, seit sich die Islamisten dafür entschieden hätten, "ihre barbarischen Angriffe" nach Kamerun hineinzutragen. Ein Polizeibeamter in Kolofata hatte zuvor bereits von intensiven Kämpfen gesprochen, bei denen Boko Haram Verluste erlitten habe. Die Angriffe hätten sich gegen das Verwaltungsviertel der Stadt gerichtet, wo sich neben dem Stützpunkt auch die Unterpräfektur und die Polizeiwache befänden, verlautete aus der Gemeindeverwaltung der Stadt im Norden des östlichen Nachbarlandes Nigerias.

Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau hatte Anfang des Monats scharfe Drohungen an Kamerun gerichtet. In einem auf dem Internetportal YouTube veröffentlichten Video wandte sich Shekau direkt an den kamerunischen Staatschef Paul Biya und sagte, Kamerun drohe dasselbe Schicksal wie Nigeria.

Die islamistischen Milizionäre hatten sich in den vergangenen Tagen im Norden Kameruns wiederholt Kämpfe mit der kamerunischen Armee geliefert. Die Streitkräfte setzten dabei auch Flugzeuge ein. Boko Haram kämpft vor allem im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias für einen islamischen Staat. Bei Angriffen auf Polizei, Armee, Behörden, Schulen und Kirchen tötete die Rebellengruppe seit 2009 mehr als zehntausend Menschen.

Bei einer Offensive zerstörten die Islamisten seit Anfang Januar 16 Ortschaften im Nordosten Nigerias, darunter das wichtige Handelszentrum Baga. Mindestens 20.000 Menschen wurden in die Flucht getrieben. In Berichten war zudem von zahlreichen Opfern die Rede. Auch am Montag kontrollierte Boko Haram Baga noch immer, wie ein geflüchteter Einwohner telefonisch aus einem Dorf im Tschad berichtete. Die Aufständischen hätten Barrikaden errichtet. Über der ganzen Stadt liege angesichts zahlreicher noch unbestatteter Toter Verwesungsgeruch.

kbl/AFP



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