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Terror in Nigeria: Boko Haram wappnet sich gegen internationale Offensive

"Bis an die Zähne bewaffnet" (Archiv): Das Waffenarsenal von Boko Haram Zur Großansicht
AFP

"Bis an die Zähne bewaffnet" (Archiv): Das Waffenarsenal von Boko Haram

Boko Haram mordet und mordet und mordet: Im Nordosten Nigerias hat die Terrorgruppe mehrere Massaker angerichtet. Die im April entführten Mädchen sollen aber noch am Leben sein.

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Abuja - Die Islamistengruppe Boko Haram hat im Nordosten Nigerias mehrere Zivilisten getötet. In einem abgelegenen Dorf im Bundesstaat Borno brachten die Extremisten 68 Bewohner um. Auch in ihrer Hochburg Gwoza richtete die Terror-Miliz zahlreiche Männer hin.

Schwer bewaffnete Kämpfer hätten das Dorf Njaba bereits am Montag "aus allen Richtungen" gestürmt, berichtete eine Augenzeugin. "Die Terroristen waren bis an die Zähne bewaffnet." Sie hätten fast alle Männer des Ortes erschossen oder erschlagen und die meisten Häuser des Dorfes zerstört. Auch Jungen und Mädchen zwischen 13 und 19 Jahren seien ermordet worden.

Aus Gwoza berichtete eine Augenzeugin, die Extremisten hätten vor dem Haus eines islamischen Geistlichen eine Gruppe von Männern angegriffen und sie vor den Augen ihrer Ehefrauen getötet. "Die Kämpfer brachten Kartons voller neuer Waffen, testeten diese und erschossen die Männer, die sich mit dem Gesicht nach unten auf den Boden legen mussten", sagte die Frau, die in den Nachbarstaat Adamawa fliehen konnte.

Der Boko-Haram-Führer Abubakar Shekau hatte im August in Gwoza ein "islamisches Kalifat" ausgerufen. Seitdem sind zahlreiche Bewohner aus der Stadt geflohen. In den vergangenen Tagen seien zahlreiche Kämpfer in Gwoza eingetroffen und hätten männliche Einwohner getötet sowie Frauen und Kinder vertrieben, sagte der Senator Ali Ndume. Boko Haram wolle wahrscheinlich Truppen zusammenziehen, um eine drohende Offensive der internationalen Militärallianz abzuwehren.

Entführte Mädchen wahrscheinlich noch am Leben

In jüngster Zeit erschüttern immer wieder heftige Anschläge das afrikanische Land. Wegen der akuten Sicherheitslage wurden auch die Parlamentswahlen in Nigeria kurzfristig verschoben. Boko Haram ist dafür bekannt, Zivilisten für ihre Zwecke einzusetzen - etwa als Selbstmordattentäter. Mitte April vergangenen Jahres bewegte die radikalislamistische Gruppe die Weltgemeinschaft mit der Entführung von rund 200 Schülerinnen, von denen bis heute jede Spur fehlt. Es gibt die Befürchtung, dass die Extremisten sie als Sklavinnen missbrauchen.

Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan ist jedoch überzeugt, dass die Mädchen noch am Leben sind: "Wenn Terroristen morden, dann zeigen sie es", sagte Jonathan einem afrikanischen Fernsehsender. Wenn die Geiseln tot wären, dann hätten die Islamisten ein Bekennervideo veröffentlicht. Seine Truppen hätten eine Vermutung, wo sich die Mädchen aufhalten könnten. Aus Angst vor einem tödlichen Gefecht hätten sie den Ort aber noch nicht gestürmt.

Die Extremistengruppe kämpft seit dem Jahr 2009 mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias und tötete dabei bislang mindestens 13.000 Menschen. Sie will einen "Gottesstaat" errichten und versucht, immer größere Gebiete zu kontrollieren. Auch in den Nachbarstaaten schlug Boko Haram mehrfach zu. Es kam zu Angriffen in Niger, Kamerun und dem Tschad. Die afrikanischen Länder hatten daraufhin Truppen nach Nigeria entsandt, um den Vormarsch der Islamisten aufzuhalten.


Zusammengefasst: Die Terrorgruppe Boko Haram hat im Nordosten Nigerias 68 Menschen getötet und zahlreiche Häuser zerstört. Sie wollen wahrscheinlich Truppen zusammenziehen, um eine internationale Offensive abzuwehren. Die im April entführten Mädchen sollen laut Präsident Goodluck Jonathan noch am Leben sein. Sie werden wahrscheinlich als Sklavinnen missbraucht.

kry/AFP/dpa

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