Niger Tausende Menschen flüchten vor Boko Haram

Attacken der nigerianischen Terrorgruppe Boko Haram haben eine Flüchtlingswelle im Nachbarland Niger ausgelöst. Tausende Menschen flüchten zu Fuß lange Strecken, auch Alte und Kinder.

Boko-Haram-Kämpfer in Nigeria: Die Islamisten attackieren inzwischen auch das Nachbarland Niger
REUTERS

Boko-Haram-Kämpfer in Nigeria: Die Islamisten attackieren inzwischen auch das Nachbarland Niger


Aus Angst vor der nigerianischen Islamistengruppe Boko Haram sind im westafrikanischen Niger Tausende Menschen geflohen.

Von Inseln im Tschadsee im Südosten des Niger seien bereits mehr als 5000 Menschen in der unweit des Sees und der Grenze zum Tschad gelegenen Stadt N'Guigmi eingetroffen, sagte ein Uno-Vertreter. Weitere 11.500 Flüchtlinge würden in der Stadt erwartet. Ein Journalist vor Ort schätzte die Zahl der eingetroffenen Flüchtlinge auf rund 3000.

Die nigerischen Behörden hatten vergangene Woche dazu aufgerufen, bis Montag die Inseln im Tschadsee zu verlassen. Damit reagierten sie auf einen Angriff der islamistischen Miliz Boko Haram Ende April. Bei den Kämpfen kamen nach Angaben des Niger 46 Soldaten um, 32 weitere gelten als vermisst. Das Militär tötete nach eigenen Angaben 156 Boko-Haram-Kämpfer. Für den verarmten Sahara-Staat Niger war es der bisher blutigste Kampf gegen die Terroristen aus dem Nachbarland. Es war die höchste Opferzahl im Niger, seit das Land sich an einer Militäroffensive gegen Boko Haram beteiligt.

Ein Vertreter einer lokalen Nichtregierungsorganisation sagte, Tausende Menschen, darunter Kinder und ältere Menschen, seien mehr als 50 Kilometer weit nach N'Guigmi gelaufen. "Als sie ankamen, waren sie erschöpft, hungrig und durstig", sagte Moussa Tchangari. Die Stadt habe aber keine Vorkehrungen getroffen, um die Flüchtlinge zu versorgen. Die örtlichen Behörden wiesen diesen Vorwurf zurück.

Boko Haram kämpft mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit dem Jahr 2009 tötete die Gruppe bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen laut Uno mehr als 15.000 Menschen, rund 1,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Seit Monaten unterstützen auch Truppen aus den Nachbarländern wie Niger, Tschad und Kamerun die Streitkräfte Nigerias bei ihrem Kampf gegen die Fundamentalisten.

ler/AFP/dpa

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