Nigeria Augenzeugen berichten von Überfall Boko Harams auf Stadt Gombe

Boko Haram hat laut Zeugenaussagen Gombe in Nigeria angegriffen. Die islamistische Terrorgruppe soll bereits bis ins Zentrum der Stadt vorgedrungen sein, die Regierungssoldaten fliehen offenbar.


Gombe - Boko Haram ist weiter auf dem Vormarsch: Die Islamistengruppe dringt offenbar in die Stadt Gombe im Nordosten Nigerias ein. Den Berichten von Sicherheitskräften und geflohenen Einwohnern zufolge haben die Kämpfer einen Kontrollposten am Stadtrand überrannt. Explosionen und Gewehrschüsse sollen in Gombe zu hören sein.

Wie Einwohner der Stadt der Nachrichtenagentur AFP berichteten, hatte die Miliz gegen Mittag bereits das Zentrum erreicht und rief auf Flugblättern zum Boykott der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 28. März auf. Die Armee leistete demnach keinen Widerstand, einige Soldaten sollen davongerannt sein. Ein Kampfjet sei zwar über Gombe gekreist, habe aber keinen Luftangriff gestartet, berichtet ein Bewohner.

Andere Bewohner wagten es nicht zu fliehen, sie fürchteten, ins Kreuzfeuer zu geraten. Ein Mann aus Gombe sagte der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon, überall seien Schüsse von Gewehren und schwerer Artillerie zu hören. Menschen liefen um ihr Leben aus den umkämpften Stadtteilen, die ganze Stadt sei in Panik.

Noch keine Stellungnahme der nigerianischen Regierung

Boko Haram kämpft seit 2009 für einen streng islamischen Staat nach den Grundsätzen der Scharia. Bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen tötete die Gruppe mehr als 13.000 Menschen. Die Miliz kontrolliert bereits weite Landesteile im Nordosten Nigerias und hat zahlreiche Menschen verschleppt, darunter viele Kinder.

Von der nigerianischen Regierung war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Die Boko-Haram-Miliz ist längst zur größten Bedrohung für die Sicherheit in dem erdölreichen Land geworden. So wurde die eigentlich für diesen Samstag geplante Präsidentenwahl um sechs Wochen verschoben.

Auch Gombe, die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaats, war mehrfach Ziel von Attacken und Anschlägen der Islamisten. Zuletzt entging Präsident Goodluck Jonathan dort vor rund zwei Wochen bei einer Wahlkampfveranstaltung nur knapp einem Attentat. Am Freitag hatte Boko Haram zudem erstmals einen Angriff auf ein Dorf im Tschad durchgeführt und dabei mehrere Menschen getötet.

Die Vereinten Nationen haben Nigerias Armee dazu aufgefordert, ihren Kampf gegen die Islamistengruppe zu verstärken. Das Militär müsse bei der Bekämpfung dieses "ernst zu nehmenden Feindes" eine "größere Entschlossenheit" zeigen als bisher, sagte der Uno-Sondergesandte für Westafrika, Mohamed Ibn Chambas: "Ich denke, dass wir vom nigerianischen Militär alle mehr erwarten."

bka/AFP/Reuters



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wynkendewild 14.02.2015
1. Der hat gut reden!
Die agieren doch genauso wie die Taliban und scheinen außerdem auch über eine umfangreichere Ausbildung und eine bessere Bewaffung zu verfügen als die nigerianische Armee. Solch ein Szenario kennt man von anderen Krisenherden her. Deshalb halte ich es für kontraproduktiv Forderungen an den nigerianische Staat zu richten, die Nation, welche über eine breite Palette an Fähigkeiten zur Terrorismusbekämpfung und Kleinkriegsführung verfügen sollten dem nigerianischen Staat lieber ihre Hilfe zur Bekämpfung dieser radikalislamistischen Gruppierung anbieten. Das würde vielmehr bringen-
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