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Kommentar zu Boko-Haram-Terror: Afrikas Albtraum

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Terrorgruppe Boko Haram (Archivbild): Mörderische Raubrittertruppe Zur Großansicht
AFP

Terrorgruppe Boko Haram (Archivbild): Mörderische Raubrittertruppe

Boko Haram in Nigeria ist so brutal wie der "Islamische Staat" in Syrien. Die Europäische Union und die USA müssen einen afrikanischen Einsatz gegen die Terrortruppe unterstützen.

17 Menschen haben Islamisten in Paris ermordet - und die Welt trauert. Die fünf Menschen, die ein Boko-Haram-Attentäter am Montag im Norden Nigerias in den Tod riss, schaffen es dagegen kaum in die Meldungsspalten der Weltpresse. Nur Tage vor dem "Charlie"-Attentat überrannte Boko Haram die Stadt Baga und verschonte dort weder Kinder, noch Frauen oder Greise. Auf bis zu 2000 schätzen Hilfsorganisationen die Zahl der Opfer allein dieses Angriffs.

Wie den Attentätern von Paris dient die Religion auch Boko Haram nur zur Bemäntelung ihrer Mordtaten. Mit dem Islam hat das Gemetzel in Nigeria wenig bis gar nichts zu tun. Die meisten Boko-Haram-Opfer sind derzeit Muslime. Der Terrortruppe geht es nicht darum, irgendeine islamische Ordnung oder eine Art muslimischen Gottesstaat in den von ihr kontrollierten Gebieten einzuführen. Es gibt dort nicht etwa eine Boko-Haram-Verwaltung, Boko-Haram-Räte oder Boko-Haram-Schulen. Das einzige, was es gibt, ist eine vorgeblich islamische Rechtsprechung, die Hände und Köpfe abhacken lässt - Akte des Terrors zur Einschüchterung der Bevölkerung.

Boko Haram ist keine religiöse Bewegung, sondern eine mörderische Raubrittertruppe. Ihre Kämpfer plündern, vergewaltigen, entführen und erpressen. Boko Haram ist mit Waffen-, Drogen- und Menschenschmuggel reich geworden.

Einem Militäreinsatz muss ein Hilfseinsatz folgen

Das hat die Truppe mit dem "Islamischen Staat" in Syrien und Irak gemein und mit den Islamisten, die vor zwei Jahren den Norden Malis unter ihre Kontrolle brachten.

Doch obwohl Boko Haram jetzt in den Tschad und nach Kamerun ausgreift, wird diese Rebellion kaum als Bedrohung mit globalem Ansteckungspotenzial gesehen. Zumindest haben sich Europäer und Amerikaner bisher nicht gefragt, ob sie vielleicht wie in Mali oder Syrien nicht auch in Nigeria eingreifen müssten, etwa mit Luftangriffen gegen Boko-Haram-Kolonnen.

Gut ist, dass Angela Merkel angekündigt hat, sie würde eine afrikanische Eingreiftruppe gegen Boko Haram unterstützen. Auf keinen Fall sollten die EU oder die USA Nigeria und seine Armee isoliert unterstützen. Der nigerianische Staat ist so korrupt wie ineffizient, das Militär hat durch wahllose Brutalität den Terroristen noch Sympathisanten zugetrieben.

Nur ein internationaler Militäreinsatz kann den Vormarsch stoppen. Den müssten Europa und Amerika nicht nur finanziell, sondern auch logistisch und strategisch unterstützen.

Aber das reicht noch nicht: Einem Militäreinsatz in Nigeria muss ein Hilfseinsatz folgen. Blauhelme müssen die Militanten dauerhaft in Schach halten, die internationale Gemeinschaft muss den Nigerianern helfen, ihren Staat wieder aufzubauen, Straßen, Schulen, Verwaltung, Gerichte.

Geld ist nicht das Problem, Nigeria fördert täglich 2,5 Millionen Barrel Öl. Das Problem wird sein, die nigerianischen Eliten dazu zu bringen, dieses Geld auch endlich einmal nicht in die eigene Tasche, sondern in ihr Land zu stecken.

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Zum Autor
Jan Puhl ist Redakteur im Auslandsressort des SPIEGEL.

E-Mail: Jan_Puhl@spiegel.de

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
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1. westliche Bodentruppen
wifionly 21.01.2015
tolle Idee. Westliche Bodentruppen nach Nigeria! Weil die letzten Interventionen so gut geklappt haben, ist jetzt Nigeria dran. Deutschlands Sicherheit wird schließlich auch in Schwarzafrika verteidigt. In vorderster Front sollte dann aber der Autor dieses Artikels marschieren...
2. Afrikas Bevölkerung wächst brutal
rkinfo 21.01.2015
Solche Terrorgruppen sind Ergebnis der instabilen Situation durch das hohe Bevölkerungswachstum. Nigeria hat heute die dreifache Bevölkerungszahl vs. den letzten Jahrtausenden. Radikaler Islamismus geht dort bestens als Rechtfertigung denn schon der bildlose Mohammed zog in blutige Feldzüge. Der Islam ist ideal für Krieger. ..
3. Das ganze Vorgehen
rudi.waurich 21.01.2015
Boko Haram's erinnert stark an Sierra Leone in den 1990ern. Damals gab's die Revolutionary United Front RUF unter Foday Sankoh, die das Land terrorisierte, aber letztlich nur an den Diamantminen interessiert war. http://de.wikipedia.org/wiki/Revolutionary_United_Front Was in diesem Wikipedia Artikel steht, ist so nicht ganz richtig, es hat nicht Großbritannien interveniert. Auf Aufforderung des damaligen Interims Präsidenten SL's Valentine Strasser wurde mit Executive Outcomes eine der ersten 'Private Military Companies' (PMCs) ins Land geholt. Nachdem das Problem gelöst war, hat Executive Outcomes das Land verlassen. Das Eingreifen in SL ist hier beschrieben: http://de.wikipedia.org/wiki/Executive_Outcomes Dies ist m.E. der einzig gangbare Weg gegen Boko Haram, da, außer in Kamerun, zur Verfügung gestellte Finanzen sofort irgendwo versickern werden, aber nicht im Kampf gegen BH.
4. Afrikas Problem
ekel-alfred 21.01.2015
Was und wen sollen wir denn in der Welt noch so alles unterstützen? Wohin ein Engagement führen kann, sieht man sehr gut am Beispiel Somalia. Fragen Sie mal bei den Amis nach.
5. Korruption
rondragon 21.01.2015
Ich habe 5 Jahre in Nigeria gearbeit und ich musste feststellen das das Land in einem tiefen Sumpf von Korruption und Stammesklüngel steckt. Demokratische Strukturen sind personengebunden und auf Lebenszeit angelegt. Viele Menschen verdienen am Terror und die Mächtigen des Landes lassen keine Chance aus das Geld aus dem Land zu pressen.
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Fotostrecke
Boko Haram in Nigeria: Satellitenbilder des Grauens

Fläche: 909.890 km²

Bevölkerung: 183,523 Mio.

Hauptstadt: Abuja

Staats- und Regierungschef: Muhammadu Buhari

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