Islamische Rebellen Boko Haram Nigeria bestreitet Existenz eines "Kalifats"

Die Terrorgruppe Boko Haram hat ein islamisches "Kalifat" in einer von ihr besetzten Stadt ausgerufen - Nigerias Militär weist dies zurück: Die Souveränität und die territoriale Integrität des Landes seien nach wie vor "intakt", hieß es.

Boko-Haram-Rebellen: Wie groß ist der Machtbereich der Islamistengruppe?
AFP

Boko-Haram-Rebellen: Wie groß ist der Machtbereich der Islamistengruppe?


Berlin/Gwoza - Die islamistische TerrorgruppeBoko Haram rückt in Nigeria offenbar weiter vor - doch zumindest verbal schlägt die Regierung nun zurück: Das nigerianische Militär hat das von der Islamistengruppe in einer von ihr eroberten Stadt ausgerufene "Islamische Kalifat" zurückgewiesen. Die Erklärung von Boko Haram bedeute gar nichts, erklärte ein Armeesprecher am Sonntag. Die Souveränität und die territoriale Integrität des Landes seien nach wie vor "intakt", hieß es.

Boko-Haram-Führer Abubakar Shekau hatte zuvor in einem fast einstündigen Video erklärt, nach dem "Sieg" seiner Kämpfer im nordöstlichen Gwoza habe die Stadt im Bundesstaat Borno "nichts mehr mit Nigeria zu tun". Gwoza sei nun "Teil des Islamischen Kalifats", so Shekau. "Wir werden die Stadt nicht verlassen. Wir sind gekommen, um zu bleiben", fügte ein weiterer Kämpfer der Islamistengruppe in dem Video hinzu. Shekau wird von den USA als "Terrorist" gesucht, für Hinweise auf ihn sind sieben Millionen Dollar (5,3 Millionen Euro) Belohnung ausgesetzt.

Gwoza war Uno-Vertretern zufolge in diesem Monat von Boko-Haram-Kämpfern erobert worden, die nigerianische Armee bereitet nach eigenen Angaben die Rückeroberung der Stadt vor. Auch mehrere weitere Ortschaften rings um Gwoza im Süden von Borno sollen von Boko Haram kontrolliert werden. Wie groß ihr Einflussgebiet genau ist, ist von unabhängiger Seite nicht zu sagen.

35 Polizisten werden vermisst

Am Samstag hatte die Polizei gemeldet, nach einem Angriff auf ein Ausbildungszentrum bei Gwoza würden 35 Polizisten vermisst. Der Angriff in der Stadt Gwoza habe sich bereits vergangenen Mittwoch ereignet, berichtete die Zeitung "Vanguard" am Sonntag online unter Berufung auf eine Mitteilung der Polizei. Seither werde nach den Verschwundenen gesucht.

Boko Haram kämpft seit Jahren mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit 2009 töteten die Extremisten bei Anschlägen und Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 10.000 Menschen. Im April machte Boko Haram Schlagzeilen mit der Entführung von 276 Mädchen aus einer Schule, von denen die meisten noch immer vermisst sind.

Nigeria unter dem Einfluss der radikalislamischen Boko Haram
DER SPIEGEL

Nigeria unter dem Einfluss der radikalislamischen Boko Haram

flo/AFP/dpa

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