Erste Prognose zu Referendum Bolivien lehnt vierte Amtszeit für Präsident Morales ab

Evo Morales regiert Bolivien seit zehn Jahren, und er hätte sehr gerne noch sehr viel länger weitergemacht. Doch ein entsprechendes Referendum hat der Ex-Kokabauer nun Prognosen zufolge verloren.

Präsident Morales: Die erste schwere Niederlage für den Ex-Kokabauer
AFP

Präsident Morales: Die erste schwere Niederlage für den Ex-Kokabauer


Die Bolivianer haben Medienberichten zufolge in einem Referendum gegen eine vierte Amtszeit für Präsident Evo Morales gestimmt. Dem Sender ATB zufolge stimmten 52,3 Prozent gegen die dafür nötige Verfassungsänderung; 47,7 Prozent befürworteten sie demnach. Der Sender beruft sich dabei auf Nachwahlbefragungen des Meinungsforschungsinstituts Ipsos.

Morales ist seit 2006 im Amt und bis 2020 gewählt. Durch eine Änderung des Artikels 168 der Verfassung wollte er zusammen mit seinem Vizepräsidenten Álvaro García Linera eine nochmalige Wiederwahl und - im Falle eines Wahlsieges - eine bisher nicht mögliche vierte Amtszeit erreichen. Knapp 6,5 Millionen Menschen waren zur Wahl aufgerufen.

Während Morales' Gegner bereits feierten, sprach Linera von einem "technischen Unentschieden" - die Ergebnisse der Bürger, die im Ausland gewählt haben, sowie die aus abgelegenen ländlichen Regionen müssten noch abgewartet werden. Erst in einigen Tagen könne das endgültige Ergebnis der Wahlbehörden vorliegen.

Bolivien wählt - und entscheidet sich gegen Morales
DPA

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Sollten sich die Angaben bestätigen, wäre das die erste schwere Niederlage für den lange Zeit extrem hoch angesehenen Präsidenten. Morales, 56, regiert bereits jetzt so lange wie kein Staatspräsident zuvor seit Boliviens Unabhängigkeit 1825.

Im Schnitt wuchs die Wirtschaft während seiner Präsidentschaft um 4,9 Prozent, vor allem auch dank der Einnahmen aus dem verstaatlichten Gasgeschäft. Der Anteil der Armen konnte zudem deutlich reduziert werden. Kritiker werfen Morales und seiner Partei, der Bewegung zum Sozialismus (MAS), aber autoritäre Tendenzen vor.

Morales war als Volksheld gestartet, als erster indigener Präsident Boliviens und als Hoffnungsträger der Linken Südamerikas. Vor seinem Einstieg in die Politik war der Angehörige des Stammes der Aymara Kokabauer. Zuletzt ließ die Zustimmung allerdings nach, auch weil sich Morales aus Sicht seiner Kritiker zu sehr auf Programme für die Armen und Indigene konzentriert.

Eigentlich sieht die Verfassung in Bolivien nur zwei Amtszeiten für den Präsidenten vor. Doch Morales' erste Wahlperiode wird nicht mitgezählt, weil die Verfassung damals in der aktuellen Form noch nicht in Kraft war. So wurde ihm eine dritte Amtszeit ab 2014 möglich.

Morales hatte vor dem Referendum angekündigt, er werde jedes Ergebnis akzeptieren.

aar/dpa/AFP



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