Bolivien Schon die vierte Region spricht sich für mehr Autonomie aus

Klarer Sieg für die Morales-Gegner: Bei der Volksabstimmung in der bolivianischen Region Tarija haben mehr als 80 Prozent für eine weitgehende Autonomie gestimmt. Es ist bereits die vierte Region, die mehr Eigenständigkeit fordert und sich gegen den linksgerichteten Präsidenten stellt.


Hamburg/La Paz - Präsident Evo Morales gerät immer mehr unter Druck: Bei der Volksabstimmung in der bolivianischen Region Tarija über eine weitgehende Autonomie haben die Gegner von Präsident Evo Morales offenbar einen klaren Sieg errungen. Bei dem Referendum hätten 80,3 Prozent der Teilnehmer für das Autonomie-Statut gestimmt, berichtete der Fernsehsender ATB am Sonntag unter Berufung auf Nachwahlbefragungen. Das offizielle Endergebnis wird erst am Dienstag erwartet.

Boliviens Präsident Morales: Er gerät immer mehr unter Druck
AP

Boliviens Präsident Morales: Er gerät immer mehr unter Druck

Die Regierung bezeichnete das Referendum in der rohstoffreichen Region am Wahltag zum wiederholten Mal als "illegal". Ohne eine Änderung der Landesverfassung könne es keine Autonomie-Statuten in den einzelnen Regionen Boliviens geben. Die Abstimmung habe "keinerlei Folgen für die Zukunft".

Der Präfekt von Tarija, Mario Cossío, ließ sich nach Bekanntwerden der Hochrechnungen von Anhängern auf dem Balkon seines Regierungssitzes in Tarija feiern. Nach den Autonomie-Referenden in Tarija sowie zuvor in Santa Cruz, Pando und Beni werde es auch in den übrigen Regionen Boliviens solche Abstimmungen geben, sagte Cossío.

Mehr als 170.000 Wahlberechtigte waren zur Stimmabgabe aufgerufen. In Tarija leben insgesamt nur 400.000 Menschen. Die an der Grenze zu Argentinien und Paraguay gelegene Region verfügt aber über 85 Prozent der bolivianischen Erdgasreserven, die einen Anteil von 13 Prozent am Bruttoinlandsprodukt ausmachen. In früheren Referenden hatten bereits die von rechtsgerichteten Gouverneuren regierten rohstoffreichen Regionen Santa Cruz, Pando und Beni ihre Verwaltungs- und Finanzautonomie erklärt.

Die Referenden waren eine Reaktion auf einen gescheiterten Verfassungsentwurf von Präsident Morales, der den Ureinwohnern mehr Autonomie zugestehen und dem Präsidenten mehr Vollmachten geben sollte. Die vier Regionen wehren sich gegen den zunehmenden Zugriff der Zentralregierung auf ihre Wirtschaft, durch den die armen und mehrheitlich von Menschen indianischer Abstammung bewohnten Landesteile mitfinanziert werden.

Im Machtkampf mit der Opposition will sich Morales, Boliviens erster indianischer Staatschef, am 10. August einem Volksentscheid stellen, in dem es um seinen Verbleib im Amt oder um seine Amtsenthebung geht. Bei der Abstimmung soll es auch um die Zukunft von Vizepräsident Alvaro García Linera und der Gouverneure der neun bolivianischen Regionen gehen, von denen sechs die Politik des linksgerichteten Präsidenten ablehnen.

flo/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.