Angst vor Militärputsch Bolivien feuert Hunderte streikende Soldaten

Mehr als 700 protestierende Unteroffiziere sind in Bolivien entlassen worden. Sie streikten für höhere Löhne und bessere Karrierechancen und drohen jetzt mit Hungerstreik. Der Kommandeur der Streitkräfte befürchtet einen Putsch.

Bolivianische Unteroffiziere protestieren in La Paz: Geschlossen für mehr Sold
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Bolivianische Unteroffiziere protestieren in La Paz: Geschlossen für mehr Sold


La Paz - Die bolivianischen Streitkräfte haben mehr als 700 streikende Unteroffiziere in den Ruhestand versetzt, meldet die staatliche Nachrichtenagentur ABI. Vor vier Tagen waren die Soldaten in den Ausstand getreten. In Kamouflage-Uniform waren sie durch die Straßen von La Paz marschiert.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP hatten sich am Donnerstag rund Tausend Militärs an dem Protest beteiligt, AFP zufolge waren es rund Zweitausend. Die Unteroffiziere hatten vor allem mehr Vergütung, bessere Aufstiegschancen und den Zugang zu Ausbildungsstätten gefordert. Ihr Protest richtete sich aber auch gegen die Diskriminierung indigener Bevölkerungsgruppen, denen viele der Unteroffiziere angehören.

Die Regierung hatte die Demonstrationen zunächst als "politische Aktion" der Opposition abgetan, die nur von einer Minderheit der über 9500 Unteroffiziere unterstützt worden sei. Am Mittwoch hatte Boliviens Verteidigungsminister Ruben Saavedra jedoch angekündigt, dass Unteroffiziere ab 2015 die Möglichkeit bekommen sollen, eine Offiziersausbildung zu absolvieren.

Jetzt reagierten die Streitkräfte nach Angaben der staatlichen Zeitung "Cambio" in einer öffentlichen Pressekonferenz auf den Protest. Chefkommandeur Víctor Baldivieso sagte, das Thema Diskriminierung dürfe kein Vorwand für die Vorbereitung eines Putsches sein.

Doch das reichte den Soldaten nicht. Sie forderten ein Treffen mit Boliviens Präsident Evo Morales, der sich bisher nicht öffentlich zu den Demonstrationen geäußert hat.

Die bolivianische Zeitung "Página Siete" berichtet, die Unteroffiziere drohten aus Protest gegen die Entlassungen mit einem Hungerstreik, sollten sie nicht von Morales empfangen werden. Der Chefsekretär des Dachverbandes der bolivianischen Gewerkschaften COB forderte die Streikenden laut "Cambio" indes zum Nachdenken auf. Die Proteste könnten zu einer Reaktion des bolivianischen Volkes führen und die demokratische Entwicklung des Landes gefährden.

kpp/dpa/AP/AFP

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