Bombardement in Tripolis Arzt untersucht Leichen angeblicher Luftschlagsopfer

Sind Gaddafis jüngster Sohn und drei Enkel tatsächlich bei einem Nato-Angriff ums Leben gekommen? Ein französischer Arzt durfte die mutmaßliche Leiche von Saif al-Arabs jetzt untersuchen. Das Regime veröffentlichte die Namen der Kinder, die bei dem Angriff gestorben sein sollen.

Gaddafi-Spross Saif al-Arab: "Höchstwahrscheinlich der Sohn"
REUTERS

Gaddafi-Spross Saif al-Arab: "Höchstwahrscheinlich der Sohn"


Tripolis - Bei dieser Untersuchung geht es um viel mehr als nur um die bloße Feststellung von Identitäten. Es geht darum, ob die Nato bei ihrem Kampf gegen das libysche Regime wirklich Familienmitglieder des Machthabers Muammar al-Gaddafi getötet hat. Die Regierung in Tripolis wirft der internationalen Militärallianz genau das vor. Mehr noch, es habe sich um eine gezielte Attacke gehandelt. Nun hat das Regime einen französischen Arzt prüfen lassen, ob bei dem Angriff am Wochenende tatsächlich Gaddafis jüngster Sohn Saif al-Arab und drei Enkel des Machthabers ums Leben kamen. Das hatte die Regierung in Tripolis behauptet.

Der Arzt Gerard Le Clouerec berichtete, dass er am Sonntag die Leichen eines Erwachsenen sowie zweier Kinder im Green Hospital in Tripolis untersucht habe. Das Gesicht des Erwachsenen sei unversehrt gewesen und sei "im Vergleich mit dem Foto, das wir gesehen haben, höchstwahrscheinlich der Sohn Gaddafis", sagte der Chirurg, der in der libyschen Hauptstadt eine Privatklinik betreibt. Der Mann habe einen dünnen Schnurrbart sowie einen Vollbart gehabt. Die Kinder seien stark entstellt gewesen, sagte Le Clouerec.

Nach Angaben der libyschen Regierung handelt es sich bei den getöteten Enkeln um die zweijährige Carthage, die Tochter von Gaddafis Sohn Hannibal; die sechs Monate alte Mastura, Tochter von Gaddafis Tochter Aisha; sowie den 15 Monate alten Saif Mohammed, Sohn von Gaddafis Sohn Mohammed. Bislang hatte die libysche Führung es abgelehnt, die Namen der drei getöteten Kinder zu nennen. Man wolle die Privatsphäre der Familie schützen, hatte Regierungssprecher Mussa Ibrahim gesagt.

Nach Angaben des Regimes hatte die Nato die Familienmitglieder am Samstagabend bei einem Luftangriff getötet. Machthaber Gaddafi selbst soll auch in dem getroffenen Gebäude gewesen, aber unverletzt geblieben sein. Die Regierung warf dem Bündnis vor, gezielt Jagd auf Gaddafi zu machen und verurteilte die Attacke als Verletzung internationalen Rechts. Es sei nun für jeden ersichtlich, dass die Geschehnisse in Libyen nichts mit der Verteidigung von Zivilisten zu tun hätten. Zugleich widersprach die Regierung westlichen Angaben, dass der Luftangriff militärischen Zielen gegolten habe. Es habe keine Kommando- und Führungsstrukturen in dem Wohngebiet gegeben, in dem die Nato-Bomben eingeschlagen waren.

Die Nato hatte am Sonntag Luftangriffe des Militärbündnisses auf die libysche Hauptstadt Tripolis bestätigt, nicht aber den Tod des jüngsten Sohnes von Machthaber Muammar al-Gaddafi. Das Bündnis habe ihre gezielten Angriffe auf Militäranlagen der libyschen Regierung fortgesetzt, darunter auch auf ein Gebäude im Bezirk Bab al-Asisija, erklärte das Militärbündnis in Brüssel. Dort befindet sich Gaddafis weitläufige Residenz.

Entschuldigung für Angriffe auf ausländische Vertretungen

Als Vergeltung für den Angriff waren am Sonntag mehrere westliche Botschaften in Tripolis von Regimeanhängern angegriffen worden. Die USA verurteilten die Ausschreitungen nach Angaben des US-Außenamtssprechers Mark Toner aufs Schärfste. Die Wiener Konvention schreibe vor, dass die libysche Regierung den Schutz diplomatischer Vertretungen in Tripolis gewährleisten müsse. "Indem sie das nicht getan hat, hat dieses Regime wieder einmal seine internationalen Verpflichtungen und Verantwortung gebrochen."

Eine Korrespondentin der Nachrichtenagentur AFP hatte am Sonntagmorgen in der libyschen Hauptstadt Demonstranten beobachtet, die das Gebäude der italienischen Botschaft sowie die Residenzen der Botschafter von Italien und Großbritannien anzündeten. Auch amerikanische Einrichtungen sollen angegriffen worden sein.

Die libysche Regierung bedauerte die Vorfälle. Bei einer Pressekonferenz am Sonntagabend sprach Vizeaußenminister Chaled Kaim von einem "bedauerlichen Vorfall". Er versicherte, Libyen werde die Reparaturarbeiten übernehmen. Zu den Angriffen auf die Auslandsvertretungen in Tripolis konnte es laut Kaim kommen, weil die Polizei mit dem Andrang der Massen überfordert war.

Die Kämpfe in Libyen gehen weiter. Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira berichtete in der Nacht zum Montag, dass die Gefechte zwischen den Soldaten Gaddafis und den Rebellen an mehreren Orten heftiger geworden seien.

Aufständische berichteten nach Angaben der "Washington Post" von einem größeren Angriff auf den Hafen der umkämpften Stadt Misurata. Im Hafen werden neben Hilfsgütern auch Waffen und Munition für die Rebellen entladen. Ärzten zufolge wurden bei den nächtlichen Kämpfen seit Sonntagabend sechs Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Am Sonntag hatten Regierungstruppen unter anderem die Hafenanlagen beschossen, wobei zwei Rebellen ums Leben kamen.

yes/dpa/dapd/AFP



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fatherted98 02.05.2011
1. Veröffentlicht....
...das Regime auch die Namen der von den Gaddafi Truppen getöteten Kinder?
meinefresse 02.05.2011
2. -
Im Hafen werden Waffen für die Rebellen entladen? Und dann beschwert sich noch jemand, dass der Hafen von den Regierungstruppen vermint und beschossen wird? Sind die noch bei Trost? Wenn die wirklich Zivilisten schützen wollen haben in diesem Hafen ausschließlich humanitäre Hilfslieferungen stattzufinden! Aber um die Zivilisten ging es in diesem Konflikt noch nie.
Pandora0611 02.05.2011
3. Ist ja schon merkwürdig,
Zitat von fatherted98...das Regime auch die Namen der von den Gaddafi Truppen getöteten Kinder?
*Der Mann habe einen dünnen Schnurrbart sowie einen Vollbart gehabt.* Das trifft wohl auf 99,9% der Islamisten zu. Und die Kinder waren entstellt. Gaddafi ließ auch schon Tode aus dem Leichenhaus holen, um zu "beweisen" wie das Volk leidet.
fatherted98 02.05.2011
4. Schade...
...das es nicht den Sohn getroffen hat der sich in der Schweiz so daneben benommen hat und mit dem Alice-Model rumgemacht hatte.
Pandora0611 02.05.2011
5. Wen interessieren die denn?
Zitat von fatherted98...das Regime auch die Namen der von den Gaddafi Truppen getöteten Kinder?
Mu'ammar Abu Minyar al-Qaddhafi sicherlich nicht!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.