Bomben gegen Diplomaten: Israel macht Iran und Hisbollah für Doppelattacke verantwortlich

Israel will die Drahtzieher bereits kennen: Premier Benjamin Netanjahu beschuldigt Teheran und die Hisbollah, hinter den Bombenattacken gegen israelische Botschaftsangehörige zu stecken. Die Angriffe richteten sich gegen Diplomaten in Georgien und Indien.

AP

Jerusalem/Neu Delhi - Die Reaktion kam prompt: Kurz nach Bekanntwerden der Sprengstoffanschläge auf israelische Botschaftsangestellte in zwei Ländern äußerte sich Premier Benjamin Netanjahu. Er beschuldigte Iran und die Hisbollah, hinter den Attentaten gegen Diplomaten in Georgien und Indien zu stecken. Dabei wurden nach übereinstimmenden Medienberichten mindestens zwei Menschen verletzt.

Netanjahu sagte bei einem Treffen mit Abgeordneten seiner Likud-Partei, er glaube, dass Iraner hinter den Anschlägen in Neu-Delhi und Tiflis steckten. "Es gab in den letzten Monaten mehrere solcher Versuche, Anschläge gegen israelische Staatsbürger und Juden in verschiedenen Ländern zu verüben." Er nannte unter anderem Thailand und Aserbaidschan. "In all diesen Fällen waren die Drahtzieher dieser Anschläge Iran und sein Protegé Hisbollah", sagte der Regierungschef weiter. "Iran, der hinter diesen Anschlägen steht, ist der größte Terror-Exporteur der Welt."

Außenminister Avigdor Lieberman ergänzte: "Wir können identifizieren, wer hinter den Anschlägen steht." Man werde Angriffe auf israelische Staatsbürger nicht tolerieren, warnte er. Die Vertretungen Israels wurden aus Furcht vor weiteren Anschlägen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt.

Der iranische Botschafter in Indien wies die Vorwürfe Israels als Lügen zurück. Sein Land verurteile jegliche Terror-Anschläge, sagte Mahdi Nabisadeh laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA.

Israelische Medien vermuteten einen Zusammenhang mit dem vierten Jahrestag der Tötung des Hisbollah-Kommandeurs Imad Mughnija. Der Top-Terrorist war am 12. Februar 2008 in der syrischen Hauptstadt Damaskus mit einer Bombe getötet worden. Die von Iran unterstützte schiitische Hisbollah-Bewegung macht Israel für Mughnijas Tod verantwortlich und hat Rache geschworen.

Der israelische Rundfunk berichtete, es bestehe aber möglicherweise auch eine Verbindung zu der Anschlagsserie auf iranische Atomwissenschaftler. Teheran vermutet dahinter den israelischen Geheimdienst Mossad und die USA. Beide Länder weisen die Vorwürfe zurück.

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Anschläge in Indien und Georgien: Sprengsätze gegen Diplomaten
Bei dem Anschlag in Neu Delhi war israelischen Angaben zufolge am Montagnachmittag ein Fahrzeug der Botschaft in der Nähe der diplomatischen Vertretung attackiert worden, wie Botschaftssprecher David Goldfarb bestätigte. Dabei erlitten vier Menschen Verletzungen, darunter eine 42-jährige Diplomatin, zugleich Ehefrau des Militärattachés. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht, war aber nach Angaben der indischen Polizei bei Bewusstsein und schwebte nicht in Lebensgefahr. Außerdem wurden bei der Detonation drei Inder leicht verletzt.

Ein Polizeisprecher in Neu-Delhi sagte SPIEGEL ONLINE, dass zwei Jugendliche verdächtigt werden, eine Bombe an einem Auto in der Aurangzeb Road nahe der israelischen Botschaft und der Residenz des Premierministers platziert zu haben. Die beiden seien mit einem Motorrad unterwegs gewesen und hätten den Sprengsatz "quasi im Vorbeifahren" an einer Straßenkreuzung an einem Toyota angebracht. Wenige Sekunden später sei es zur Explosion gekommen.

Augenzeugen berichteten im indischen Fernsehen ähnliches: Sie hätten zwei Personen auf einem Motorrad beobachtet, die an einer roten Ampel den Sprengsatz auf dem Heck des Fahrzeugs platziert hätten. Das Auto wurde durch die Wucht der Detonation zerstört. Passanten zogen die Diplomatenfrau und den Fahrer aus dem brennenden Wagen. Fernsehbilder zeigten einen stark zerstörten Kleinbus mit blauem Diplomatenkennzeichen. Der Explosionsort war nur 500 Meter von der Dienstvilla des indischen Ministerpräsidenten Manmohan Singh entfernt.

Der Sprengsatz in Georgien konnte israelischen Angaben zufolge von der georgischen Polizei rechtzeitig entschärft werden. In der Hauptstadt Tiflis sollte offenbar das Auto des israelischen Botschafters zur Explosion gebracht werden.

Unter der Limousine des Diplomaten sei ein Sprengsatz entdeckt und entschärft worden, teilte das Innenministerium der Kaukasus-Republik in Tiflis mit. Der Fahrer des Botschafters habe ein mit Klebeband befestigtes Paket unter dem Wagen gesehen und die Polizei alarmiert.

heb/kaz/AP/Reuters/dpa/AFP

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