Damaskus/Aleppo - In der nordsyrischen Stadt Aleppo ist am Sonntag eine Bombe explodiert. Die amtliche Nachrichtenagentur Sana sprach von einem "terroristischen Anschlag" und berichtete, der Sprengsatz sei zwischen zwei Wohnhäusern detoniert. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt.
Aktivisten berichteten dagegen, der Anschlag habe sich im Viertel Suleimanidscheh in der Nähe eines Gebäudes der Sicherheitskräfte ereignet. Die Autobombe habe drei Menschen getötet und 25 weitere verletzt, teilte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit.
Die Nachrichtenagentur AP zitierte einen Anwohner mit der Aussage, dass sich die Explosion um 13 Uhr Ortszeit (11 Uhr MEZ) ereignete und sich zu dieser Zeit üblicherweise zahlreiche Menschen auf den Straßen befänden. "Es war eine starke Explosion", sagte der Mann. "Sie erschütterte Teile der Stadt." Aus dem Gebiet sei Rauch aufgestiegen.
Panzer und Scharfschützen gegen Demonstranten
Zugleich versuchte das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, mit Scharfschützen und Panzern Kundgebungen zum Jahrestag des Aufstands zu verhindern. Sicherheitskräfte und Milizionäre hätten Demonstrationen in der Hauptstadt Damaskus am Sonntag rasch aufgelöst, berichteten Aktivisten. Auch in anderen Teilen des Landes sei es zu Zusammenstößen gekommen, so dass größere Protestaktionen ausgeblieben seien.
Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, die Streitkräfte hätten auf Hunderte Demonstranten in Damaskus geschossen und die Anführer festgenommen. Die örtlichen Koordinationskomitees meldeten, die Demonstration habe auf dem Fahameh-Platz stattgefunden. Keine der Gruppen berichtete über Verletzte. Auch in den Provinzen Idlib und Deir al Sur schossen Sicherheitskräfte auf Demonstranten, wie Aktivisten berichteten. Die Streitkräfte hätten um die Stadt Daraa Straßensperren errichtet und Scharfschützen auf Dächern postiert.
Erst am Samstag waren in der Hauptstadt Damaskus bei Explosionen von zwei Autobomben nach Regierungsangaben 27 Menschen getötet und 140 weitere verletzt worden. Laut dem syrischen Staatsfernsehen galten die Attentate der Geheimdienstzentrale der Luftwaffe und dem Hauptquartier der Kriminalpolizei. Zu den Anschlägen hat sich bisher niemand bekannt.
Seit Ende Dezember gab es mehrere Anschläge mit Dutzenden Toten in Syrien, insbesondere in Damaskus und Aleppo. Die Regierung und die Gegner von Präsident Baschar al-Assad machten sich gegenseitig für die Anschläge verantwortlich. In Aleppo waren am 10. Februar durch zwei Anschläge mit Autobomben 28 Menschen getötet und 235 verletzt worden.
mbe/dapd/AFP
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Aufstand in Syrien | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH