Israels Ex-Botschafter "Die meisten sind im Jenseits, und das haben wir getan"

Beim Bombenanschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum in Buenos Aires 1994 kamen 85 Menschen ums Leben. Nun behauptet Israels Ex-Botschafter, man habe die Attentäter aufgespürt und die meisten liquidiert. Die argentinische Staatsanwaltschaft ermittelt, die Regierung in Jerusalem dementiert.

Zerstörtes jüdisches Kulturzentrum nach Bombenanschlag in Buenos Aires 1994: Nahm Israel Rache?
REUTERS

Zerstörtes jüdisches Kulturzentrum nach Bombenanschlag in Buenos Aires 1994: Nahm Israel Rache?


Tel Aviv/Buenos Aires - Ein früherer israelischer Diplomat sorgt weltweit für Aufregung. Izchak Aviran, ehemals Botschafter in Argentinien, sagte der jüdischen Nachrichtenagentur AJN: "Wir wissen, wer die Schuldigen sind, die große Mehrzahl ist bereits im Jenseits, und das haben wir getan." Gemeint sind die Attentäter des Bombenanschlags von Buenos Aires 1994. Mit anderen Worten: Israel habe die Attentäter ermittelt, aufgespürt und gezielt getötet.

Bei dem Bombenattentat auf das Kulturzentrum Amia in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires am 18. Juli 1994 waren 85 Menschen ums Leben gekommen. Wegen des Anschlags stand unter anderem der frühere Militärchef der proiranischen Miliz Hisbollah im Libanon, Imad Mughnija, auf einer internationalen Fahndungsliste. Im Jahr 2008 wurde er bei einem Bombenanschlag in der syrischen Hauptstadt Damaskus getötet. Israel hat eine Beteiligung bislang bestritten.

Auch am Samstag blieb die Regierung in Jerusalem bei dieser Darstellung: Sie dementierte die Äußerungen ihres Ex-Botschafters Aviran. "Das ist kompletter Unsinn", zitierte Radio Israel den Außenamtssprecher Jigal Palmor.

"Argentinien will Gerechtigkeit, keine Rache"

Für die argentinische Justiz ist das Thema damit allerdings nicht erledigt. Der für den Anschlag zuständige Staatsanwalt Alberto Nisman erklärte, er werde über die israelische Justiz eine Zeugenaussage Avirans ersuchen. "Wir wollen, dass er uns erklärt, wie er zur Kenntnis dieser Tatsachen kommt und wer diese Menschen sind, die angeblich ins Jenseits geschickt worden sind", erklärte Nisman dem Nachrichtenportal Infobae.

Argentiniens Außenminister Héctor Timerman zitierte sogar den Geschäftsträger der israelischen Botschaft ins Ministerium, um Informationen über die Täter des Anschlags zu fordern. Die Erklärungen Avirans seien ein Beweis dafür, dass der argentinischen Justiz Informationen zur Aufklärung des Falles verweigert worden seien. Timerman sprach sich auch gegen die Tötung von Verdächtigen aus. "Argentinien sucht, wie alle zivilisierten Länder, Gerechtigkeit im Rahmen der Gesetze, nicht Rache", sagte Timerman der Nachrichtenagentur Télam.

Die argentinische Justiz hat eine Reihe von ehemaligen Diplomaten und Funktionären Irans als mutmaßliche Mittäter identifiziert und über Interpol einen internationalen Haftbefehl erlassen. Iran hat jegliche Teilnahme bestritten.

Namen der angeblich getöteten Drahtzieher nannte auch Aviran nicht. Er stand der israelischen Vertretung in Buenos Aires von 1993 bis 2000 vor.

wal/dpa

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