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Bombenterror in Istanbul: Überwachungsvideos sollen Polizei auf Spur der Attentäter bringen

Mindestens 15 Tote und 150 Verletzte: In Istanbul haben Attentäter im Abstand weniger Minuten zwei Bomben gezündet. Noch hat sich niemand dazu bekannt. Fahnder werten jetzt die Überwachungsvideos aus und hoffen, die Attentäter so zu finden.

Istanbul - Die Täter nutzen eine besonders heimtückische Taktik: Sie zündeten im Stadtteil Güngören auf der europäischen Seite der Stadt zunächst einen kleinen Sprengsatz. Als dann Helfer und Schaulustige zu der Stelle liefen, folgte die zweite, weitaus größere Detonation. Die Zeitspanne betrug zehn bis zwölf Minuten, heißt es. Die zweite Explosion war noch in zwei Kilometern Entfernung zu hören, die Wucht war verheerend. Viele Opfer starben noch am Anschlagsort, wurden durch die Sprengkraft regelrecht zerfetzt.

Die Zahl der Toten gab der Gouverneur von Istanbul, Muammer Güler, mit 13 Menschen an. Etwa 70 Menschen seien verletzt worden, sagte er. Später wurden die Zahlen nochmals nach oben korrigiert: 15 Tote und 150 Verletzte sind zu beklagen. "Es gibt keinen Zweifel, dass es sich um einen Terroranschlag handelt", erklärte Güler. Die Bomben seien in Mülleimern versteckt gewesen.

Bis Mitternacht hatte sich nach Informationen von SPIEGEL ONLINE weder die PKK auf ihrer Web-Site zu der Tat bekannt, noch irgendeine islamistische Terrorgruppe auf den von ihnen üblicherweise verwendeten Internet-Seiten.

Laut dem türkischen Fernsehsender NTV vermuten türkische Sicherheitsbehörden die kurdische Untergrundorganisation PKK hinter dem Anschlag. Die Polizei wertet nun die Aufnahmen von Überwachungskameras aus, hofft so, eine Spur der Attentäter zu finden. Zunächst hatten türkische Fernsehsender und CNN berichtet, die doppelte Explosion gehe vermutlich auf ein Gasleck zurück.

Unklar ist noch, welche Art von Sprengstoff verwendet wurde: Plastiksprengstoff schlossen die Fahnder türkischen Medienberichten zufolge allerdings bereits aus.

In Istanbul wurden bereits mehrere Attentate der PKK zugeschrieben, die seit 1984 für die Unabhängigkeit des Kurdengebietes kämpft. In dem Konflikt kamen bislang mehr als 37.000 Menschen ums Leben.

Die türkische Regierung geht gegen die kurdischen Rebellen auch im Nachbarland Irak vor. Erst in der Nacht zum Sonntag griff die türkische Luftwaffe Stellungen von PKK-Rebellen im Nordirak an. Zuvor hatte die türkische Armee schon in der Nacht zum Donnerstag PKK-Stellungen im Irak beschossen.

Erst Anfang Juli war das US-Konsulat in Istanbul Ziel eines Anschlags gewesen, dabei wurden sechs Menschen erschossen. Die Angreifer waren mit einem Auto vor das stark gesicherte Gebäude im europäischen Teil der Stadt gefahren und hatten das Feuer eröffnet.

yas/jul/tno/AP/Reuters/dpa/AFP

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Bombenanschlag Istanbul: Explosion hinterlässt Tote und Verletzte


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