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Bootsattacke im Persischen Golf: Verdacht fällt auf anonymen Störfunker

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Stammt die Drohung gegen US-Kriegsschiffe im Persischen Golf doch nicht von iranischen Schnellbooten? Die US-Navy verdächtigt jetzt einen anonymen Störer, der sich seit Jahren in den Funkverkehr der Region einmischt - mit obszönen Beleidigungen oder unsinnigen Drohungen.

Das US-Verteidigungsministerium schwächte seinen Anfangsverdacht ab: Man könne nicht mit Sicherheit sagen, wer am vorletzten Wochenende drei Schiffen der Navy bedroht hatte, wer ankündigte sie "in die Luft zu jagen". Damit ist die Aussage, dass iranische Schnellboote die US-Schiffe provozierten, wohl nicht mehr zu halten.

Eines der iranischen Schnellboote, die sich den US-Cruisern aggressiv genähert hatten.
Getty Images/ US Navy

Eines der iranischen Schnellboote, die sich den US-Cruisern aggressiv genähert hatten.

Unter Verdacht steht jetzt stattdessen ein anonymer Funker mit dem Spitznamen "Filipino Monkey", der sich seit Jahren ohne Erlaubnis in den Sprechfunk in der Region einmischt. Das Magazin "Navy Times" zitiert Rick Hoffman, einen pensionierten Kapitän der US-Navy: "Über 25 Jahre war da draußen dieser mysteriöse Kerl, der Stunde um Stunde Obszönitäten und Drohungen in den Äther schrie."

Bis heute ist es der US-Navy nicht gelungen, den "Filipino Monkey" zu identifizieren, und so spekuliert die "Navy Times", es könnte sich möglicherweise auch um mehrere Störer handeln. Gary Roughead, Chef der US-Marineoperationen, räumt ein, dass es im stark befahrenen Persischen Golf mitunter schwierig sei, die Absender von Funksprüchen zu identifizieren. Ein namentlich nicht genannter, anonymer US-Offizier will laut "Navy Times" gleich an den "Filipino Monkey" gedacht haben, als er von dem Vorfall in der Straße von Hormus hörte.

Wie die britische "Times" berichtet, klingt die Stimme des vermeintlichen Bombenattentäters anders als die des Offiziers an Bord des iranischen Schnellbootes, der mit dem US-Schiff "USS Port Royal" über Funk kommuniziert hatte. Wäre die Drohung von einem der kleinen Schnellboote gekommen, hätten außerdem Motorgeräusche, Wind und Meeresrauschen deutlich hörbar sein müssen - die jedoch nicht zu registrieren waren. Stattdessen habe der iranische Soldat - wie im internationalen Funkverkehr üblich - die amerikanischen Kollegen aufgefordert, den Anrufkanal 16 zu verlassen und eine andere Frequenz für das Gespräch zu wählen.

Auf dem betreffenden Kanal 16, über den der Erstkontakt zwischen den US-amerikanischen und iranischen Schiffen ablief, gebe es "alles mögliche Gerede", bestätigt der ehemalige leitende US-Offizer der "Navy Times". Wer mit einem entsprechenden UKW-Gerät ausgestattet sei, könne ohne Probleme am Funkverkehr teilnehmen. Es sei ein Leichtes, die reguläre Kommunikation zu stören und mit Drohungen dazwischen zu funken.

Sollte sich der Verdacht auf den "Filipino Monkey" erhärten, dürften im Pentagon einige Verantwortliche "schamrot anlaufen", mutmaßte die "Times". Denn noch in der vergangenen Woche hatte das US-Verteidigungsministerium das Video einer vermeintlichen Speedboot-Attacke veröffentlicht. Gefilmt wurde von Bord eines der US-Kreuzer. Und dazu ein Tonprotokoll beigefügt, in dem ein US-Marine die Iraner auffordert, sich zu identifizieren. Als Antwort kam die radebrechende Drohung: "Ich komme zu euch. In wenigen Minuten fliegt ihr in die Luft." Lydia Robertson, Sprecherin der fünften US-Flotte in Bahrain, zeigte sich skeptisch über die neuen Berichte. Sie sagte SPIEGEL ONLINE: "Wir glauben weiterhin, dass zwischen der aggressiven Aktion der iranischen Boote und den Drohungen ein Zusammenhang besteht." Von welcher Quelle die verbale Drohung gegen die US-Schiffe exakt stamme, sei weniger wichtig.

Teheran hatte den Verdacht zurückgewiesen, Drohungen gegen die amerikanische Flotte ausgesprochen zu haben. Gleichwohl hatte es von iranischer Seite auch geheißen, es habe sich um ein Routinemanöver gehandelt. Die Schnellboote hätten die US-Kriegsschiffe "nicht gesehen" - trotz Tageslichts.

Zwei US-Kommandeure der "USS Port Royal" und "USS Hopper" sprachen gestern, bei einer Pressekonferenz in Bahrain, von "Glück für alle Beteiligten", dass die iranischen Boote zurückgewichen seien, "bevor wir das Feuer hätten eröffnen müssen".

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