Britischer Außenminister Boris Johnson fällt auf russischen Telefonstreich herein

Am Telefon ließ sich Boris Johnson über Russland und Präsident Putin aus. Er glaubte, mit dem armenischen Ministerpräsidenten zu sprechen. Der Anruf kam allerdings von zwei russischen Komikern.

Boris Johnson
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Boris Johnson


Anfang Mai hatte Nikol Paschinjan die Wahl in Armenien gewonnen und wurde Regierungschef. Gut eine Woche später bekam der britische Außenminister Boris Johnson einen Anruf. Der Mann am anderen Ende der Leitung stellte sich als Paschinjan vor. Das Problem: Der Anruf stammte nicht vom frisch gewählten Regierungschef, sondern von zwei Russen, die sich einen Scherz erlaubten.

Das Komikerduo, das für den Anruf verantwortlich war, besteht aus Wladimir Krasnow und Alexej Stoljarow. Die als "Vovan" und "Lexus" bekannten Männer veröffentlichten anschließend eine Audiodatei mit dem Telefonat auf YouTube. Der Mitschnitt dauert etwa 18 Minuten. Ob das Gespräch geschnitten wurde, ist nicht klar. In der Unterhaltung geht es auch um das angespannte Verhältnis zu Russland und dessen Präsident Wladimir Putin: "Selbstverständlich hatten wir darauf gehofft, eine bessere Beziehung zu Russland zu haben", sagte Johnson: "Ich befürchte, Russland scheint unfähig zu sein, schädlichen Handlungen zu widerstehen."

"Wenn ich eine Nachricht an Putin habe", sagt Johnson weiter: "Wir wollen keinen kalten Krieg," London wolle aber, dass sich Russland besser verhält. Auch der Fall Sergej Skripal kam zur Sprache. Johnsons Gesprächspartner sagte, er werde sich bald mit Putin treffen und hoffe, dass der russische Präsident ihn "nicht mit Nowitschok vergiften" werde. Johnson lacht daraufhin und sagt später auf die Frage, ob London sicher sei, dass Putin hinter dem Angriff auf Skripal und seine Tochter stecke: "Wir sind fast 100 Prozent sicher." Im Falle des Giftgasangriffs in Syrien scheine es außerdem "sehr klar", dass das syrische Regime verantwortlich sei.

Anfang März waren der russische Ex-Spion Skripal und dessen Tochter Julija Skripal mit dem Nervengift Nowitschok angegriffen worden. Beide lagen lange im Koma, wurden aber mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen und befinden sich auf dem Weg der Besserung. Anfang März war es im syrischen Duma, nahe der Hauptstadt Damaskus, zu einem Angriff mit zahlreichen Toten gekommen. Vertreter des Westens sahen es als erwiesen an, dass Chemiewaffen eingesetzt wurden. Sie vermuteten außerdem das Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad hinter dem Angriff.

Das britische Außenministerium bestätigt den Anruf

Dem armenischen Regierungschef sprach Johnson in dem Telefonat wiederum seinen Glückwunsch zum Wahlsieg und seine Unterstützung aus: "Sie können definitiv auf das Vereinigte Königreich zählen", sagte Johnson. "Ich bewundere Ihre Mission und das, was Sie erreichen wollen."

Mitten im Gespräch riss das Telefonat schließlich von britischer Seite ab. Das Außenministerium bestätigte den Anruf: "Der Außenminister hat bemerkt, dass es ein Streich war und legte auf", hieß es in einem Statement. "Wir haben das überprüft und wussten sofort, dass es ein Scherzanruf war." Lustig fanden die Behörde den Trick aber nicht: "Der Einsatz chemischer Waffen in Salisbury und in Syrien und die kürzlichen Geschehnisse in Armenien sind ernsthafte Angelegenheiten", hieß es in der Mitteilung. "Diese kindischen Aktionen zeigen die fehlende Ernsthaftigkeit des Anrufers und derjenigen, die hinter ihm stehen."

Die Scherzanrufer Krasnow und Stoljarow sind in der Vergangenheit schon häufig mit ähnlichen Geschichten aufgefallen. So gaben sie sich in einem Telefonat mit dem Musiker Elton John zum Beispiel als Putin aus. Kritiker sagen ihnen Verbindungen zu den russischen Sicherheitsbehörden nach.

aev

insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
tolate 24.05.2018
1. Mehr als ein Scherz
Endlich mal was zum Lachen. Und dazu ist das Gespräch auch noch infornmativ.
loreley123 24.05.2018
2. Auf die
Knallköpfe, die uns regieren kann man nur noch mit Satire reagieren. Denn die Realsatire, welche unsere Knallköpfe verzapfen ist zutiefst traurig. Und gefährlich. Gute Aktion!
alex300 24.05.2018
3. Kindisch
ist allemal Johnson. Aber irgendwie typisch britisch.
opinio... 24.05.2018
4. Russia vs West
Mein Gott, diese Arroganz des "Westens" aus den 90ern sollte dem Boris eigentlich peinlich sein. "Freedom and democracy", der "Westen" als Bollwerk zur Verteidigung und zum Export dieser Werte in die russische Einflusssphäre.... mein Gott Boris. Jetzt bin ich froh, dass wir einen Heiko haben!
Kamillo 24.05.2018
5.
Auch wenn ich Johnson nicht mag, er hat sich da eigentlich ganz gut verhalten und ist geradlienig geblieben. Man hört, dass auch er sich lieber ein besseres Verhältnis zu Russland wünscht und dass alleine Russland dies in der Hand hat.
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