Fall Sergej Skripal Johnson droht mit "robuster Antwort"

Für den Fall, dass Russland am mutmaßlichen Anschlag auf einen russischen Ex-Spion schuld ist, droht Außenminister Boris Johnson mit Konsequenzen - etwa für die Fußball-WM.

Boris Johnson
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In einem britischen Krankenhaus ringen der russische Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter mit dem Tod. Beide waren offenbar am Wochenende mit einer noch unbekannten Substanz in Kontakt gekommen und womöglich vergiftet worden.

Nun hat der britische Außenminister Boris Johnson eine "angemessene und robuste Reaktion" angekündigt, sollte sich der Verdacht auf eine Rolle Moskaus in der mysteriösen Erkrankung des Ex-Spions in England erhärten. Er brachte dabei auch eine mögliche Absage der britischen Teilnahme an der Fußball-WM ins Spiel.

"Ich sage zu Regierungen in der ganzen Welt, dass kein Versuch, auf britischem Boden unschuldiges Leben zu nehmen, ohne Sanktionen oder ungestraft bleiben wird", betonte Johnson bei einer dringlichen Fragestunde im britischen Parlament.

Johnson: "Denken Sie mal an die WM im Sommer"

Mit einem Boykott zur Fußballweltmeisterschaft drohte Johnson indirekt. "Denken Sie mal an die WM im Sommer, ich glaube, es wird sehr schwer vorstellbar sein, dass eine britische Teilnahme an dem Ereignis wie sonst auch ablaufen kann", sagte Johnson der Nachrichtenagentur Reuters zufolge.

Unklar blieb zunächst, ob Johnson sich mit der Boykottdrohung auf die englische Nationalmannschaft oder auf Regierungsmitglieder bezog.

Wenig später hieß es aus Regierungskreisen, Großbritannien könnte erwägen, britische Minister oder Würdenträger nicht zur WM zu entsenden, sollte es eine russische Spur zum kranken Skripal und seiner Tochter geben. Johnsons Absicht sei es nicht gewesen, eine Boykott der Nationalmannschaft ins Spiel zu bringen.

Aus Russland folgte eine schnelle Antwort auf die Parlamentsrede Johnsons. Der Kreml wies den Vorwurf einer möglichen russischen Verantwortlichkeit in einem eiligen Statement als "wild" zurück.

Johnson hatte zudem erklärt, noch gebe es zwar keine Beweise, dass Russland seine Hand im Spiel habe. Der Fall erinnere jedoch an den Giftmordanschlag auf den Ex-Spion und Kremlkritiker Alexander Litwinenko im Jahr 2006.

Johnson bestätigte, dass es sich bei dem am Sonntag mit Vergiftungserscheinungen in ein Krankenhaus im englischen Salisbury eingelieferten Mann um den früheren Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU handelt. Der 66-Jährige war in Russland als britischer Spion verurteilt und bei einem Austausch 2010 freigelassen worden.

cht/dpa/Reuters



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