Britischer Außenminister Johnson entschuldigt sich für diplomatischen Fehltritt

Tagelang weigerte sich der britische Außenminister, einen Fehler einzugestehen. Nun gab Boris Johnson im Parlament zu: Seine lapidare Äußerung über eine in Iran inhaftierte Britin habe ihre Lage verschlimmert.


Großbritanniens Außenminister Boris Johnson steht massiv unter Druck. Die Opposition fordert seinen Rücktritt, seine eigene Partei streitet über die Zukunft von Premierministerin Theresa May. Nun sah sich Johnson gezwungen, für einen schweren, diplomatischen Fehler zu entschuldigen.

Johnson unterstellte am 1. November einer britisch-iranischen Bürgerin, in Iran Journalisten ausgebildet zu haben - ohne Ahnung davon zu haben, was ihr wirklicher Grund für einen Aufenthalt in Iran war. Diese Aussage habe dazu geführt, dass die Frau namens Nazanin Zaghari-Ratcliffe erneut vor ein iranisches Gericht gestellt wurde, sagte ihr Ehemann.

"Natürlich tut mir die Notlage leid, die entstanden ist", sagte der Außenminister im Parlament.

Johnson unterlief mit seiner lapidaren Äußerung die Verteidigung von Zaghari-Ratcliffe. Ihr wird vorgeworfen, "Propaganda gegen die iranische Regierung" verbreitet zu haben. Ihr Ehemann Richard Ratcliffe bestreitet das.

Tatsächlich sei seine Frau mit der kleinen Tochter rein privat in das Land gereist, um ihre Eltern zu besuchen. Ratcliffe forderte eine öffentliche Richtigstellung. Auch der Arbeitgeber der Frau, die Thomson-Reuters-Stiftung, rief Johnson auf, den "schwerwiegenden Fehler" zu korrigieren.

In der vergangenen Woche lehnte Johnson es im Parlament noch mehrfach ab, einen Fehler einzugestehen. Nun sagte er: "Ich entschuldige mich. Natürlich nehme ich die Andeutung zurück, dass sie beruflich dort war." Dadurch sei eine Notlage entstanden, die er bedauere, so Johnson. Zaghari-Ratcliffe habe Urlaub in Iran gemacht.

cte/Reuters/dpa



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