Britischer Außenminister Boris Johnson legt Brexit-Vision vor - seine Vision

"Wir können das großartigste Land der Welt sein": Boris Johnson legt in einem Zeitungsbeitrag seine Brexit-Vorstellungen dar. Der Vorstoß wird als Attacke auf Premierministerin Theresa May gewertet.

Boris Johnson
Getty Images

Boris Johnson


Bevor Boris Johnson Außenminister von Großbritannien und überhaupt Politiker wurde, war er mal Journalist - unter anderem beim "Daily Telegraph". Von 1989 bis 1994 berichtete er für das konservative Blatt sogar aus Brüssel. Nun hat er erneut in seiner alten Zeitung einen neuen Artikel veröffentlicht. Der Inhalt: seine Brexit-Version.

Darin sagt er dem Land eine "glorreiche" Zukunft außerhalb von EU, Binnenmarkt und Zollunion voraus. "Ich glaube, wir können das großartigste Land der Welt sein", schreibt er. Die Briten hatten im Juni 2016 mit knapper Mehrheit für den Austritt aus der EU gestimmt.

Johnson wiederholt sein Versprechen aus dem Wahlkampf vor dem Brexit-Referendum, der staatliche Gesundheitsdienst NHS werde von umgerechnet rund 350 Millionen Pfund wöchentlich profitieren, die an EU-Beiträgen künftig eingespart werden könnten. Zahlungen für den freien Zugang zum Europäischen Binnenmarkt lehnt er ab.

Bewerbungsschreiben für das Amt des Regierungschefs?

Der britische Außenminister geht damit möglicherweise auf Konfrontationskurs zu Premierministerin Theresa May. Kommentatoren deuten seinen Vorstoß als Bewerbung für das Amt des Regierungschefs. May gilt seit der schiefgelaufenen Parlamentswahl im Juni als angezählt.

Sie hat für die kommende Woche eine richtungsweisende Rede zum Brexit in Florenz angekündigt. Medien spekulierten, May wolle dabei finanzielle Zugeständnisse an die EU machen, um die schleppenden Austrittsverhandlungen mit Brüssel zu beleben.

Bislang hat es bei den Gesprächen in Brüssel kaum greifbare Ergebnisse gegeben. Im März 2019 wird Großbritannien aus der EU ausscheiden. Sollte bis dahin kein Regelung über die künftigen Beziehungen vorliegen, drohen unabsehbare Konsequenzen für die Wirtschaft und andere Bereiche.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, der staatliche Gesundheitsdienst NHS werde von umgerechnet rund 350 Milliarden Euro wöchentlich profitieren. Richtig sind rund 350 Millionen Pfund. Wir haben die Fehler korrigiert.

dop/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Freitagabend 16.09.2017
1. Polit-Clown Boris Johnson
Boris Johnson kennt kein Verantwortungsgefühl. Seine Unterstützung für den Brexit entspringt einer launischen Zockerei gegen David Cameron. Und jetzt fabuliert er von britischer Grandeu, die sich nur ausserhalb der EU erreichen liesse. Johnson ist ein Fantast, ein Zocker, ein gefährlicher Aufschneider ohne Moral. Man kann nur hoffen, dass die nüchternen Briten sich dieses Clowns entledigen. Gemeinsam mit der grotesk gescheiterten T. May.
thomas haupenthal 16.09.2017
2. Johnson...
...macht da weiter, wo er mit dem Brexit aufgehört hat: Er ist ein Demagoge und verkauft die Leute für dumm. Leute, wir treten mal ein bisschen aus, aber macht euch keine Sorgen, alles wird gut und besser, you land of hope and glory. Wir füttern den Wolf und können die Ziege ganz lassen. Nichts davon, bei einem kalten Brexit, landet England auf dem Bauch, alles andere ist Augenwischerei. Die EU kann Großbritannien am ausgestreckten Arm verhungern lassen und sie werden es auch tun, wenn von dort nichts Substantielles kommt. Die EU kann zur Not auch ohne Großbritannien leben, aber Großbritannien schwerlich ohne die EU. So ist die Lage. Und sie sollten sich in London mal langsam darüber klar werden, was sie eigentlich wollen und zu welchem Preis. Immerhin ist Johnsons Position eindeutig: Austritt ohne Wenn und Aber, ohne Binnenmarkt und Zollunion. Bitte sehr, dem Wunsch kann entsprochen werden, aber mit allen Konsequenzen, auch für die Brexiter selbst. Denn nach dem Austritt gibt es kein "Brüssel" mehr, dass man bequem für alles verantwortlich machen kann, auch wenn es nicht stimmt. Aber soll er mal die Regierung und die Verantwortung übernehmen, das wäre konsequent . Und schauen, wie weit er kommt, ich bin gespannt...
wühlmaus_reloaded 16.09.2017
3. Konjunktiv müsste man können
"Ich glaube, wir können das großartigste Land der Welt sein" sagt der, der GB erst in das Brexit-Referendum gequatscht und dann jämmerlich gekniffen hat. Und der sich nun, wo's für May nicht läuft, wieder aus dem Unterholz bricht. Seine Aussage muss unbedingt im Konjunktiv stehen - GB *könnte* großartig sein, wenn, ja wenn es nicht von solchen Flitzpiepen wie Cameron, May und Johnson ins Verderben geritten worden wäre/würde. Wobei den Claim "greatest country mankind has ever seen" ja schon eine andere Flitzpiepe gepachtet hat.
kumi-ori 16.09.2017
4.
Vielleicht ist es das beste so. Boris Johnson führt die Insel einer großartigen Zukunft entgegen und wir haben unsere Ruhe. Dann hört endlich dieses entwürdigende Rumgefeilsche auf.
Ökofred 16.09.2017
5. Ärgerlich
SPON hätte sagen können, dass man das Originalpapier bei Facebook lesen kann (unter Boris Johnson). Ist lang und steht wirklich nur Blödsinn drin.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.