Parteitag der Tories Boris Johnson lobt Theresa May für Brexit-Strategie

Boris Johnson hat Großbritanniens Premierministerin Theresa May in der Vergangenheit einigen Ärger beschert. Beim Parteitag der Tories stellt er sich nun demonstrativ hinter seine Chefin.

Boris Johnson
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Es ist erst ein paar Tage her, da düpierte Boris Johnson mal wieder seine Chefin Theresa May. Der Außenminister Großbritanniens stellte einen Alternativplan zur Brexit-Linie seiner Parteichefin und Premierministerin vor. Nicht das erste Mal, dass er May Ärger bereitete.

Kommentatoren hatten das bereits als Vorstoß für eine Bewerbung um Mays Amt gewertet. Und so waren auf dem Parteitag der Tories alle Augen auf Johnson gerichtet. Doch von Konfrontationskurs keine Spur: Demonstrativ stärkte Johnson die Parteichefin in seiner Rede vor den konservativen Kollegen. May werde den Brexit zu einem Erfolg machen, und ihr Kabinett unterstütze geschlossen "jede Silbe" ihrer Rede zum EU-Austritt in Florenz. Das ganze Land schulde May Dank für ihre Standhaftigkeit.

Und auch sonst gab sich Johnson zahm. Von seinen Landsleuten forderte er mehr Optimismus, wenn es um den Brexit gehe. Dieser sei eine "demokratische Revolution, die wir in eine kulturelle und technologische Erneuerung verwandeln können." Dafür erntete er viel Applaus von den Delegierten.

Statt May attackierte Johnson in seiner Rede lieber den Labour-Chef Jeremy Corbyn scharf. Der Oppositionsführer sei mit Blick auf den Brexit noch pessimistischer als die Vertreter der EU am Verhandlungstisch in Brüssel. Dabei sei der Brexit eine "demokratische Revolution, die wir in eine kulturelle und technologische Erneuerung verwandeln können." (Lesen Sie hier mehr über den Erfolg des Oppositionschefs Corbyn.)

In ihrer viel beachteten Rede von Florenz erklärte May kürzlich, eine etwa zweijährige Übergangsphase nach dem Brexit anzupeilen. In dieser Zeit könnte das Vereinigte Königreich weiter in den EU-Haushalt einzahlen - zudem bot sie an, 20 Milliarden Euro als Abschlussrechnung an Brüssel zu überweisen. Den EU-Unterhändlern ist dieser Betrag allerdings zu wenig.

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Großbritannien: Mays Rivalen

May ist seit ihrer Entscheidung, die Briten vorzeitig zur Wahl zu rufen, angezählt. Eigentlich hatte sich die Premierministerin durch die Abstimmung eine breitere Unterstützung für die Gespräche mit Brüssel holen wollen. Doch der Plan scheiterte, fast hätten die Tories die Macht verloren.

Auch in den Brexit-Verhandlungen gibt es bislang kaum greifbare Ergebnisse. Im März 2019 wird Großbritannien aus der EU ausscheiden. Sollte bis dahin keine Regelung über die künftigen Beziehungen vorliegen, drohen unabsehbare Konsequenzen für die Wirtschaft und andere Bereiche.

brk/Reuters

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