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Nemzow-Ermordung: Millionen Rubel als Belohnung für Hinweise

Nemzow-Plakat bei Gedenkmarsch in Moskau: Drei Millionen Rubel für Hinweise Zur Großansicht
AFP

Nemzow-Plakat bei Gedenkmarsch in Moskau: Drei Millionen Rubel für Hinweise

Waren es Nationalisten, Spione, die Opposition? Nach dem Mord an Kreml-Kritiker Boris Nemzow ist noch keine Aufklärung in Sicht. Russische Behörden versprechen jetzt für nützliche Hinweise mehrere Millionen Rubel.

Moskau - Die russische Ermittlungsbehörde hat eine hohe Belohnung für Hinweise auf den Mörder des Kreml-Kritikers Boris Nemzow ausgesetzt. Mit bis zu drei Millionen Rubel, umgerechnet etwa 45.000 Euro, sollen hilfreiche Hinweise belohnt werden.

"Wir sind zur Auszahlung bereit, wenn die Tipps zur Klärung dieser Tat führen", teilte die Behörde mit. Das Innenministerium garantierte Tippgebern Anonymität und forderte mögliche Zeugen des Anschlags auf den Oppositionspolitiker auf, sich zu melden. Die russischen Behörden gehen eigenen Angaben zufolge von einem Auftragsmord aus.

Nemzow war am späten Freitagabend von einem Unbekannten mit vier Schüssen in den Rücken ermordet worden - in unmittelbarer Nähe zum Kreml im Zentrum von Moskau. Ein russischer TV-Sender veröffentlichte Aufnahmen einer Überwachungskamera, die zeigen sollen, wie der mutmaßliche Schütze in ein wartendes Auto springt und flüchtet.

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Nemzow-Mord: Trauerzug durch Moskau
Die Bluttat löste international Empörung und Trauer aus: Nemzow habe den Preis dafür gezahlt, "dass er jahrelang dafür kämpfte, dass Russland ein freies und demokratisches Land wird", sagte Nemzows Weggefährte Michail Kassjanow. Die Politologin Julia Latynina bezeichnete den Mord als "politischen Terrorakt" mit eindeutiger Botschaft: "Jeder, der an einem Oppositionsmarsch teilnimmt, läuft Gefahr, getötet zu werden."

Mehrere Oppositionspolitiker forderten eine Gedenktafel für Nemzow am Tatort. "Als einer der wichtigsten russischen Politiker der vergangenen 20 Jahre hätte er das verdient", sagte der Bürgerrechtler Alexander Tscherkassow der Agentur Interfax zufolge. Moskaus Vizebürgermeister Leonid Petschatnikow sagte, die Behörde sei bereit, einen solchen Antrag der Opposition zu prüfen.

Am Sonntag nahmen Zehntausende in Moskau an einem Trauermarsch für Nemzow teil. Der von der Opposition organisierte Zug führte auch über die Brücke in Sichtweite des Kreml, wo der frühere Vizeregierungschef erschossen worden war. Ursprünglich hatte die Opposition für Sonntag eine Großkundgebung gegen die Ukraine-Politik von Präsident Wladimir Putin geplant, diese wurde nach Nemzows Ermordung jedoch abgesagt.

Der Mord reiht sich ein in eine Vielzahl ähnlicher Taten, denen in den vergangenen Jahren Oppositionelle wie die Menschenrechtsaktivistin Natalja Estemirowa oder die Journalistin Anna Politkowskaja zum Opfer fielen. Nemzow hatte Einschüchterungen durch die Behörden in der Vergangenheit immer wieder getrotzt.

Video: Kurz vor seinem Tod gab Nemzow ein Putin-kritisches Interview

mxw/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 93 Beiträge
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1. Großzügig mit wertlosem Rubel
McMathew 01.03.2015
Jetzt kostet die vermeintliche Aufklärung des Russland-Depoten noch weniger, wegen der starken Talfahrt des Rubel. Nur der Liquidationsauftrag dürfte in Feindes-Währung - also in US-Dollar - abgewickelt worden sein. Kranker Führer, krankes Land.
2. Alles Bluff - natürlich
Baikal 01.03.2015
Putin will die Millionen selbst einstreichen und sich dann in die USA absetzen - einem Menschen wie ihm ist alles zuzutrauen.
3. Warum diese ständige suggestive Wortwahl?
diabolo1 01.03.2015
Hierzulande werden Oppositionspolitiker doch auch nicht "Merkel-Kritiker" genannt. Warum findet man in diesem Fall keine neutrale Bezeichnung, sondern wählt sofort suggerierende Worte? Es wird von Behördenseite eine hohe Belohnung ausgelobt. Wäre sie ursächlich beteiligt, würde sie doch eher Wert auf Stillschweigen legen. Ich frage mich nach wie vor cou bono? Putins Regierung nutzt sie in der derzeitigen Situation jedenfalls nicht.
4. SPON, nicht so ungeduldig sein!
pethof 01.03.2015
„Noch keine Aufklärung in Sicht.“ Es wäre in der Tat erstaunlich, wenn heute schon wesentliche Hinweise auf die Täter vorliegen würden. Die Aufklärung des Absturzes der MH17 und der Todesschüsse auf dem Maidan ziehen sich nun schon fast ein Jahr hin. Und noch immer keine Aufklärung in Sicht.
5. Mal nachfragen
ewspapst 01.03.2015
Der Mord reiht sich ein in eine Vielzahl ähnlicher Taten, denen in den vergangenen Jahren Oppositionelle zum Opfer fielen. hies es im Beriht. Ich hätte dabei gerne an die 43 mexikanischen Studenten gedacht und an die Toten des Maidans, deren Täter immer noch frei gerumlaufen. Tja und dasrum hat sich der Herr Ban und unser Friedensfreund Obama bisher keine grssen Gedanken gemacht, oder haben sie davon etwas bemerkt. Ist ja auch unwahrscheinlich, das waren doch auch nur normale Menschen.
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