"Boris Nemtsov Plaza" Washington will Straße vor russischer Botschaft nach Kreml-Kritiker benennen

Die US-Hauptstadt hat eine diplomatisch heikle Namensänderung beschlossen: Die Straße, an der die russische Botschaft liegt, soll nach dem ermordeten Putin-Widersacher Boris Nemzow heißen.

Gedenken an Boris Nemzow in Moskau, wo er 2015 ermordet wurde
AFP

Gedenken an Boris Nemzow in Moskau, wo er 2015 ermordet wurde


Ein Stück Straße vor der russischen Botschaft in der US-Hauptstadt Washington D.C. soll nach dem Willen der Stadtverwaltung nach dem ermordeten Kreml-Kritiker Boris Nemzow umbenannt werden.

13 Stadtverordnete - elf demokratische und zwei unabhängige - stimmten am Mittwoch einstimmig für die Umbenennung des Straßenabschnitts in Boris Nemtsov Plaza. Die beschlossene Resolution stellt aber noch keine abschließende Regelung dar. Der US-Kongress kann sein Veto einlegen.

Dennoch setzten die Stadtverordneten bereits eine Zeremonie für die Umbenennung für den 27. Februar an, dem dritten Jahrestag von Nemzows gewaltsamen Tod in Moskau. Dabei solle ein Schild zu Ehren des russischen Oppositionspolitikers auf dem Platz angebracht werden, wie Vertreter der Stadtverwaltung sagten. Bislang lautet die Adresse der russischen Botschaft Wisconsin Avenue. Dies ist eine der Hauptverkehrsstraßen im Nordwesten der US-Hauptstadt.

Der Kreml-Kritiker und ehemalige russische Vizepremier Nemzow war am 27. Februar 2015 unweit des Regierungssitzes Kreml auf offener Straße erschossen worden. Für den Mord gingen fünf Tschetschenen ins Gefängnis, über mögliche Auftraggeber schwiegen sie.

Nemzows Ermordung hatte weltweit Bestürzung ausgelöst. Der frühere Vizeministerpräsident war einer der prominentesten Widersacher von Präsident Wladimir Putin und ein scharfer Kritiker von dessen Ukraine-Politik.

Der republikanische Senator von Florida, Marco Rubio, der die Umbenennung des Straßenabschnitts vor der russischen Botschaft unterstützt, erklärte, der Beschluss sende "eine klare Botschaft an Wladimir Putin und seine Freunde, dass das amerikanische Volk auf Seiten der Russen steht, die mutig versuchen, eine freie und demokratische Zukunft für ihr Land aufzubauen".

Die Beziehungen zwischen den USA und Russland sind nicht zuletzt wegen der mutmaßlichen Beeinflussung des US-Wahlkampfs durch den Kreml angespannt. US-Präsident Donald Trump steht wegen der Russland-Kontakte seines Wahlkampfteams unter Druck.

cht/AFP



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