Von Matthias Gebauer und Gregor Peter Schmitz, Washington
Die Residenz des deutschen Botschafters in Washington schmiegt sich in die Hügel des Edelvororts Georgetown, von der Terrasse lassen sich die Lichter der US-Hauptstadt und ihrer Umgebung bestaunen. Der berühmte Architekt Oswald Mathias Ungers hat den Bau entworfen, im Keller lädt die schnieke "Berlin Bar" zum Verweilen ein. Am Jahrestag der deutschen Einheit veranstaltet die Botschaft stets eine große Sause, die sich in der Washingtoner Szene wachsender Beliebtheit erfreut.
Kein Wunder, dass der Posten als Leiter der wichtigsten deutschen Auslandsvertretung - als "Mr. Germany" in Washington - extrem begehrt ist. Das Rennen um die Nachfolge von Klaus Scharioth, dem amtierenden Botschafter, hat nun Peter Ammon gemacht, derzeit noch verbeamteter Staatssekretär im Auswärtigen Amt. Im Sommer wird der 58 Jahre alte parteilose Diplomat Scharioths Nachfolge antreten, dieser geht dann in den Ruhestand.
Dass Ammon in die USA wechseln soll, war seit längerem kein Geheimnis mehr. Aber bei solchen diplomatischen Top-Personalien muss das Bundeskabinett zustimmen. Das soll offenbar kommende Woche geschehen. Anscheinend hat auch das Bundeskanzleramt keine Einwände gegen die Bestellung von Ammon, der bereits einmal als Wirtschaftsexperte an der Vertretung in Washington wirkte und kurz als Botschafter in Paris residierte.
Das war bei Vorgänger Scharioth anders. Dieser galt als SPD-nah, weswegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach ihrer Regierungsübernahme Bedenken gegen dessen Wechsel an den Potomac anmeldete. Scharioth musste sie erst überzeugen, dass mit seiner Loyalität zu rechnen ist.
Ammon - vom eher unauffälligen Beamten zum Prestige-Posten
Dieses Vertrauen hat sich ausgezahlt, Scharioth gilt als einer der besser vernetzten europäischen Botschafter in der US-Hauptstadt. Dass er im vergangenen Präsidentschaftswahlkampf gar an einer Spendensammel-Veranstaltung für Barack Obama teilnahm, sorgte zwar für hoch gezogene Augenbrauen. Doch diese Nähe zahlte sich später aus. Insbesondere bei Themen wie der nuklearen Abrüstung - ein Herzensanliegen der Obama-Regierung - fand die deutsche Stimme Gewicht.
Ammon ist in seinem letzten Posten als Staatssekretär weniger aufgefallen. Der ehemalige G-8-Sherpa bringt aber in jedem Fall das Pfund mit, ein waschechter Karrierediplomat zu sein. Zwischendurch machte nämlich auch das Gerücht die Runde, der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer (FDP), könne sich den Top-Job sichern. Hoyer gilt als unglücklich mit seiner jetzigen Rolle. Eine solche politische Benennung wäre jedoch Deutschlands Diplomaten - die anders als etwa ihre amerikanischen Kollegen auch Top-Botschafterposten in aller Welt beanspruchen dürfen - gewiss übel aufgestoßen.
Die Botschafter-Benennung ist nicht die einzige USA-Personalie, die Außenminister Westerwelle entscheiden muss. Gerade ist Hans-Ulrich Klose (SPD), Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, aus privaten Gründen von seinem Amt zurückgetreten. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden - doch ein Diplomat, so viel steht fest, muss es nicht sein.
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