Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Deal zwischen USA und Taliban: Ein Austausch macht noch keinen Frieden

Von

US-Sergeant Bergdahl: Taliban bejubeln Gefangenenaustausch Zur Großansicht
REUTERS

US-Sergeant Bergdahl: Taliban bejubeln Gefangenenaustausch

Die USA haben mit den Taliban einen Gefangenenaustausch ausgehandelt. Doch der Einstieg in Friedensgespräche für Afghanistan ist das noch lange nicht.

Es ist das erste Abkommen zwischen der US-Regierung und der Taliban-Führung: Fast 13 Jahre sind seit der US-geführten Invasion Afghanistans vergangen. Seither liefern sich die Taliban einen Guerillakrieg mit den Besatzern, Zehntausende Menschen sind bei Anschlägen und Kämpfen ums Leben gekommen.

Nun einigten sich beide Seiten auf einen Gefangenenaustausch: Die militanten Islamisten haben den US-Soldaten Bowe Bergdahl, den letzten amerikanischen Kriegsgefangenen in Afghanistan, nach fünf Jahren Geiselhaft freigelassen. Im Gegenzug sind fünf ranghohe Talibankommandeure aus dem Gefangenenlager Guantanamo freigekommen.

Der Deal kam mit Vermittlung des Emirats Katar zustande. Die freigelassenen Taliban landeten am Sonntag in dem Golfstaat und dürfen diesen frühestens in einem Jahr in Richtung ihres Heimatlandes verlassen. In Katars Hauptstadt Doha hatten die Taliban im vergangenen Jahr ein Verbindungsbüro eröffnet. Eigentlich sollten die Islamisten dort Friedensverhandlungen mit den USA und der afghanischen Regierung führen.

USA und Taliban spielen Bedeutung des Austauschs herunter

Nachdem die Taliban über dem Gebäude jedoch ihre eigene Flagge gehisst und ein Banner mit dem Schriftzug "Islamisches Emirat Afghanistan" enthüllt hatten, brach Afghanistans Präsident Hamid Karzai die Gespräche wieder ab. Dass die Taliban sich als Exilregierung präsentierten, konnte der gewählte Staatschef nicht akzeptieren.

Auch das nun getroffene Abkommen zwischen US-Regierung und Taliban ist ein Affront für die Regierung in Kabul. Die Gespräche liefen ohne Beteiligung der afghanischen Führung ab. Die radikalen Islamisten, die den Staat und seine Institutionen ablehnen und bekämpfen, werden durch den Austausch aufgewertet. Sie seien mit der Freilassung ihrer Kommandeure "dem Hafen des Sieges nähergekommen", ließ Mullah Omar, der untergetauchte Anführer der Gruppe, mitteilen.

Die US-Regierung ist bemüht, den Austausch der Guantanamo-Häftlinge herunterzuspielen. Die fünf Männer wären bei der angestrebten Schließung des Gefangenenlagers auf Kuba ohnehin freigekommen, sagen Vertreter in Washington.

Die Kommandostruktur der Taliban ist intakt

Regierungsbeamte dämpfen auch die Hoffnungen auf weitergehende Gespräche mit den afghanischen Aufständischen: "Das ist ein ziemlich begrenzter Deal mit präzisen und zeitlich begrenzten Gegenleistungen", sagte ein Beamter der "New York Times". Über andere Themen - etwa die Anerkennung der Regierung in Kabul, das Bekenntnis zur afghanischen Verfassung von 2004 oder eine Distanzierung vom Terrornetzwerk al-Qaida - hätten die Taliban gar nicht erst sprechen wollen.

Die Taliban haben kein Interesse an weiteren Verhandlungen. Sie rüsten schon für die Zeit nach dem US-Abzug. Derzeit sind noch 32.000 Soldaten am Hindukusch stationiert - ab 2017 sollen es weniger als tausend sein. Die Aufständischen sind überzeugt, dass sich die Regierung in Kabul ohne den Schutz der Amerikaner und den ihrer Verbündeten nicht lange halten kann. Dagegen scheinen die Kommandostrukturen der Taliban auch zwölfeinhalb Jahre nach ihrer Vertreibung von der Macht intakt zu sein. Die untergetauchte Führungsebene um Mullah Omar, die Unterhändler in Katar und die Geiselnehmer selbst, die US-Geheimdienste in Pakistan vermuten - sie alle haben die Verhandlungen koordiniert und mitgetragen.

Über die Rolle der pakistanischen Regierung bei dem Gefangenenaustausch schweigen sich US-Beamte und Taliban bislang aus. Wichtige Führungsfiguren der Islamisten werden in Pakistan vermutet - ohne die Billigung des pakistanischen Geheimdienstes ISI wäre das Abkommen wohl nicht zustande gekommen.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Die USA/NATO gehen - Taliban??
seneca55 02.06.2014
Die Amis wissen: es gibt nichts mehr zu gewinnen in AFG! In 2 Jahren geht der Spuk radikal zu Ende. Dann wird es eng für alle NichtTaliban in AFG. Die Army will keine Männer mehr verlieren und nur noch das Gesicht wahren bis der Abzug fertig ist . Wenn die Deutschen weiter Brunnen bohren und Mädchenschulen bauen wollen, warm nicht, aber die Amis sind dann schon weg. Frieden haben sie doch durch den Islam heute schon, oder?
2. Wozu mit den Taliban reden?
ornitologe 02.06.2014
Wenn jede Nation ihre Art von Religion ausüben könnte, ohne gleich als Schurke bezeichnet zu werden, würde auch langsam Frieden auf dieser Erde einziehen. Die USA kann keinen Krieg gegen Religionen bzw. den Islam gewinnen. Es sei denn, sie hat gar kein Interesse an Frieden. Sie macht je nach Bedarf jeden zu ihrem Verbündeten oder Feind. Wie es der Wirtschaft halt gerade passt.
3. Es gibt doch nie Frieden in Afghanistan!!!
vivalaafghanistan 02.06.2014
Würde diese ****** NATO endlich mal mitfühlen, wie wir armen Afghaner so sehr unter der Einführung von den Taliban leiden!!! Ich hätte die Taliban schon freigelassen aber danach dirwkt erschossen!! Wie wir laßen, es gibt keone Chance, die Taliban einfach so für paar Stunden oder Tage, Monate etc. Einsperren lassen!! Sie handeln doch überall!!! Lasst sie umbringen!!! Die Taliban werden im Iran und Pakistan beim Bombenaufbau unterstützt und zeigen, wie man Bomben aufbauz
4. Es gibt doch nie Frieden in Afghanistan!!!
vivalaafghanistan 02.06.2014
Würden diese ****** NATO endlich mal mitfühlen, wie wir armen Afghaner so sehr unter der Einführung von den Taliban leiden!!! Ich hätte die Taliban schon freigelassen aber danach dirwkt erschossen!! Wie wir laßen, es gibt keone Chance, die Taliban einfach so für paar Stunden oder Tage, Monate etc. Einsperren lassen!! Sie handeln doch überall!!! Lasst sie umbringen!!! Die "neuen Selbstmordaffentäter" (Taliban) werden im Iran und Pakistan beim Bombenaufbau unterstützt und zeigen, wie man Bomben aufbaut!!! Und jetzt komms!!! Die Iraner und Pakis bezahlen die "neuen" Talibanen auch sehr hoch!!!
5. Es gibt doch nie Frieden in Afghanistan!!!
vivalaafghanistan 02.06.2014
Würden diese ****** NATO endlich mal mitfühlen, wie wir armen Afghaner so sehr unter der Einführung von den Taliban leiden!!! Ich hätte die Taliban schon freigelassen aber danach dirwkt erschossen!! Wie wir laßen, es gibt keone Chance, die Taliban einfach so für paar Stunden oder Tage, Monate etc. Einsperren lassen!! Sie handeln doch überall!!! Lasst sie umbringen!!! Die "neuen Selbstmordaffentäter" (Taliban) werden im Iran und Pakistan beim Bombenaufbau unterstützt und zeigen, wie man Bomben aufbaut!!! Und jetzt komms!!! Die Iraner und Pakis bezahlen die "neuen" Talibanen auch sehr hoch!!!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Gefangenentausch: Fünf Jahre bei den Taliban


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: