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Bowe Bergdahl: US-Soldat muss wegen Fahnenflucht vor Militärgericht

Soldat Bergdahl (Archivbild): "Gehofft, dass sich der Fall nicht in diese Richtung entwickelt" Zur Großansicht
AFP/US ARMY

Soldat Bergdahl (Archivbild): "Gehofft, dass sich der Fall nicht in diese Richtung entwickelt"

US-Soldat Bowe Bergdahl hatte sich von seinem Stützpunkt in Afghanistan entfernt und wurde fünf Jahre lang von Taliban festgehalten. Nun muss er sich unter anderem wegen Fahnenflucht vor einem Kriegsgericht verantworten. Ihm droht lebenslange Haft.

Der auf umstrittene Weise in die Hände der Taliban geratene US-Soldat Bowe Bergdahl muss sich in den USA einem vollen Militärgerichtsverfahren stellen. Das sagte Bergdahls Anwalt Eugene Fidell am Montag. Seine Hoffnung, für seinen Mandanten ein Verfahren vor einem Gericht für minderschwere Fälle zu erwirken, ist damit fehlgeschlagen. "Ich hatte gehofft, dass sich der Fall nicht in diese Richtung entwickelt", sagte Fidell.

Bergdahl war im März wegen Fahnenflucht und "Fehlverhaltens vor dem Feind" angeklagt worden. Mit letzterem Tatbestand stellt das US-Militär das Wegrennen, das Niederlegen von Waffen und anderes "feiges Verhalten" in Gefechten unter Strafe. Im schlimmsten Fall droht dem 29-Jährigen lebenslange Haft.

Der Soldat hatte sich im Juni 2009 unerlaubt von seiner Einheit in Afghanistan entfernt und war in die Hände des mit den radikalislamischen Taliban verbündeten Hakkani-Netzwerks geraten. Nach fünf Jahren in den Händen der Aufständischen wurde Bergdahl im Mai 2014 gegen fünf Guantanamo-Häftlinge ausgetauscht.

In den USA sorgte der Austausch für Kritik: Die oppositionellen Republikaner warfen US-Präsident Barack Obama vor, mit Terroristen verhandelt und einen gefährlichen Präzedenzfall geschaffen zu haben.

Neue "Serial"-Staffel mit Protagonist Bergdahl

Eine erste Untersuchung kurz nach Bergdahls Verschwinden war bereits zu dem Schluss gekommen, dass der Soldat seinen Posten "gezielt und freiwillig" verlassen habe. Als Fahnenflucht wurde dies damals aber noch nicht eingestuft, weil Bergdahls Motive nicht endgültig zu klären waren. Der Soldat soll sich aber kritisch über den Militäreinsatz in Afghanistan geäußert haben. Frühere Kameraden warfen Bergdahl vor, er habe das Leben von US-Soldaten aufs Spiel gesetzt, die nach seinem Verschwinden eine Suchaktion gestartet hatten.

Nach Bergdahls Befreiung aus den Händen der Aufständischen leitete die US-Militärjustiz Ermittlungen gegen Bergdahl ein. Zuletzt war er auf dem Stützpunkt Fort Sam Houston in San Antonio im Bundesstaat Texas eingesetzt, wo er eine Tätigkeit in der Verwaltung ausübte. Nun entschied die Militärjustiz, dass die Beweise für einen Prozess vor einem Kriegsgericht ausreichen.

Der Fall Bergdahl wird derzeit in der neuen Staffel der Podcast-Serie "Serial" behandelt. In der ersten Folge hatte Bergdahl erklärt, er habe keine Fahnenflucht begangen: Er habe vielmehr zeigen wollen, dass er ein echter Kerl sei und sich auf eigene Faust durchs Feindesland schlagen könne.

aar/dpa/AFP

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