Gefangener US-Soldat Taliban-Video zeigt Übergabe von Bergdahl

Der Gefangene wirkt nervös, sein Kopf ist kahl geschoren: Erstmals ist in einem Video zu sehen, wie die Taliban den US-Soldaten Bowe Bergdahl freilassen - mit einer klaren Botschaft an die amerikanischen Truppen.

REUTERS/ al-Emara

Washington/Kabul - Ein angespannt wirkender Bergdahl wartet auf seine Freilassung. Sein Kopf ist kahl geschoren. Er trägt eine weiße Shalwar Kameez, ein traditionelles knielanges Hemd und Baumwollhose. Um ihn herum stehen bewaffnete Taliban-Kämpfer.

Diese Szene ereignete sich am vergangenen Samstag, als die Taliban Bergdahl in der ostafghanischen Provinz Chost an ein US-Spezialkommando übergeben haben - nach fünf Jahren Gefangenschaft. Ein Video zeigt, wie der Austausch ablief, aufgenommen aus Sicht der Extremisten.

Mehrere Kämpfer warten zunächst um einen Pick-up, in dem der Gefangene sitzt. Einige halten Granatwerfer und Kalaschnikows in den Händen. Neben dem Wagen steht ein Aufständischer mit einer weißen Flagge, ein anderer spricht in ein Funkgerät. Weitere Kämpfer sind auf Hügeln postiert.

Dann nähern sich zwei amerikanische Hubschrauber. Aus einer "Black Hawk"-Maschine steigen mehrere Männer aus, sie tragen keine Kampfmontur. Die Übergabe dauert nur wenige Sekunden. Drei Amerikaner in Zivil schütteln Hände mit den Taliban, einer legt kurz den Arm um Bergdahl und bringt ihn dann zum Hubschrauber. Deutlich zu sehen ist, wie die Amerikaner Bergdahl vorm Einsteigen auf Waffen und Sprengstoff durchsuchen. Nachdem der Helikopter abgehoben ist, wird auf dem Video eingeblendet: "Kehre nicht zurück nach Afghanistan."

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Bowe Bergdahl: Umstrittener Austausch
US-Verteidigungsminister Chuck Hagel sprach später über das Risiko des Austauschs: "In einer Operation wie dieser, in der immer Gefahr droht, bereitet man sich auf alle Eventualitäten vor." Spähtrupps hätten jeden Winkel des Übergabeorts ausgekundschaftet, zahlreiche Soldaten und Helikopter zum Eingriff bereitgestanden. Auf dem Video sind sie allerdings nicht zu sehen.

Heftige Diskussion um Bergdahl

Bergdahl war offiziell der letzte Kriegsgefangene in Afghanistan. Im Gegenzug für seine Freilassung wurden fünf Taliban-Funktionäre freigelassen, was eine Kontroverse in den USA ausgelöst hat. Kritiker beklagen unter anderem, dass der Kongress erst nach dem erfolgten Austausch informiert worden sei.

Bergdahl wird zurzeit im rheinland-pfälzischen Landstuhl Regional Medical Centre medizinisch und psychologisch untersucht. Der Unteroffizier war seit 2009 in der Hand der Islamisten. Unklar sind weiter die Umstände seiner Gefangennahme.

Einige seiner früheren Kameraden werfen ihm vor, seinen Posten unerlaubt verlassen zu haben und desertiert zu sein. Die US-Armee sei daher ein unnötiges Risiko eingegangen, als sie in den vergangenen Jahren Suchtrupps nach ihm losgeschickt und damit die Leben anderer Soldaten gefährdet habe, sagen Kritiker. Auf einer Karte illustriert die "New York Times", wo die US-Armee Bergdahl in den ersten acht Tagen nach seinem Verschwinden vermutet und gesucht hat.

Die US-Armee steht nun unter Druck. Es könnte Ermittlungen gegen Bergdahl wegen seines Verschwindens geben, heißt es aus dem Verteidigungsministerium. "Unsere Armeeführung schaut bei Fehlverhalten nicht weg, falls es welches gab", schreibt der Generalstabschef der US-Streitkräfte, Martin Dempsey, auf seiner Facebook-Seite. Vorerst gelte Bergdahl als unschuldig, bis seine Schuld bewiesen werde.

US-Präsident Barack Obama verteidigte das Vorgehen seiner Regierung. Man sei besorgt gewesen um die Gesundheit Bergdahls und habe eine günstige Gelegenheit genutzt. Obama sagte: "Wir holen einen amerikanischen Soldaten zurück, wenn er gefangen gehalten wird. Punkt."

kgp/mgb



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 25 Beiträge
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flaviussilva 04.06.2014
1. Mhhhh,
Zitat von sysopREUTERS/ al-EmaraDer Gefangene wirkt nervös, sein Kopf ist kahlgeschoren: Erstmals ist in einem Video zu sehen, wie die Taliban den US-Soldaten Bowe Bergdahl freilassen - mit einer klaren Botschaft an die amerikanischen Truppen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/bowe-bergdahl-video-von-austausch-des-us-soldaten-mit-taliban-a-973303.html
...die Übergabe lief ja ab als hätte Hollywood sie inszeniert. Komisch nur das die Taliban bedeutend entspannter wirkten als die Amerikaner und das obwohl ein Apache Kampfhubschrauber alles abgesichert hat.
remmbremmerdeng 04.06.2014
2. Warum wird Bergdahl eigentlich erst in unmittelbarer Nähe des Hubschraubers untersucht?
Wenn sie ihm als kleines neckisches Andenken einen Sprengstoffgürtel mit Fernzündung umgehängt hätten, wäre das genauso fatal gewesen, wie wenn er an Bord gezündet worden wäre. Mit einer Schußwaffe wäre ein ähnliches fatales Szenario denkbar gewesen; die im Hubschrauber befindlichen Personen wurden unnötig gefährdet. Eine Untersuchung noch zu diesem späten Zeitpunkt war somit sinnlos. Für meine Begriffe haben die Sicherheitskräfte vor lauter Aufregung einen Fehler begangen, der tödlich hätte enden können.
night.hawk 04.06.2014
3.
Zitat von remmbremmerdengWenn sie ihm als kleines neckisches Andenken einen Sprengstoffgürtel mit Fernzündung umgehängt hätten, wäre das genauso fatal gewesen, wie wenn er an Bord gezündet worden wäre. Mit einer Schußwaffe wäre ein ähnliches fatales Szenario denkbar gewesen; die im Hubschrauber befindlichen Personen wurden unnötig gefährdet. Eine Untersuchung noch zu diesem späten Zeitpunkt war somit sinnlos. Für meine Begriffe haben die Sicherheitskräfte vor lauter Aufregung einen Fehler begangen, der tödlich hätte enden können.
Ich finde auch, dass ein SpOn-Forist die Lage von seinem Sofa aus wesentlich besser beurteilen kann, als eine US-Spezialeinheit, die genau für solche Fälle trainiert ist!
testi 04.06.2014
4. Cool,
die weiße Flagge. Ich hätte nicht gedacht, dass es sowas noch gibt.
flaviussilva 04.06.2014
5. Es gab....
Zitat von testidie weiße Flagge. Ich hätte nicht gedacht, dass es sowas noch gibt.
....vorher Funkkontakt zwischen den Amerikaner und den Taliban, da wurden wohl die Formalitäten der Übergabe ausgehandelt.
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