Boykottierte Wahl: Nepal hat einen neuen Regierungschef

Er war der einzige Kandidat: Das nepalesische Parlament hat den kommunistischen Politiker Madhav Kumar zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Maoisten boykottierten die Wahl und drohen damit, ihren Protest so lange aufrechtzuerhalten, bis der neue Regierungschef den Armeechef entlässt.

Kathmandu - Knapp drei Wochen nach dem Zusammenbruch der Regierung in Nepal hat das Parlament am Samstag den kommunistischen Politiker Madhav Kumar Nepal zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Der 56-Jährige gehört der Kommunistischen Partei (Vereinigte Marxisten-Leninisten) an.

Nepal, der sich auf 22 Parteien im Parlament stützen kann, erhielt die Stimmen von 350 der insgesamt 601 Abgeordneten, wie Parlamentspräsident Subash Nemwang mitteilte. Die Maoisten des bisherigen Ministerpräsidenten Pushpa Kamal Dahal, die die größte Fraktion bilden, boykottierten die Abstimmung. Sie verließen vor der Wahl das Parlament und drohten an, ihren Protest gegen die neue Regierung solange aufrechtzuerhalten, bis der Präsident den Armeechef entlässt.

Madhav Kumar: Zum neuen Regierungschef Nepals gewählt
AP

Madhav Kumar: Zum neuen Regierungschef Nepals gewählt

Der ehemalige Rebellenführer Dahal war am 4. Mai nach einem Streit mit Präsident Ram Baran Yadav zurückgetreten. Die Maoisten trugen in dem Himalaya-Königreich rund zehn Jahre lang einen blutigen Kampf gegen Regierung und Monarchie aus. Erst 2006 wandelten sich die Rebellen zu einer politischen Partei.

Im vergangenen Jahr konnten sie nach einem Friedensprozess unter Vermittlung der Vereinten Nationen die Parlamentswahlen für sich entscheiden. Nepal gab sich eine Verfassung und schaffte die jahrhundertealte Monarchie ab. Nach dem Rücktritt Dahals hatten die Abgeordneten der Maoisten bis vor wenigen Tagen das Parlament blockiert, um die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten zu verhindern.

Bei einem Bombenanschlag auf eine christliche Kirche in der Hauptstadt Kathmandu wurden am Samstag zwei Menschen getötet und 15 weitere verletzt. Bei den Toten handelt es sich nach Angaben eines Polizeisprechers um ein 14-jähriges Mädchen und eine 30-jährige Frau. Es war der erste Anschlag auf eine christliche Kirche in Nepal.

Die meisten Nepalesen sind Hindus oder Buddhisten. Religiös motivierte Gewalt ist in dem Himalaya-Staat selten. Nach Regierungsangaben bekannte sich eine hinduistische Extremistengruppe, die im Untergrund operiert, zu der Tat. Die Organisation Nationale Verteidigungsarmee habe eine Notiz am Tatort hinterlassen, teilte das Innenministerium mit.

jjc/AFP/AP

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