Geiselnahme: Algeriens Militär nimmt Gasfeld unter Beschuss - viele Tote

BP-Anlage in Algerien: Blutbad bei der Befreiungsaktion Zur Großansicht
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BP-Anlage in Algerien: Blutbad bei der Befreiungsaktion

Bei der Befreiungsaktion zur Rettung der gekidnappten Ausländer in Algerien ist es offenbar zu einem Blutbad gekommen. Dutzende Geiseln seien bei dem Luftangriff auf das BP-Gasfeld ums Leben gekommen, melden mehrere Nachrichtenagenturen. Auch Terroristen sollen getötet worden sein.

Algier/Paris - Was genau auf dem BP-Gasfeld im Süden Algeriens passierte, ist noch unklar. Doch nach mehreren Medienberichten sind bei dem Hubschrauber-Angriff des algerischen Militärs am Donnerstag zwar viele der ausländischen Geiseln befreit worden, die Rettungsktion soll aber auch zum Tod von Dutzenden der Gekidnappten geführt haben. 34 Geiseln seien durch den Luftangriff der Armee ums Leben gekommen, meldete der französische Rundfunk. Auch mehrere Terroristen seien getötet worden sein.

Ein Anwohner vor Ort sagte der Agentur Reuters, er habe viele Tote am Schauplatz der Entführung gesehen. Außerdem seien Fahrzeuge der algerischen Armee zerstört worden.

Die mauretanische Nachrichtenagentur Ani meldete, 35 Geiseln und 15 der bewaffneten Islamisten seien bei der Befreiungsaktion getötet worden. Sie beruft sich auf einen Sprecher der Islamisten. Einer ihrer Sprecher sagte der Agentur, sie würden die restlichen Geiseln töten. Nach Angaben des Islamisten ist unter den Toten auch der Anführer der Geiselnehmer, dessen Namen er mit Abu Bara angab.

Der US-Sender Fox News meldet unter Berufung auf US-Sicherheitskreise, dass mehreren Amerikanern die Flucht gelungen sei. Sie sollen sich inzwischen bei ihren Familien in der Heimat gemeldet haben. Die algerische Nachrichtenagentur APS berichtet unter Berufung auf Armeekreise, das Militär habe bei seinem Einsatz vier westliche Geiseln befreit.

Ein Geiselnehmer, dessen Gruppe sich "Die mit dem Blut unterschreiben" nennt, teilte der Nachrichtenagentur Ani mit, dass sieben Geiseln den Angriff überlebt hätten - drei Belgier, zwei US-Bürger sowie jeweils ein Brite und ein Japaner. Auch der entführte Ire sei in Sicherheit, teilte das irische Außenministerium mit.

Der Nachrichtensender al-Dschasira berichtet unter Berufung auf Augenzeugen, die algerische Armee habe mit Hubschraubern einen Konvoi angegriffen, in dem die Kidnapper mit ihren Geiseln flüchten wollten. Die Fahrzeuge der Entführer sollen bei dem Luftschlag zerstört worden sein. Die algerische Regierung gab zunächst keine Stellungnahme ab.

Malis Islamisten bestreiten Verbindung zu algerischen Terroristen

Zuvor hatte es positive Nachrichten zu der Rettungsaktion gegeben. Mindestens 20 der ausländischen Geiseln sei die Flucht gelungen, hieß es aus algerischen Sicherheitskreisen. Unter den Entkommenen seien US-Bürger und Europäer, sagte ein Vertreter der algerischen Sicherheitskräfte. Am Morgen waren bereits 30 Algerier ihren bewaffneten Entführern entkommen.

Islamisten hatten am Mittwochabend nach eigenen Angaben 41 Ausländer auf einem Erdgasfeld in der Sahara in ihre Gewalt gebracht. Mindestens zwei Menschen wurden getötet. Unter den Geiseln waren unter anderem US-Amerikaner, Norweger, Briten, Iren, Japaner sowie ein Österreicher.

Die nordmalische Islamistengruppe Ansar Dine bestritt jede Verbindung zu dem Kommando. "Wir haben keinen Grund, dort zu sein", sagte ein Sprecher der Tuareg-Gruppe der Nachrichtenagentur dpa. Hinter der Aktion stünden aber Menschen, die den Islam verteidigten. "Muslime werden dem Angriff Frankreichs und seiner Verbündeten nicht tatenlos zusehen", sagte der Sprecher weiter. Ansar Dine ist eine der islamistischen Gruppen, die den Norden Malis kontrollieren.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte die Geiselnahme. Sie zeige "die gesamte Brutalität und Skrupellosigkeit des Terrorismus", sagte er nach einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel. "Wir sind tief betroffen, über das was wir aus Algerien hören." Westerwelle sprach Opfern und Angehörigen sein Mitgefühl aus. "Wir freuen uns mit denen, die dieser Geiselnahme hoffentlich entkommen konnten."

Algerien ist flächenmäßig das größte Land auf dem afrikanischen Kontinent und gilt als Verbündeter der USA und Frankreichs im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Die Beziehungen zwischen Algier und Paris sind allerdings latent belastet durch die Kolonialzeit und den blutigen Unabhängigkeitskrieg vor 50 Jahren.

als/syd/dpa/dapd

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insgesamt 155 Beiträge
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1. Genau richtig!
kornfehlt 17.01.2013
Geiselnahme lohnt sich nicht! Niemals!
2. Alle tot?!
kanadasirup 17.01.2013
Eh? Von Geiselbefreiung kann man bei Helikopterbeschuss wohl kaum reden. Sehr eigenartige Vorgehensweise...
3.
Steuerzahler0815 17.01.2013
Es ist zwar schade um die BP-Mitarbeiter die da sterben und das BP-Gasfeld wo sie durch die Zerstörung die Überlebenden die Arbeitsplätze verlieren werden aber das ist genau die richtige Reaktion da es nur zu einem Erfolg kommen kann wenn der Feind merkt er hat nur Verluste.
4. Tut mir leid, aber...
konservativ24 17.01.2013
..wie kann man im südlichen Algerien arbeiten.
5. Spezialisten
Peter-Lublewski 17.01.2013
Zitat von kanadasirupEh? Von Geiselbefreiung kann man bei Helikopterbeschuss wohl kaum reden. Sehr eigenartige Vorgehensweise...
Ich dachte auch immer, dass man einer Geiselbefreiungsaktion Spezialisten einsetzt.
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Fläche: 2.381.741 km²

Bevölkerung: 35,468 Mio.

Hauptstadt: Algier

Staatsoberhaupt:
Abdelaziz Bouteflika

Regierungschef: Abdelmalek Sellal

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