WikiLeaks-Informant Manning droht lebenslange Haft

Rückschlag für Bradley Manning: Das US-Militärgericht, vor dem sich der WikiLeaks-Informant verantworten muss, hält an der Anklage wegen "Unterstützung des Feindes" fest. Die Verteidigung hatte gefordert, die Vorwürfe zurückzunehmen.

Angeklagter Manning: Rückschlag vor dem Militärtribunal
AP/dpa

Angeklagter Manning: Rückschlag vor dem Militärtribunal


Washington - Militärrichterin Denise Lind zeigt sich unnachgiebig. Die vorsitzende Juristin im Militärtribunal gegen Bradley Manning hat den Antrag der Verteidigung abgewiesen, mehrere Anklagepunkte fallenzulassen.

Die Anwälte des WikiLeaks-Informanten hatten gefordert, die Vorwürfe wegen "Unterstützung des Feindes" und Computerbetrugs zurückzunehmen. Die Richterin in dem seit Anfang Juni laufenden Verfahren war jedoch der Ansicht, dass die Regierung Beweise vorgelegt habe, die eine Anklage in diesen Punkten stützten.

"Unterstützung des Feindes" - das ist der schwerste Vorwurf der Anklage gegen Manning. Allein deshalb droht dem heute 25-Jährigen lebenslange Militärhaft, ohne Chance auf vorzeitige Entlassung. Die ebenfalls mögliche Todesstrafe fordern seine Ankläger nicht. "Systematisch" habe Manning Hunderttausende geheime Dokumente "abgegriffen, im Internet abgeladen und in die Hände des Feindes gespielt" - das ist die Sicht der vier Staatsanwälte im Prozess.

Kein Deal mit der Staatsanwaltschaft

Entscheidend für das Urteil wird letztlich sein, was genau Richterin Lind unter "Unterstützung des Feindes" versteht: Reicht es aus, wenn Manning bewusst war, dass das im Internet veröffentlichte Material natürlich auch in die Hände der Terrororganisation al-Qaida gelangen könnte? Hat er das in Kauf genommen? Oder muss er für einen Schuldspruch die konkrete Absicht gehabt haben, dem Feind zu helfen?

Manning selbst hatte sich im Februar teilweise schuldig bekannt und die Weitergabe von gut 700.000 Dokumenten an WikiLeaks eingestanden. Er habe eine Debatte über "Außenpolitik und den Krieg allgemein" auslösen wollen, sagte Manning damals. Damit nahm er 20 Jahre Haft in Kauf, es kam aber nicht zum Deal mit der Staatsanwaltschaft. Nun droht ihm lebenslange Haft.

syd/sef/AP

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insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
breakthedawn 18.07.2013
1. Helden werden eingesperrt
Die USA ist ein Hort der Bösen
and_one 18.07.2013
2. Sogenannte Rechtsstaatlichkeit mit willigen Mini-Freislers
Roland Freisler wäre die Verhandlung gegen Manning vielleicht noch zu liberal, aber er würde die Entwicklung in den USA mit wachsender Begeisterung beobachten.
megagorn 18.07.2013
3.
Die schmutzigen Geheimnisse eines Landes zu verraten ist weit weniger schlimm als einen Pfandbon zu unterschlagen.
ky3 18.07.2013
4.
.. und mit denen ist Deutschland verbündet. Schande!
mclukas 18.07.2013
5. Interessant, die Sicht der US-Ankläger
Manning hat die Dokumente veröffentlicht. Oder anders formuliert, die Öffentlichkeit ist der Feind für das US-Militär. Rechtsstaat kann man das sicher nicht mehr nennen.
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