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Bradley Manning: Mutmaßlichem WikiLeaks-Informanten droht Todesstrafe

Die US-Behörden haben 22 neue Anklagepunkte gegen den US-Soldaten Bradley Manning veröffentlicht. Sie werfen ihm jetzt auch "Unterstützung des Feindes" vor. Wegen Weitergabe geheimer Dokumente an die Enthüllungsplattform WikiLeaks könnte der Gefreite zum Tode verurteilt werden.

US-Obergefreiter Manning: Zugang zu vertraulichen Dokumenten Zur Großansicht
AP

US-Obergefreiter Manning: Zugang zu vertraulichen Dokumenten

Washington - Er steht im Verdacht, mehr als 250.000 geheime Depeschen des diplomatischen Dienstes der USA an WikiLeaks weitergegeben zu haben: Nun ist Bradley Manning in 22 weiteren Punkten angeklagt worden, teilte das US-Verteidigungsministerium mit. Am schwersten davon wiegt der Vorwurf der "Kollaboration mit dem Feind", berichteten mehrere US-Medien unter Berufung auf Militärquellen. Im Falle einer Verurteilung droht ihm dabei die Todesstrafe.

Der Soldat wird beschuldigt, Geheimdienstinformationen auf indirektem Wege bewusst "an den Feind" weitergeleitet zu haben, hieß es in den Unterlagen zur Anklage. "Die neuen Vorwürfe spiegeln besser die umfangreiche Bandbreite von Verbrechen wider", die Manning zur Last gelegt würden, sagte Armeesprecher John Haberland.

Ein Anwalt des Soldaten erklärte, die Verteidigung habe eigentlich damit gerechnet, dass noch mehr Anklagepunkte gegen Manning erhoben würden. Er wies aber zugleich darauf hin, dass nach dem Militärrecht nun ein ermittelnder Offizier entscheiden müsse, ob und welche der zusätzlichen Anklagepunkte vor einem Militärgericht überhaupt verhandelt werden sollen. Die Militärstaatsanwaltschaft hatte in der Vergangenheit signalisiert, dass sie die Höchststrafe nicht fordern wolle, schreiben mehrere US-Medien.

Zurechnungsfähigkeit geprüft

Der 23-Jährige Manning sitzt im Militärgefängnis in Quantico (US-Staat Virginia) ein und wartet dort auf seinen Prozess. Ein Termin für den Prozessbeginn steht noch nicht fest. Nach Armee-Angaben muss zuvor das Ergebnis einer von der Verteidigung erwirkten Untersuchung zur Zurechnungsfähigkeit des Soldaten vorliegen.

Das Verteidigungsministerium der USA hält Manning für einen Verräter. Der Geheimdienstanalyst hatte während seiner Dienstzeit im Irak Zugang zu Hunderttausenden vertraulichen Dokumenten. Offiziell erhoben die Militärs bislang lediglich Anklage wegen eines Videos, mit dem WikiLeaks weltweit Aufsehen erregt hatte, weil es einen brutalen tödlichen Hubschrauberangriff auf Zivilisten zeigte.

Damals wurde Anklage in zwei Punkten erhoben. Manning wurde darin ein Verstoß gegen die Regeln der Streitkräfte vorgeworfen, weil er vertrauliche Dokumente auf seinen Computer geladen haben soll. Im zweiten Anklagepunkt waren eine Reihe strafrechtlicher Vergehen zusammengefasst, unter anderem der Verrat militärischer Geheimnisse.

"Rachsüchtige Attacke"

Den neuen Vorwürfen gingen dem Pentagon zufolge siebenmonatige Ermittlungen voraus. Demnach enthielten einige der von WikiLeaks veröffentlichten Dokumente Namen von Informanten, die mit dem US-Militär zusammenarbeiteten und deren Leben nun in Gefahr sei. Einige der Mitarbeiter seien auf Militärbasen gebracht worden, um sie zu schützen. "Aber wir haben nicht alle gefunden", zitierte NBC einen Angehörigen der Streitkräfte.

WikiLeaks wies die Anschuldigungen an Donnerstag zurück. Der Vorwurf der "Kollaboration mit dem Feind" sei eine "rachsüchtige Attacke auf Manning, weil er sein Recht ausübt, zu schweigen", hieß es auf der Twitter-Seite der Enthüllungsplattform. "Es gibt dafür keine Beweise."

Die Enthüllung der geheimen Dokumente hatte die USA Ende 2010 in eine diplomatische Krise gestürzt. Wegen der Enthüllungen prüfen die USA derzeit auch eine mögliche Anklage gegen WikiLeaks-Gründer Julian Assange. Allerdings gibt WikiLeaks seine Quellen nicht preis. Berichten zufolge haben die US-Behörden zudem Probleme, eine Verbindung zwischen Manning und Assange gerichtsfest nachzuweisen.

amz/dpa/AP

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insgesamt 284 Beiträge
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1. ...
Rainer Unsinn 03.03.2011
Zitat von sysopDie US-Behörden haben 22 neue Anklagepunkte gegen den*US-Soldaten Bradley Manning veröffentlicht: Sie werfen ihm jetzt auch "Unterstützung des Feindes" vor. Wegen Weitergabe geheimer Dokumente an die Enthüllungsplattform Wikileaks könnte der Gefreite zum Tode verurteilt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,748744,00.html
Soso man kann also in der amerikanischen Demokratie zum Tode verurteilt werden weil man anderen die Wahrheit zugänglich macht und hilft Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie z.b. auf besagtem Video zu sehen, anprangert. Wer sind nochmal die Guten und wer die Bösen? Hab da grad meine Probleme das richtig auseinanderzuhalten.
2. typisch USA
Nighthawk1963 03.03.2011
Zitat von sysopDie US-Behörden haben 22 neue Anklagepunkte gegen den*US-Soldaten Bradley Manning veröffentlicht: Sie werfen ihm jetzt auch "Unterstützung des Feindes" vor. Wegen Weitergabe geheimer Dokumente an die Enthüllungsplattform Wikileaks könnte der Gefreite zum Tode verurteilt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,748744,00.html
Es ist so typisch für dieses Land, das sich so gerne als "Weltmacht No. 1" sehen möchte! Wenn es darum geht, den Dreck vor der eigenen Haustüre zu verbergen, anstatt zu kehren, fügen sie sich brav in die Reihe genau derer ein, die sie ja so gerne verachten! Aber ein Land, das die Todesstrafe als Mittel zur Rechtsprechung nutzt, überrascht mich auch dieses nicht. Roland Hübsch (Nighthawk 1963)
3. Unglaublich
decaytoday 03.03.2011
Zitat von sysopDie US-Behörden haben 22 neue Anklagepunkte gegen den*US-Soldaten Bradley Manning veröffentlicht: Sie werfen ihm jetzt auch "Unterstützung des Feindes" vor. Wegen Weitergabe geheimer Dokumente an die Enthüllungsplattform Wikileaks könnte der Gefreite zum Tode verurteilt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,748744,00.html
Der Mann soll hingerichtet werden, aber jemand wie Kissinger bekommt den Friedens-Nobel-Preis, in was für einer kranken Welt leben wir?
4. Dass der Beweis
carranza 03.03.2011
Zitat von sysopDie US-Behörden haben 22 neue Anklagepunkte gegen den*US-Soldaten Bradley Manning veröffentlicht: Sie werfen ihm jetzt auch "Unterstützung des Feindes" vor. Wegen Weitergabe geheimer Dokumente an die Enthüllungsplattform Wikileaks könnte der Gefreite zum Tode verurteilt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,748744,00.html
In Ländern, wo die Todesstrafe existiert, kann sie mir nichts dir nichts mal eben auf nahezu beliebige Straftatbestände ausgeweitet werden.
5. Durchsichtiges Manöver
horst hanson 03.03.2011
So soll Wikileaks zum Schweigen gebracht werden und SPON entpuppt sich als williger Helfer.
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Firmen contra WikiLeaks
Visa
Der Kreditkartenkonzern Visa stellte inzwischen alle Zahlungen an WikiLeaks ein. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben zunächst prüfen, "ob die Tätigkeit von WikiLeaks den Geschäftsbedingungen von Visa zuwiderläuft". Visa habe die Entscheidung ohne "jeglichen Druck einer Regierung" getroffen.
Mastercard
Mastercard hat ebenfalls alle Kreditkartenzahlungen an WikiLeaks eingestellt. Das Unternehmen berief sich auf einen Passus seiner Geschäftsbedingungen, wonach alle Kunden gesperrt würden, die "illegale Handlungen direkt oder indirekt unterstützen oder erleichtern".
PostFinance
Die Schweizer PostFinance sperrte das Konto von WikiLeaks-Gründer Julian Assange. Dieser habe "falsche Angaben zu seinem Wohnort gemacht", begründete der Finanzdienstleister den Schritt. Assange hatte als Wohnort Genf angegeben. Das Konto nutzte er, um Spenden von Unterstützern zu sammeln.
PayPal
Auch das Internet-Bezahlsystem PayPal, ein wichtiges Spendeninstrument, sperrte das Konto von WikiLeaks. Die Ebay-Tochter PayPal warf WikiLeaks eine Verletzung der Nutzungsbedingungen vor, welche "die Anregung, Förderung oder Erleichterung illegaler Vorgänge" verbieten.
Amazon
Der US-Internetriese Amazon verbannte WikiLeaks von seinen Servern. Amazon warf WikiLeaks eine Verletzung der Bestimmung vor, wonach alle Kunden-Web-Seiten im Besitz der Nutzungsrechte jener Inhalte sein müssen, die auf der Seite veröffentlicht werden. Das sei bei den US-Geheimunterlagen nicht der Fall.
everydns.net
Auch der US-Internet-Adressanbieter everydns.net stellte seine Dienste für WikiLeaks ein. Damit waren die Inhalte nicht mehr unter WikiLeaks.org abrufbar. Der Dienstleister begründete dies mit massiven Hackerangriffen, welche andere Kunden von everydns.net beeinträchtigten.
Tableau Software
Das US-Unternehmen Tableau Software, ein Experte für Datenvisualisierung, kündigte ebenfalls die Zusammenarbeit mit WikiLeaks auf. Mit den Diensten der Firma hatte WikiLeaks die Fülle seiner Dokumente grafisch aufbereitet. Tableau Software machte eine Verletzung der Geschäftsbedingungen geltend.

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