Diplomatischer Eklat: Brasiliens Außenminister stürzt über Fluchthilfe-Affäre

Antonio Patriota: Neues Amt als Uno-Botschafter seines Landes in New York Zur Großansicht
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Antonio Patriota: Neues Amt als Uno-Botschafter seines Landes in New York

Der Vorgang löste eine diplomatische Krise aus: Ein brasilianischer Diplomat verhalf einem bolivianischen Oppositionspolitiker zur Flucht. Jetzt hat Brasiliens Außenminister Patriota die Konsequenzen aus der Affäre gezogen.

Brasília/La Paz - Der brasilianische Außenminister Antonio Patriota hat seinen Rücktritt eingereicht. Er musste seinen Posten räumen, weil sich die Beziehungen zum Nachbarland Bolivien zuletzt rapide verschlechtert haben. Präsidentin Dilma Rousseff habe das Rücktrittsgesuch Patriotas angenommen, teilte die Regierung in Brasília am Montag mit.

Auslöser für die Spannungen ist das Vorgehen des brasilianischen Diplomaten Eduardo Saboia. Dieser hatte dem bolivianischen Oppositionspolitiker Roger Pinto zur Flucht verholfen. Der Diplomat gab später im brasilianischen Fernsehsender Globo an, er habe sich auf eigene Faust entschlossen, "einen politisch Verfolgten zu schützen".

Pinto hatte die brasilianische Botschaft in La Paz am Freitag in einem von brasilianischen Marinesoldaten eskortierten Botschaftsfahrzeug verlassen. Einen Tag später traf er in der 1600 Kilometer entfernten Grenzstadt Corumba im Südwesten Brasiliens ein. Von dort aus flog er am Sonntag nach Brasília weiter.

Gegner von Präsident Morales

Der Oppositionelle hatte sich zuvor 15 Monate in dem brasilianischen Botschaftsgebäude in La Paz aufgehalten. Er hatte Ende Mai 2012 in der Vertretung Zuflucht gesucht. Der Politiker des rechten Oppositionsblocks Convergencia Nacional begründete dies mit politischer Verfolgung durch die bolivianische Regierung - er gilt als Gegner von Präsident Evo Morales.

Der Oppositionelle stellte zudem einen Antrag auf Asyl in Brasilien, diesem gab das Land vor einem Jahr statt, dennoch durfte der Senator die Botschaft nicht verlassen. Die Beziehungen beider Länder verschlechterten sich. Seitdem nun die Fluchthilfe bekannt ist, hat sich der Streit verschärft.

Vorwurf, internationale Normen gebrochen zu haben

Bolivien äußerte sich in einer diplomatischen Note "tiefe Besorgnis" über die Beihilfe zur Flucht des Senators. Ohne freies Geleit hätte Pinto Bolivien nicht verlassen dürfen, sagte der bolivianische Außenminister David Choquehuanca. Er warf Brasilien vor, internationale diplomatische Normen gebrochen zu haben.

Die Regierung in La Paz verwies darauf, dass gegen Senator Pinto mehrere Anklagen wegen Korruption vorlägen. Die bolivianische Justiz hatte den Oppositionellen bereits wegen Unterschlagung während seiner Zeit als Gouverneur der nördlichen Provinz Pando zu einem Jahr Haft verurteilt.

Neuer Außenminister Brasilien wird der bisherige Uno-Botschafter Luis Alberto Figueiredo. Er tauscht sein Amt mit dem zurückgetretenen Patriota, der nun nach New York geht.

heb/dpa/AFP

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Eklat?
Peterldw 27.08.2013
Zitat von sysopDer Vorgang löste eine diplomatische Krise aus: Ein brasilianischer Diplomat verhalf einem bolivianischen Oppositionspolitiker zur Flucht. Jetzt hat Brasiliens Außenminister Patriota die Konsequenzen aus der Affäre gezogen. Brasilien: Außenminister Patriota stürzt über Flucht-Affäre - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/brasilien-aussenminister-patriota-stuerzt-ueber-flucht-affaere-a-918750.html)
Ich weiß jetzt nicht was daran verwerflich sein soll jemandem einer diktatorisch gesteuerten Justiz zu entziehen. Brasilien sollte sich mal so langsam zur demokratischen Welt bekennen. Diese Pleitestaaten mit denen es sich zur Zeit abgibt sind nur hinderlich.
2. Eine brasilianische menschliche Tragikomödie ...
carahyba 27.08.2013
Zitat von sysopDer Vorgang löste eine diplomatische Krise aus: Ein brasilianischer Diplomat verhalf einem bolivianischen Oppositionspolitiker zur Flucht. Jetzt hat Brasiliens Außenminister Patriota die Konsequenzen aus der Affäre gezogen. Brasilien: Außenminister Patriota stürzt über Flucht-Affäre - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/brasilien-aussenminister-patriota-stuerzt-ueber-flucht-affaere-a-918750.html)
Deshalb mag ich die Brasilianer, lösen die Probleme auf menschliche Art und Weise, nicht auf der Grundlage von Formalien. Der Diplomat Eduardo Saboia hat, nachdem die Situation unhaltbar wurde, eine Entscheidung getroffen, die einem deutschen Beamten nie in den Sinn kommen würde. Nachdem er "die Stimme Gottes" gehört hatte, organisierte er die Aktion und brachte den Selbstmord gefährdeten Molina ausser Landes nach Brasilien. Interessant ist, dass es lange Verhandlungen gegeben hat, den Fall zu lösen. Saboia meint, dass diese Aktion auch im Sinne der bolivianischen Regierung war, die aber offiziell einer Ausreise aus politischen Gründen nicht zustimmen konnte. Wie üblich in Brasilien bzw. Lateinamerika wird die Zeit den Fall regeln. Molina ist ein Rechts-Aussen dem Korruption in grossem Maßstab nachgewiesen wurde, steht aber auch unter Verdacht für Auftragsmorde verantwortlich zu sein, was aber nicht nachzuweisen ist.
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