Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Brasilien: Rousseff gewinnt Wahl zur Präsidentin knapp

Brasiliens Präsidentin Rousseff im Wahllokal: Eines der knappsten Ergebnisse in der Wahlgeschichte Zur Großansicht
REUTERS

Brasiliens Präsidentin Rousseff im Wahllokal: Eines der knappsten Ergebnisse in der Wahlgeschichte

Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Amtsinhaberin Dilma Rousseff hat die Präsidentschaftswahl in Brasilien knapp gewonnen. Sie wolle nun eine "viel bessere" Staatschefin sein als bisher, kündigte sie an.

Brasília - Brasiliens Staatschefin Dilma Rousseff hat bei der Stichwahl um das Präsidentenamt ihren Herausforderer knapp geschlagen und ist für weitere vier Jahre im Amt bestätigt worden. Die linke Politikerin erreichte am Sonntag nach Auszählung von mehr als 98 Prozent der Stimmen 51,45 Prozent. Sie lag damit uneinholbar vor ihrem Gegenkandidaten Aécio Neves aus dem Mitte-Rechts-Lager, der auf 48,55 Prozent kam.

Das Ergebnis ist eines der knappsten in der Wahlgeschichte Brasiliens. Vor allem die Wähler aus der Arbeiterschicht und den armen Landesteilen im Nordosten unterstützten die Linkspolitikerin Rousseff: Die von der PT massiv ausgeweitete Familiensozialhilfe (Bolsa Família) erreicht in Brasilien inzwischen bis zu 50 Millionen Menschen. Die Regierung schuf zudem Milliardenprogramme für den sozialen Wohnungsbau.

Neves galt als Favorit der Wirtschaft und hatte einen unternehmerfreundlichen Kurs versprochen. Es war seit 2002 das vierte Mal in Folge, dass ein Kandidat der sozialdemokratischen Partei PSDB die Präsidentschaftswahl verliert.

"Ich habe einen guten Kampf gekämpft, meine Mission erfüllt und werde meinen Glauben behalten", sagte Neves. Er habe Dilma Rousseff telefonisch beglückwünscht und viel Erfolg für die nächsten Jahre gewünscht.

Harte Vorwürfe im Wahlkampf

Bei der ersten Runde hatte die seit 2010 amtierende Präsidentin 41,6 Prozent der Stimmen erhalten, Neves erreichte eine überraschend hohe Zustimmung von 33,6 Prozent.

Der mit Härte und gegenseitigen Vorwürfen geführte Wahlkampf hatte in Brasilien zu einer starken Polarisierung geführt. Rousseff sagte nach ihrem Wahlsieg vor Anhängern in Brasília, sie glaube nicht, dass Brasilien durch den zurückliegenden Wahlkampf gespalten sei. Der Dialog werde aber ein zentrales Anliegen ihres zweiten Mandates sein: "Ich will eine viel bessere Präsidentin als bisher sein." Sie versprach zudem, eine Volksabstimmung über eine Politikreform anzugehen und einen entschiedenen Kampf gegen Korruption zu führen.

Rousseff musste sich auf den letzten Metern der Kampagne mit Vorwürfen auseinandersetzen, sie habe von einem massiven Korruptionsskandal beim staatlich kontrollierten Ölkonzern Petrobras gewusst. Sie wies entsprechende Berichte als "Wahl-Terrorismus" zurück. 2013 waren Hunderttausende Menschen in Brasilien aus Protest gegen Korruption, Misswirtschaft und Mängel in Bildungs-, Gesundheits- und Transportwesen auf die Straße gegangen.

Die neue Regierung steht in den kommenden Jahren vor der Herausforderung, die Wirtschaft wieder anzukurbeln und die Inflation zu bekämpfen. In diesem Jahr dürfte das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts nur bei etwa einem Prozent liegen.

Das neue Mandat Rousseffs beginnt am 1. Januar 2015 und dauert bis Ende 2018. Dann ist ihre linke Arbeiterpartei PT 16 Jahren an der Macht. Brasilien ist wichtigster Handelspartner Deutschlands in Lateinamerika.

sun/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Schade Brasil!
curitibano 26.10.2014
Lula hat sich leider durchsetzen können bei der überwiegend armen und schwarzen Bevölkerung im Norden und Nordosten dieses Landes. Jetzt werden die Skandale um den "Mensalão" und der "Lava Jato" der Petrobras wohl nie aufgeklärt. Was PT von Wirtschaft versteht, haben sie in den letzten Monaten gezeigt: Rein garnichts! Wirtschaftlich wird die von PT eingeleitete Talfahrt also weiter gehen. Also 4 weitere verlorene Jahre, schade Brasilien!
2. Fuer Brasilien
kaibrasil 27.10.2014
ist dies ein schlechter Tag.
3. Dilemma für Brasiliens Wähler
refugiohostelfortaleza 27.10.2014
Ich lebe seit 3 Jahren in Brasilien und konnte zum ersten Mal einen Wahlkampf hier hautnah miterleben. Es war grausam! Letztendlich hatten die Wahlberechtigten das Dilemma, nur noch zwischen Pest und Cholera auswählen zu können, vermutlich auch ein Indiz für das knappe Ergebnis. Beide Kandidaten haben mächtig Dreck am Stecken, von daher sehe ich das Ergebnis gelassen, Bandit oder Bandit ist am Ende egal. Ich hoffe nur, dass Dilma endlich aufwacht und die rasante wirtschaftliche Talfahrt Brasiliens stoppt, sonst wird sie bald Probleme bekommen, ihre unzähligen Wohlfahrtsprogramme (Bolsa) zu bezahlen, mit denen sie sich die Präsidentschaft teuer erkauft hat...
4.
Zyanos 27.10.2014
Es tut mir leid, wenn es sie gerade trifft. Hier sind wohl Manuskripte gefragt und keine Diskussion...Merkt man erst, wenn man es mal ausprobiert.
5. Der hier ist gut:
studibaas 27.10.2014
"Zudem steht die Regierung in den kommenden Jahren vor der Herausforderung, die Wirtschaft wieder anzukurbeln und die Inflation zu bekämpfen. In diesem Jahr dürfte das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in dem Schwellenland nur bei etwa einem Prozent liegen." BIP Wachstum Deutschland 2014 (natürlich auch nur Schätzung, wie bei Brasilien): 0,8%. Ist das nun Meinungsmache gegen eine linke Politikerin? Der ganze Euroraum wächst nicht stärker.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Brasilien: Wahlkampf um die Favelas

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: