Brasilien Ex-Präsident Lula tritt zwölfjährige Haftstrafe an

Brasiliens Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat sich der Polizei gestellt. Dem Haftantritt war ein mehrtägiger Nervenkrieg mit den Behörden vorausgegangen.

Ex-Präsident Silva am 7. April
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Ex-Präsident Silva am 7. April


Der wegen Korruption verurteilte brasilianische Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat sich der Polizei gestellt. Er verließ am Samstag den Sitz der Metallarbeitergewerkschaft in Sao Paulo, um seine zwölfjährige Haftstrafe anzutreten, wie der Fernsehsender Globo berichtete.

Am Freitag hatte Lula noch eine gerichtlich festgesetzte Frist für seinen Haftantritt verstreichen lassen. Er verschanzte sich mit Parteifreunden in dem Gewerkschaftshaus in São Bernardo do Campo. Seine Anwälte legten nochmals Rechtsmittel gegen die Haftstrafe ein, scheiterten damit aber vor dem Obersten Gericht des Landes. Am Samstag kündigte Lula schließlich an, dass er seine Gefängnisstrafe antreten werde.

Anhänger des früheren Präsidenten versuchten zunächst, seine Inhaftierung zu verhindern, indem sie die Ausfahrt des Gewerkschaftshauses blockierten. Lula musste wieder aus seinem Auto aussteigen und in das Gebäude zurückkehren. Später bahnte er sich dann mithilfe seiner Leibwächter den Weg durch die Menge und wurde von Beamten der Polizei in Gewahrsam genommen.

Lula bei seiner Ankunft bei der Polizei
AFP

Lula bei seiner Ankunft bei der Polizei

Nach seiner Festnahme wurde Lula in ein Gefängnis in der südbrasilianischen Stadt Curitiba gebracht. Dort sollte er die erste Nacht in einer knapp 15 Quadratmeter großen Zelle mit eigenem Bad verbringen.

Lula besuchte am Samstag noch eine Messe für seine im vergangenen Jahr verstorbene Ehefrau. Danach hatte er sich mit einer kämpferischen Rede von seinen Anhängern verabschiedet. "Je mehr sie mich angreifen, desto mehr wächst meine Beziehung zum brasilianischen Volk", sagte er.

In Schmiergeldskandal verwickelt

Der Ex-Präsident ist in einen Skandal um Schmiergelder bei Auftragsvergaben an den staatlichen Ölkonzern Petrobras verwickelt. Unter anderem soll er von dem Bauunternehmen OAS die Renovierung eines Luxus-Appartements angenommen haben. Wegen Korruption war er zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Mehrere Anträge, bis zum Ende des Berufungsverfahrens auf freiem Fuß bleiben zu dürfen, wurden abgelehnt. Auch beim Uno-Menschenrechtsausschuss in Genf beantragte Lula eine einstweilige Verfügung, um die Inhaftierung noch abzuwenden.

Lula war zwischen 2003 und 2011 brasilianischer Staatschef. Er bezichtigte Brasiliens leitenden Anti-Korruptions-Richter Sérgio Moro der Lüge. Justiz und Medien hätten ihn davon abhalten wollen, bei der diesjährigen Präsidentschaftswahl zu kandidieren, sagte der 72-Jährige. Bei der Wahl im Oktober will er erneut für das höchste Staatsamt kandidieren. Allerdings ist unklar, ob das nach seiner Inhaftierung noch möglich ist. In den Umfragen liegt der linke Politiker mit bis zu 36 Prozent deutlich vorn.

Seine Anhänger vermuten, dass der populäre Politiker mit der Inhaftierung an einer weiteren Amtszeit gehindert werden soll. "Ich habe ein reines Gewissen. Ich vergebe ihnen aber nicht, dass sie mich einen Dieb nennen", sagte der Ex-Präsident. Er kündigte an, seine Unschuld zu beweisen und "größer, stärker" aus der Haft zurückzukehren.

irb/AFP/dpa



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