Ultrarechter Staatschef Bolsonaro erlaubt Brasilianern mehr Waffen

Brasilien ist eines der gewalttätigsten Länder der Welt. Der ultrarechte Präsident Bolsonaro genehmigt "guten Bürgern" jetzt den Kauf von bis zu vier Waffen - angeblich zum Schutz der Bevölkerung.

Bolnaro mit seiner "Waffe" Kugelschreiber
REUTERS

Bolnaro mit seiner "Waffe" Kugelschreiber


Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro hat per Dekret die Waffengesetze in dem südamerikanischen Land gelockert. Damit erfüllt der seit dem 1. Januar amtierende Präsident ein zentrales Wahlversprechen seines Programms für "Recht und Ordnung".

Bei der im Fernsehen direkt übertragenen Zeremonie im Präsidentenpalast Planalto in Brasília sagte Bolsonaro, um das "Recht auf Notwehr" zu gewährleisten, werde er als Präsident "diese Waffe benutzen" - dabei zeigte er seinen Kugelschreiber.

Das Dekret ermöglicht nach Bolsonaros Worten "guten Bürgern", schneller Waffen zu erwerben. Künftig können Brasilianer bis zu vier Schusswaffen kaufen und zu Hause oder am Arbeitsplatz aufbewahren. "Das Volk will Waffen und Munition kaufen, und wir können ihm das nicht verweigern", sagte Bolsonaro.

Bislang mussten die Bürger in Brasilien einzeln nachweisen, warum sie eine Waffe benötigen. Das Recht, Waffen im öffentlichen Raum zu tragen, wird in dem Dekret nicht behandelt. Auch andere Beschränkungen bleiben bestehen: So müssen Waffenkäufer ihre psychologische Befähigung nachweisen.

2017 gab es fast 64.000 Morde

In Lateinamerikas größtem Land wurden im Jahr 2017 fast 64.000 Morde registriert. Damit ist Brasilien weltweit einer der gefährlichsten Staaten außerhalb eines Kriegsgebiets. Zum Vergleich: In Deutschland gab es im vergangenen Jahr etwa 730 Tötungsdelikte.

Die Lockerung der Waffengesetze durch Bolsonaro könnte nach Meinung von Kritikern dazu führen, Gewaltverbrechen weiter anzuheizen. Zuletzt hatten sich 61 Prozent der Brasilianer in einer Umfrage gegen eine Liberalisierung des Waffenrechts ausgesprochen.

Bolsonaro hatte im Oktober vergangenen Jahres die Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien gewonnen. Der 63-jährige Kandidat der Sozial-Liberalen Partei (PSL) siegte über seinen Kontrahenten Fernando Haddad von der linken Arbeiterpartei (PT).

als/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.