Abgehörtes Telefonat Tausende Brasilianer protestieren gegen Rousseff und Lula

Tausende sind in Brasilien spontan auf die Straße gegangen. Sie protestierten gegen Präsidentin Rousseff, die ihren Amtsvorgänger Lula in die Regierung holen will. Für zusätzliche Aufregung sorgt ein abgehörtes Telefonat.

Demonstranten in São Paulo
REUTERS

Demonstranten in São Paulo


Sie versammelten sich zu Tausenden in 18 Bundesstaaten: In Brasilien haben vielerorts Menschen gegen die Ernennung des früheren Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva zum Minister protestiert. In der Hauptstadt Brasília setzte die Polizei Tränengas gegen Demonstranten ein.

Die protestierenden Brasilianer forderten den Rücktritt von Staatschefin Dilma Rousseff und verurteilten die Ernennung des unter Korruptionsverdacht stehenden Lula zum Kabinettschef.

Zuvor hatte Ermittlungsrichter Sérgio Moro die Veröffentlichung eines abgehörten Telefonats genehmigt. Die Opposition interpretiert die Aussagen in dem Gespräch so: Rousseff soll Lula gesagt haben, ihn mit der Ernennung vor einer möglichen Verhaftung bewahren zu wollen. Die Präsidentin kritisierte die Veröffentlichung des Mitschnitts scharf. Offiziell soll der Ex-Staatschef dabei helfen, Brasiliens Wirtschaftskrise zu bekämpfen.

Gegen den 70-Jährigen laufen Korruptionsermittlungen, unter anderem wegen Ungereimtheiten bei einem Luxusapartment an der Atlantikküste. Die Staatsanwaltschaft São Paulo hat sogar deshalb Untersuchungshaft beantragt. Mit dem Aufrücken in die Regierung werden die Hürden für einen Prozess deutlich höher, weil nur der Oberste Justizgerichtshof über das Vorgehen gegen ihn urteilen kann.

In Brasilien wird gegen 57 Politiker wegen Schmiergeldzahlungen bei Auftragsvergaben des halbstaatlichen Ölkonzerns Petrobras ermittelt. Der Skandal hat das Vertrauen in die seit 2003 regierende linke Arbeiterpartei schwer erschüttert. Die Opposition wirft Rousseff vor, von dem Korruptionsnetz gewusst zu haben.

Bereits hatten mehr als drei Millionen Menschen für die Amtsenthebung der Präsidentin demonstriert. Ihre Amtszeit läuft regulär erst 2018 ab.

syd/dpa/AFP

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insgesamt 25 Beiträge
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ein_deutscher 17.03.2016
1. Amtsenthebung sofort!
Brasilien schreibt Geschichte. Mit etwas Glück entledigt man sich den Leuten die das Land ruinieren. Glückwunsch an Richter Moro und den Millionen auf der Strasse.
romaval 17.03.2016
2. Es ist eine Schande
wie korrupte und unfähige Politiker ein rohstoff reiches Land wie Brasilien an die Wand fahren. Das ist ein Beispiel für das Lehrbuch.
darthmax 17.03.2016
3. Südamerika
In Südamerika protestieren alle Menschen, wenn sie nicht mit Ihren Politikern ( die sie gewählt haben ) einverstanden sind. Bei uns demonstrieren nur die Linken und die Rechten, meist aggressiv, wir nehmen das Wahlrecht in Anspruch. Wenn sich doch nur jemand für die Ergebnisse der Wahl interessieren würde, zwecks Korrektur.
Milkboy 17.03.2016
4.
Ich lebe in Brasilien. Diese Gier nach Geld kann man schon bei der "besser verdienenden" Mittelschicht, zu Vergleichen mit einem Deutschen mit Haus und Auto, sehen. Grundstücke einfach mal ums 10xfache des eigentlichen Wertes anbieten usw. Auch Banken funktionieren nicht. Oder wer kann sich in D oder Ö vorstellen das das Geld das man überwiesen hat nie ankommt und dann noch jahrelang vor Gericht darum streiten muss? Oder man 4-5 Stunden in der Bank sitzt um ein Konto zu eröffnen? Die einfachen Leute hier haben eine Eselsgeduld, ich hätte schon alles angezündet.
ein_deutscher 17.03.2016
5. Unabhängikeit der Justiz.
In Brasilien scheint die Gewaltenteilung noch einigermassen zu funktionieren. Richter Moro macht sich damit zum Anwalt der Massen. #3 Auch die Südamerikaner nehmen das Wahlrecht in Anspruch. Gerade in Argentinen. Dagengen in der von Demenz geplagten Republik wird man immer wieder die Gleichen wieder wählen, da die Erinnerung an Skandale gerade mal für drei Wochen reicht. Belegt durch Jahrzehnte lange Regierungsperioden in der Vergangenheit.
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