Brasilien Präsidentschaftskandidat Bolsonaro bei Messerattacke verletzt

Am 7. Oktober wird in Brasilien gewählt, in der ersten Runde dürfte der rechtspopulistische Kandidat Jair Bolsonaro gewinnen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung wurde er nun angegriffen und verletzt.

Jair Bolsonaro kurz nach dem Angriff
AFP/RAYSA LEITE

Jair Bolsonaro kurz nach dem Angriff


Ein Angreifer hat den ultrarechten brasilianischen Präsidentschaftskandidaten Jair Bolsonaro bei einer Wahlkampfveranstaltung mit einem Messer verletzt. Nach der Attacke wurde der Ex-Militär in einem Krankenhaus operiert, wie örtliche Medien am Donnerstag berichteten. Demnach war Bolsonaro an einer wichtigen Arterie und am Darm verletzt worden.

Zuvor war nur von einer oberflächlichen Wunde die Rede gewesen. "Bedauerlicherweise war es schlimmer, als wir dachten. Auch die Leber, die Lunge und der Darm wurden verletzt. Er verlor viel Blut, erreichte fast tot das Krankenhaus", schrieb Bolsonaros Sohn auf Twitter. "Sein Zustand scheint nun stabil zu sein. Bitte betet." Flavio Bolsonaro hatte zuvor von einem oberflächlichen Stich in der Bauchgegend geschrieben und dass es seinem Vater gut gehe.

Die nächsten 48 Stunden seien entscheiden für die Genesung des Patienten, berichtete die Zeitung "Folha de São Paulo" unter Berufung auf die Ärzte. Weil die Wunde sich in der Nähe des Verdauungstrakts befinde, bestehe das Risiko einer Infektion, hieß es.

Fernsehbilder zeigten, wie der 63-jährige Bolsonaro auf den Schultern seiner Anhänger durch die Stadt Juiz de Fora im Bundesstaat Minas Gerais getragen wird. Plötzlich zuckt der Politiker zusammen und krümmt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht. Es ist eine Klinge zu erkennen, die vom Körper weggezogen wird. Ein Verdächtiger sei nach der Attacke festgenommen worden, berichtete die Zeitung "O Globo". Das Motiv für den Angriff ist bisher unklar.

Bolsonaro liegt in einer aktuellen Umfrage für die erste Runde der Präsidentschaftswahl am 7. Oktober vorn. In der zweiten Wahlrunde würde er aber von fast allen anderen Kandidaten geschlagen. Bolsonaro ist ein Verteidiger der Militärdiktatur der Jahre 1964 bis 1985. Er fällt immer wieder mit rassistischen, frauenfeindlichen und homophoben Äußerungen auf. Einer Politikerin bescheinigte er einmal, sie habe es nicht verdient, vergewaltigt zu werden, "weil sie sehr hässlich ist". Die Anhänger von Lulas linker Arbeiterpartei sollten erschossen werden, sagte er ein anderes Mal.

"Nicht hinnehmbar"

Bei der Präsidentschaftswahl wäre Ex-Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei der eigentliche Favorit. Er sitzt aber nach einer Verurteilung wegen Korruption und Geldwäsche im Gefängnis und darf nach jetzigem Stand nicht antreten.

Trotz aller ideologischer Unterschiede verurteilten Politiker aller Couleur den Anschlag auf Bolsonaro. Präsident Michel Temer nannte den Angriff "nicht hinnehmbar", der linke Präsidentschaftskandidat Ciro Gomes sprach von "Barbarei" und Lulas Nachfolger Fernando Haddad schrieb auf Twitter: "Ich verurteile jede Gewalttat und wünsche Jair Bolsonaro gute Besserung."

Keine Wahl seit der Rückkehr Brasiliens zur Demokratie vor 30 Jahren war so schwer einzuschätzen wie diese. Zahlreiche Politiker und Geschäftsmänner stehen unter Korruptionsverdacht, viele von ihnen mussten deshalb ins Gefängnis. Das hat das Vertrauen der Wähler erschüttert.

jat/aar/dpa/AFP/Reuters

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