Angst vor Geistern Brasilianischer Präsident zieht aus Palast aus

"Ich konnte nicht schlafen": Der brasilianische Präsident Michel Temer findet den Präsidentenpalast zu gruselig - und zieht deshalb wieder aus. Der Spott ließ nicht lange auf sich warten.

Michel Temer
REUTERS

Michel Temer


Nach nur elf Tagen hat Brasiliens Präsident Michel Temer die renovierte Präsidentenresidenz wieder verlassen - aus Angst vor Geistern. Nun muss er mit einer Welle des Spotts leben. "Die Energie dort war nicht gut", sagte der 76-Jährige dem Magazin "Veja". Er habe im Präsidentenpalast keinen Schlaf gefunden. Auch seine Frau Marcela habe sich nicht wohl gefühlt: "Wir haben sogar begonnen, uns zu fragen: Könnten hier Gespenster sein?", sagte Temer. Laut der Tageszeitung "Globo" zog die Frau des Staatschefs einen Priester zu Rate, der böse Geister vertreiben sollte, jedoch ohne Erfolg.

Im Palácio da Alvorada wohnt der Präsident traditionell, sein Regierungssitz ist aber der Palácio do Planalto. Temer, Mitglied der rechtsliberalen Partei der Demokratischen Bewegung (PMDB), hatte im vergangenen Mai vorläufig die Nachfolge von Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff angetreten. Der Kongress hatte die Staatschefin von der Arbeiterpartei (PT) im August in einem Amtsenthebungsverfahren abgesetzt.

Kabarettisten stellten Temers Dialoge mit den Geistern nach - und bei Twitter betonten Nutzer: "Die Geister der Demokratie haben ihn vertrieben." Eine Anspielung darauf, dass er - als Vizepräsident und langjähriger Verbündeter - durch einen Koalitionsbruch die Mehrheiten für die Absetzung von Präsidentin Dilma Rousseff organisiert hatte. Andere Nutzer meinten, das sei halt die Strafe für "Putschisten".

Palácio da Alvorada
DPA

Palácio da Alvorada

Der von Oskar Niemeyer als erstes Gebäude in der neuen Hauptstadt Brasilia gebaute Palast war nach der Amtsenthebung von Rousseff für rund 6000 Euro etwas umgebaut worden, damit dort neben Temer, 76, seiner Frau Marcela, 33, einer früheren Schönheitskönigin, auch ihr gemeinsamer Sohn Michelzinho, 7, wohnen kann.

Laut Temer habe sich ihr Sohn als einziger dort wohl gefühlt. Die Familie hatte ohnehin lange gewartet mit dem Umzug aus dem in der Nähe gelegenen Palast des Vizepräsidenten, dem Palacio do Jaburu, in die Residenz des Präsidenten. Nun wohnt Familie Temer wieder im Palacio do Jaburu.

Temer und seine Regierung müssen derzeit auf gute Geister hoffen, da weitere Enthüllungen im Korruptionsskandal um den Baukonzern Odebrecht erwartet werden, die der Justiz schon vorliegen, und wegen der Dimension in Brasilien als "Ende der Welt" bezeichnet werden.

sep/koe/dpa/AFP

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