Korruptionsvorwürfe Brasiliens Präsidentin klagt über "Wahl-Terrorismus"

Vor der Stichwahl in Brasilien geht es hart zur Sache. Präsidentin Rousseff steht im Verdacht, über ein Schmiergeldsystem beim staatlich kontrollierten Ölkonzern informiert gewesen zu sein. Sie verteidigt sich mit harschen Worten.

Kandidaten Rousseff (r.) und Neves: Ärger beim TV-Duell
AFP

Kandidaten Rousseff (r.) und Neves: Ärger beim TV-Duell


Rio de Janeiro - Am Sonntag sollen die brasilianischen Wähler entscheiden, wer sie künftig regieren wird: Bei der Stichwahl kämpft die bisherige Präsidentin Dilma Rousseff gegen Herausforderer Aécio Neves - und gegen massive Korruptionsvorwürfe.

Laut einem Bericht der Zeitschrift "Veja" sollen Rousseff und deren Vorgänger Luiz Inácio Lula da Silva über ein groß angelegtes Schmiergeldsystem beim staatlich kontrollierten Ölkonzern Petrobras informiert gewesen sein.

Im letzten Fernsehduell vor der Stichwahl wies Rousseff den Bericht als böswillig zurück und warf der Zeitschrift vor, keine Beweise vorgelegt zu haben. Das meistgelesene Magazin des Landes betreibe "Wahl-Terrorismus" sagt Rousseff.

Der "Veja"-Bericht beruft sich auf Aussagen des seit März wegen Geldwäsche-Vorwürfen inhaftierten Devisenhändlers Alberto Youseff, nach dessen Angaben Rousseff und Lula "alles" über das Korruptionssystem bei Petrobras gewusst hätten.

Devisenhändler Yousseff ist einer der Hauptverdächtigen im Petrobas-Skandal, der das Land bereits seit Monaten beschäftigt. Insgesamt sollen dabei seit 2006 bis zu 10 Milliarden Reas (rund 3,3 Milliarden Euro) veruntreut worden sein. Unter anderem soll illegal Geld an Parteien, darunter an Rousseffs Arbeiterpartei PT geflossen sein.

Oppositionskandidat Neves nahm den neuen Magazinbericht zum Anlass, um Rousseff im Fernsehduell am Freitag hart anzugehen. Gleich zu Anfang fragte er die Präsidentin, ob sie von der Korruption gewusst habe. Sie verneinte.

In den Umfragen hat der Skandal der Amtsinhaberin bisher nur geringfügig geschadet. Am Donnerstag, vor der finalen TV-Debatte, bescheinigten ihr zwei Institute einen Vorsprung von sechs bis acht Prozent. Eine weitere am Freitag veröffentlichte Umfrage sah dagegen den Herausforderer Neves knapp vorn.

stk/dpa/AP



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