Erschossene Politikerin Mord an Stadträtin erschüttert Brasilianer

Sie prangerte die Polizeigewalt gegen die Ärmsten in den Slums von Rio an. Nun ist die Stadträtin Marielle Franco erschossen worden - die Hintergründe sind unklar. Demonstranten erinnern an die 38-Jährige.

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Nach dem Mord an der Stadträtin und Frauenrechtlerin Marielle Franco haben sich in Rio de Janeiro Tausende Menschen zum Protest zusammengetan. Franco hatte in der Vergangenheit immer wieder Polizeigewalt in den armen Vierteln der Metropole angeprangert. Am vergangenen Mittwoch waren die 38-Jährige und ihr Fahrer im als gefährlich geltenden Norden Rios erschossen worden.

Franco war eine aufstrebende Politikerin und Nachwuchstalent der Partei für Sozialismus und Freiheit (PSOL). Es wird vermutet, dass sie von Polizisten ermordet wurde. Ihr Pressesprecher, der mit Franco in dem angegriffenen Auto gesessen hatte, hat den Anschlag überlebt.

"Es ist viel zu früh, um Täter zu benennen, aber der Mord stand mit großer Wahrscheinlichkeit in Verbindung mit ihrer politischen Arbeit", sagte ein Staatsanwalt, der namentlich nicht genannt werden wollte. Polizeisprecher Rivaldo Barbosa sagte, dass eine Exekution eine der möglichen Todesursachen sei. Verantwortliche nannte er nicht.

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Marielle Franco: "Wir müssen laut schreien"

Erst am vergangenen Sonntag hatte Franco in einem Facebook-Eintrag der Polizei vorgeworfen, bei einer Hausdurchsuchung zwei Jungen erschossen zu haben. "Wir müssen so laut schreien, damit alle mitbekommen, was hier gerade los ist", schrieb Franco, die selbst in einem der Armenviertel aufgewachsen war. "Zwei Jungen wurden erschossen und einfach verscharrt. Und die Polizei geht weiter herum und schüchtert die Menschen ein, die hier leben."

Die Polizei meldete, es habe im Zusammenhang mit einer Drogenrazzia an dem besagten Abend Schüsse gegeben. Todesfälle seien aber nicht bekannt. Die rivalisierenden Gangs der Gegend stritten ebenfalls jede Verantwortung ab.

Auch in Sao Paulo und weiteren brasilianischen Städten kamen am Donnerstagabend Anhänger von Franco zusammen, um an sie zu erinnern. Einige von ihnen hielten Schilder hoch, mit denen sie die Polizeigewalt anprangerten. "Ihr Kampf hat uns Kraft gegeben, auch unseren eigenen fortzuführen", sagte Danielle Ramos, die in Rio protestierte. "Die beste Möglichkeit, wie wir ihrer gedenken können, ist, jeden Tag weiter für ihre Ziele zu kämpfen."

vks/Reuters



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